Re: (Nicht nur) @King Henry: Konterkarieren die USA die östlichen Pläne?
Geschrieben von Subman am 01. Juli 2003 21:00:18:
Als Antwort auf: Re: (Nicht nur) @King Henry: Konterkarieren die USA die östlichen Pläne? geschrieben von Swissman am 01. Juli 2003 03:13:38:
Hallo Swissman.
Danke für Deine interessante Analyse!
Bleibt nur zu hoffen dass "unser Finanzsystem" noch ein weilchen stabil bleibt und niemand ein Loch in die gigantische Schuldenblase pikst! ;-)
Gruss
Subman
>Hallo Subman,
>>Die Frage die sich mir nun stellt...wie sieht die Strategie der "Gegenseite",
>>sprich Russland/China aus?
>>Laut Deiner Einschätzung (ist, glaub ich, auch bei Nyquist nachzulesen?!) dürfte RU seine Vorbereitungen 2006-2008 abgeschlossen haben.
>>Könnte RU gezwungen sein, durch die Politik Bush´s bzw. der US-Administration, ihre eigenen Pläne zu forcieren bzw. schneller zu Handeln und "Phase 4" zu beschleunigen?
>Laut Anatoly Golitsyn, dem bis dato höchstrangigen Überläufer aus den Reihen des KGB, fährt der Osten eine zweigleisige Strategie: Einerseits versucht man, die westlichen Staaten im kommunistischen Sinne zu beeinflussen, die Moral der Bürger untergraben und deren Widerstandskraft auf jede erdenkliche Art von innen heraus zu schwächen, mit dem Ziel einer mittel- bis längerfristigen "legalen" Machtübernahme. Andererseits wird insgeheim weiterhin aufgerüstet und neue Waffen entwickelt, um den Westen bei Bedarf von aussen mit den Segnungen der Weltrevolution zu beglücken.
>Die beiden Strategien ergänzen und fördern sich gegenseitig: Mit fortschreitender Zerstörung der westlichen Zivilisation steigen naturgemäss auch die Erfolgsaussichten einer allfälligen Militäraktion.
>Die sowjetische Langzeitstrategie beinhaltet ein gehöriges Mass an Flexibilität, um nötigenfalls auf unvorhergesehene Entwicklungen reagieren zu können. Die Anpassungsfähigkeit ist aber nicht grenzenlos: Einerseits benötigt man für die seriöse Vorbereitung eines Atomkrieges Jahre, wenn man loslegt, bevor die eigenen Vorbereitungen ganz, oder zumindest weitgehend, abgeschlossen ist, werden die Risiken unkalkulierbar.
>Das andere ist der Zeitpunkt der "legalen" Machtergreifung - Unter normalen Umständen wird selbst die heutige Spassgesellschaft keine kommunistische Mehrheit wählen. Die günstigste Gelegenheit ist daher dann, wenn der Westen von einer besonders starken Wirtschaftskrise heimgesucht wird. Da Wirtschaftskrisen sich im Allgemeinen nicht auf blossen Befehl hin einstellen (ein künslich herbeigeführter Ölschock würde den Wunsch des Ostens beinahe augenblicklich erfüllen, dessen Initiierung braucht aber ebenfalls eine gewisse Vorbereitungszeit), heisst es abwarten und den Westen bis dahin weiter unterminieren. (Wenn es schliesslich soweit ist, kann und wird man versuchen, die Lage durch gezielt Wirtschaftssabotage zusätzlich zu verschärfen
>Diese Herangehensweise hat für die kommunistische Seite den zusätzlichen Vorteil, dass dadurch Karl Marx' Theorie schlussendlich doch noch "bewiesen" werden könnte - diese sagte nämlich seinerzeit voraus, dass der Kapitalismus periodisch von Krisen heimgesucht werde, die von Mal zu Mal schlimmer würden. Schlussendlich würde die letzte, schlimmste Krise zum allgemeinen Zusammenbruch führen und den Kapialismus an den ihm eigenen Widersprüchen zerbrechen lassen. In der Folge würde das Proletariat die allgemeine Weltrevolution durchführen und die letzten Reste der alten Ordnung beseitigen.
>Ob die Welrevolution von innen oder aussen kommt, ist dabei zweitrangig - so oder so haben die Kommunisten im Erfolgsfall "bewiesen", dass Karlchen Marx der grösste Denker aller Zeiten war.
>In der Praxis bedeutet dies, dass die Kommunisten im Zuge der Krise wo immer möglich versuchen werden, über die Urne an die Macht zu kommen. Wo die Bevölkerung sich noch genügend geistige Restsubstanz bewahrt hat, um ihnen diesen Weg zu verwehren, sorgen kommunistische Maulwürfe dafür, dass die "fortschrittlichen Kräfte" auf die Strasse gehen. Nach dem Muster der Französischen Revolution würde dabei der ordinäre Pöbel unter Anleitung geschulter Rädelsführer als Rammbock eingesetzt.
>Im Idealfall führt dies zum gewaltsamen Umsturz, womit Marx recht behalten hätte. Gelingt dies nicht - auch gut: Dann marschiert eben die Rote Armee los, natürlich nur deswegen, weil die sogenannt "fortschrittlichen Kräfte" der westlichen Staaten um brüderlichen Beistand gebeten haben. Auch in diesem Fall behält Marx - im Erfolgsfall - recht.
>Wenn/falls die US-Führung den Ernst der Lage tatsächlich erkannt hat und ernsthafte Schritte zur Abwehr der Gefahr unternimmt, dann ist es durchaus möglich, dass die kommunistische Führung versuchen wird, die Verwirklichung ihrer Pläne nach Möglichkeit zu beschleunigen. - Da die Verwirklichung der Langzeitstrategie aber teilweise von Faktoren abhängt, die sich nicht, oder nur teilweise beeinflussen lassen, rechne ich nicht mit grossen zeitlichen Verschiebungen. Zudem ist der Westen im Moment in einem Zustand, in dem er Jahre brauchen wird, bis die einstige Stärke wiederhergestellt ist...
>Dabei könnte man noch den Vorbehalt machen, dass der letzte Satz nur unter der Bedingung gilt, dass zwischenzeitlich keine revolutionär neuen Waffentechnologien entwickelt werden.
>Der Zeitraum 2006 - 2008 erscheint mir nach wie vor als wahrscheinlichster Zeitpunkt.
>mfG,
>Swissman