Weichenstellung für Papstwahl

Geschrieben von franz_liszt am 28. September 2003 12:57:33:

Schönen Sonntag Foris,

hier ein paar Details zu den Kardinälen, die den nächsten Papst wählen.

Gruß franz_liszt

Samstag 27. September 2003, 16:14 Uhr
Weichenstellung für Papstwahl

Rom (dpa) - Der schwer kranke Papst Johannes Paul II. gibt an diesem Sonntag
sehr wahrscheinlich die Namen zahlreicher neuer Kardinäle bekannt. Damit stellt
der 83-Jährige die Weichen für die Wahl eines neuen Papstes. Italienische
Zeitungen sprachen am Samstag von vermutlich 20 bis 30 neuen Purpurträgern.

Viele seien aus Lateinamerika, Afrika und Asien, wodurch sich das
Stimmenverhältnis bei einer Papstwahl in Richtung Dritte Welt verschieben dürfte.
Aber auch Italiener und Nordamerikaner wären darunter, Deutsche wurden bisher
nicht genannt.

Die offizielle und feierliche Kardinalsernennung, die zunächst zum Jahresanfang
2004 geplant war, soll dem Vernehmen nach wegen der angeschlagenen
Gesundheit des Papstes auf den 22. Oktober vorgezogen werden. In Vatikankreisen
heißt es, dies geschehe deshalb, weil unsicher sei, wie lange der an der
Parkinsonschen Krankheit leidende Kirchenführer noch anstrengende, mehrstündige
Zeremonien durchhalten könne. Offiziell bestätigte der Vatikan allerdings keinen
Termin für die Bekanntgabe der Namen.

Kardinäle sind nach dem Papst die höchsten Würdenträger der
römisch-katholischen Kirche. Aus ihrem Kreis gehen die Päpste hervor. Zugleich
besitzen die unter 80 Jahre alten Kardinäle allein das Recht, den neuen Papst zu
wählen. Derzeit sind 109 Purpurträger wahlberechtigt, darunter 52 aus Europa. 6
kommen aus Deutschland. Zu ihnen gehören Kurienkardinal Jospeh Ratzinger und
der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann. 12 sind aus
Nordamerika, aus der Dritten Welt kommen 45 Wahlberechtigte.

Vatikanexperten in Rom handelten am Samstag eine kleine Sensation: Es gelte als sicher, dass der persönliche
Papstsekretär, der polnische Bischof Stanislaw Dziwisz, die Kardinalswürde erhält. Eine solche Ehrung für einen
Sekretär sei, zumindest seit mehreren Jahrhunderten, ohne Beispiel. Der 64-Jährige gilt mittlerweile als einer der
mächtigsten Männer im Vatikan. Er allein bestimme, welche Besucher beim Kirchenführer zugelassen würden, hieß
es.

Weiter wird erwartet, dass weitere sechs bis neun italienische Kirchenmänner die Kardinalswürde erhalten. Damit
würde die Zahl der italienischen Papstwähler auf 22 bis 25 ansteigen. Das wären weit mehr als aus jedem anderen
Land. Den Italienern fiele damit auch bei einer künftigen Papstwahl eine Schlüsselrolle zu. Bis zur Wahl von Johannes
Paul im Oktober 1978 waren 450 Jahre lang ausschließlich Italiener Päpste.

Als weitere neue Kardinäle wurden unter anderen der Kolumbianer Alberto Giraldo Jaramillo und der Brasilianer
Eusebio Oscar Scheid sowie die Afrikaner Francisco Chimoio (Mosambik) und Ndingi Mwanaa Nzeki (Kenia)
gehandelt. Aus Asien würde vermutlich der Bischof von Manila (Philippinen), Gaudencio Rosales, den Purpurmantel
erhalten.

Johannes Paul hatte am vergangenen Mittwoch seine Generalaudienz überraschend abgesagt. Zunächst sprach der
Vatikan von eher harmlosen «Darmproblemen». Eine italienische Zeitung schrieb aber später, Vatikanärzte hätten
zeitweise einen Darmverschluss befürchtet, die römische Gemelli-Klinik sei bereits alarmiert worden. Der Papst kann
seit einiger Zeit nur noch sehr schlecht sprechen, hat schwere Atemprobleme und sitzt im Rollstuhl.



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