Russisches Militär im Tausch gegen Öl zu haben
Geschrieben von Nexus am 08. September 2003 07:32:10:
Als Antwort auf: NACHRICHTEN (owT) geschrieben von Johannes am 08. September 2003 00:18:43:
>.
Von Gisbert Mrozek, Moskau. Beteiligung an einer internationalen Irak-Truppe könne nur im Paket mit den Wirtschaftsinteressen Russlands diskutiert werden, erklärt der aussenpolitische Sprecher der Duma, Dmitri Rogosin, der die Pose liebt, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Die Frage sei, ob russische Konzerne tatsächlich in die alten Öl-Verträge und Bau-Projekte zurückkehren können oder nicht. Während sich Berlin und Paris schon auf Ablehnung des neuesten amerikanischen UNO-Resolutionsentwurfes zum Irak festgelegt haben, schwimmt Moskau noch in der Mitte zwischen USA und Europa. Bewegt sich aber in Richtung WashingtonRogosin ergänzte seine Forderung „Öl gegen Truppenbeteiligung“ auch noch um ein diplomatisches Element: Die Rolle der UNO im Irak müsse nicht nur „wesentlich“ sein, wie die USA bisher sagen, sondern „bestimmend“, sagte der Duma-Sprecher.
Dafür, dass die USA die Führungsrolle der UNO anerkennen, lobte derweil Aussenminister Igor Iwanow schon den neuen Resolutionsentwurf. Er spiegele wieder, was Russland schon immer wollte, nämlich Führungsrolle der UNO, schnelle Wiederherstellung der Souveräneität und legitime Regierung für den Irak.
Während Iwanow die alten Essentials der russischen Diplomatie wiederholte, wollte er aber auch Truppenentsendung nicht ausschliessen. Russland sei auch nicht prinzipiell gegen US-Oberkommando, denke aber noch nicht über Beteiligung an einer internationalen Friedenstruppe für den Irak nach. Der neue amerikanische Resolutions-Entwurf, bemerkte Aussenminister Igor Iwanow in Taschkent, sei bisher noch nicht offiziell in den Sicherheitsrat eingebracht worden. Eine internationale Irak-Truppe müsse aber auf jeden Fall ein UNO-Mandat haben.
Am Wochenende hatte schon Wladimir Putin, als er in Italien bei Berlusconi weilte, russische Friedenstruppen unter US-Kommando schon für möglich gehalten. Gestern sagte Verteidigungsminister Sergej Iwanow bei Militärmanövern in der Nähe von Astrachan noch einmal deutlich „Jein“. Die Frage sei nicht aus dem Handgelenk zu entscheiden, sagte er. Alles hänge davon ab, ob der UNO-Sicherheitsrat sich einigen könne – und wieviel realen Einfluss die UNO im Irak bekomme.
Kurz und gut: Russland ist prinzipienfest bereit, sich der Mehrheit in der UNO anzuschliessen.
Mit ganz besonderer Besorgnis betrachten russische Öl-Konzerne die Lage im Irak. Die Tageszeitung „Wremja Novostjej“ zitiert den Vorsitzenden der Union der Öl- und Gasindustriellen, Juri Schafranik mit den Worten: „Der Öl-Brückenkopf, der von Moskau im Ergebnis des amerikanisch-britischen Feldzuges verloren wurde, muss zurückgeholt werden.“
Ein Kurswechsel des Kreml dürfte allerdings schwerlich unterstützung beim russischen Wählervolk finden. In der benachbarten Ukraine lehnen nach einer neuen Umfrage des „Zentrums für soziale Prognosen“ 77 Prozent der Ukrainer die Beteiligung ihres Landes an der Besetzung des Irak ab. Die Ukraine hat den USA bereits ein kleines Kontingent von ABC-Abwehrspezialisten zum Einsatz im Irak zur Verfügung gestellt.