Auf folgenden Text wurde ich per E-mail hingewiesen...
Geschrieben von Justice am 21. Juni 2003 01:31:05:
Als Antwort auf: Übermut tut selten gut! geschrieben von H.Joerg H. am 21. Juni 2003 00:46:27:
Aus dem Regentreff-forum.
Wehe uns, wenn wir nicht im Angesicht der Millionen Menschen, der sinnlos Dahinlebenden, als Anmaßende und Hassenswerte verfolgt und gehasst werden!
Unsere Generation hatte keinen Krieg und keine große Depression. Unser Kampf ist kein gewalttätiger, unserer ist ein spiritueller. Unser Kampf gilt dieser Welt, dieser oberflächlichen, den Menschen als bloßes Arbeits- und Konsumwesen verdummenden Welt. Er wird betrogen mit Berufen, die er hasst, damit er sich Dinge kaufen kann, die er nicht braucht. Alles was wir haben, hat irgendwann uns! Wir sind mehr als die Masse dessen, was wir konsumieren. Unser Essen ist mit Chemie zersetzt, damit wir keinen klaren Gedanken mehr fassen können. Dies erfahren wir aus Medien, die erst zu spät berichten. Große Konzerne reißen die Macht der ganzen Welt an sich. Die USA als ihr politischer Handlanger und Wegbereiter tyrannisiert diese unsere Erde. Alles Schöne weicht einer umweltzerstörenden menschenverachtenden Konsummaschinerie, die nur Nichtiges produziert und uns mit immer neuen Nichtigkeiten in Abhängigkeit hält. Unser vergangenes Jahrhundert war gekennzeichnet durch eine höchsperfektionierte Oberflächlichkeit und Äußerlichkeit. Masse, Mode, Mehrheit, Meinung – lauter Varianten und Ausdrucksformen des Nichts. Wir leben im Jahrhundert, das den Götzen des Nichts anbetet. Wir haben eine ungeheure Liebe zum Gewöhnlichen, Platten und Banalen entwickelt.
Ein drittel unserer Kinder sitzt mit offenen Mündern vor der Play-Station, das zweite drittel feiert im Exzess als Ravenation, das dritte drittel sitzt perspektivlos rum auf deutschen Straßen. Kleine Mädchen springen nach der Auflösung ihrer Lieblingsmusiker aus dem Fenster. Ihre Eltern bekommen es erst Tage später mit, da das Mirkowellenessen noch immer im Kühlschrank liegt. Diese Generation hat keine Angst vor dem Tod, aber Angst bis dahin zu Leben. Notfalls drücken wir wie beim Computerspiel auf Neustart. Antriebslos, frustriert und ausgebrannt kriechen wir mit Dackelblick der Zukunft entgegen. Zeit ist das wertvollste und nichts wünschen wir uns mehr, als dass sie schneller vergehen möge und die Langeweile nicht erdrückend wird. Wir alle sind mit 30 gestorben, werden aber erst mit 70 begraben.
Wir haben nichts zu sagen und keine Möglichkeit es auszudrücken, aber wir können es auf drei verschiedenen Sprachen sagen. Wir leben in einer Welt in der millionen kreischender Teenies völlig abdrehen, wenn schlechte Schauspieler noch schlechter singen. Kann es sein, dass Paare die den Müll sauber trennen, trotzdem ihre Kinder schlagen, ist nur ein scheiß Kratzer im scheiß neuen Jahreswagen?
Das Fernsehen will uns von klein auf einreden, dass wir alle Musik- und Filmstars oder Millionäre werden – werden wir aber nie! Langsam begreifen wir das aber, und genau das lässt uns fast ausrasten! Uns wird ein Bild von schönen und schönsten Menschen in der Werbung vorgespielt – und nichts wünschen wir uns mehr als so wie sie zu sein. Das was wir nicht selbst erreichen können, versuchen wir durch sinnlose Arbeit und daraus ermöglichtem Konsum und scheinbar angehobenem Selbstwertgefühl wie durch den Kauf eines großen Autos auszubessern - bleiben aber unzufrieden und sind nicht einmal mehr für ein paar Tage zu sättigen. Wir warten nur noch auf Ereignisse, auf den Fernseher, der uns allabendlich beschallt, auf die heile Welt in Serien – im Inneren träumen wir aber davon, endlich den Fernseher einzuschlagen und wahrhaft frei zu sein. Freuen uns auf das Wochenende, um aus unserer Arbeit zu entkommen, doch am Montag schon gehen wir wieder hin – im ewigen Trott einer verlogenen Politik und verdummenden Wirtschaftsstrategie. Die Wochenenden werden in Alkohol und Drogen ertränkt. Wir feiern allein unter Vielen. Nirgends sind wir einsamer als in einer Menschenmasse.
Das Einzige, worauf wir noch warten, ist etwas, wofür es sich wirklich lohnt zu warten. Wir wollen endlich aufhören, Magazine über Stars zu lesen, uns interessiert nicht, was in Hollywood passiert! Noch niemals im Laufe der bekannten Geschichte der Menschheit ist soviel Verstandeskraft an soviel Oberflächlichkeit und Äußerlichkeit verschwendet worden. Das ist das prägende Kennzeichen unserer armseligen, schicksalsschweren Zeit. Das ist unsere große Depression – unser großer Krieg.
Mit unseren fetten Bierbäuchen betrachten wir bei Chips, Cola und Bier jeden Tag Krieg, Mord und Bomben. Gelangweilt schalten wir auf „Deutschland sucht den Superstar“ oder Videokanäle. Ob das Blut echt oder nur Ketchup ist, können wir nicht mehr unterscheiden. Wir haben Angst davor, dass die Pop-Kultur die einzige Kultur sein wird, die wir je haben werden.
Wir sind Gefangene der Lifestyleobsession. Unterhosen von Schiesser, Autos von BMW und Schuhe von Puma. „Weil ich es mir wert bin“, benutze ich Schwarzkopf, „ich darf“ weil meine Wurst nur 5% Fett hat. Mein BMW gibt mir das Gefühl von Freiheit auf vorhergegebenen festbetonierten Straßen. Dieser Irrsinn der Zeitgemäßheit. Wenn es heute dazugehört dazuzugehörn, bleib ich lieber unmodern!
Zum Zigarettenautomaten fahre ich mit dem Auto, auch zum Fitnesstudio, um mir dort für den Sommer ein paar schwammige Muskeln anzutrainieren. Ich liege im Krankenhaus mit 130 Kilo auf den Rippen, den vierten Schlaganfall hinter mir, schaue auf mein EKG und denk mir: aufn dickes Steak hätt ich jetzt trotzdem noch Bock. Wahrscheinlich haben wir schon alle BSE. Viagra, Aspartam, Weichspüler. Wir sind erwachsene Milchgesichter.
Für uns verkörpern McDonalds und die sonstigen Firmenimperien all das. Weltweit operierende Konzerne mit Stammsitz in den USA. Eine verdummende Medienpolitik wird von ihnen inszeniert. Sie stehen für den US-Imperialismus. So wie in Jugoslawien und im Irak die Menschen mit Bomben berieselt werden, werden wir durch eine systematische Amerikanisierung in allen Bereichen berieselt. Ihr Ziel ist die willenlose Welt - amerikanisiert und konsumierend, um den Menschen in einen bloßen Verbraucher umzuwandeln, verdammt in ewiger Sinnlosigkeit seinem nächsten Kaufrausch entgegenzuarbeiten.
Es ist alles im Banalen, Trivialen, Alltäglichen angesiedelt - wer diese Mechanismen bewegt, hat alles im Griff. Wir kaufen CDs in großen Elektronikmärkten, zahlen 20 € und finden keinen alten Schallplattenladen mehr. Die Verkäufer kennen keine Musik mehr, sie verkaufen nur das, was uns die Musikindustrie häppchenweise und kontrolliert zuwirft, wie einem Hund, der auf das Essen wartet. Wir essen Nahrung von chemischen Konzernen, wissen nicht mehr woher dies eigentlich kommt, was darin ist. 30% der Stadtkinder denken eine Kuh ist lila. Keiner kann mehr selbst ein Mahl zubereiten. Wir sind Abhängige von Wal Mart, McDonalds, Pizza Hut und Burger King. Wir schleppen unsere fetten Ärsche ins Auto und sind selbst zu faul dazu, zum Essen auszusteigen. Drive-In, Pizzaservice, Tiefkühlkost. Indem wir aus Faulheit für 20 € eine CD kaufen stirbt alles Kleine, und es wird der Tag kommen, an dem wir auch 25 € für eine CD ausgeben, die wir nicht brauchen, aber kaufen, weil die Medien es uns einhämmern und es „hip“ ist. Und eines Tages werden wir „Soilent Green“ fressen und uns noch darum streiten, wer zuerst mal probieren darf von diesem Trend. Wer beweist uns, dass wir es noch nicht essen?
Die Charts sind besetzt von Retortenbands. Sie schreiben nicht mehr selbst. Große Musikkonzerne produzieren Musik wie Mercedes Autos. Nachwuchsbands werden nicht gefördert, nur optisch perfektionierte Menschen treten in die Öffentlichkeit, eingekleidet von Stylisten, den Text von Beratern und das Verhalten von Choreographen antrainiert.
Bald bestellen wir unsere optimierten Kinder aus dem Katalog, um diesen dann nur noch peinlich zu sein. Was wenn unsere Kinder perfektionierte Eltern wollen?
Es ist eine lauwarme Luft überall, sie steht. Man sieht nur endlose flache Weiten und stille Wasser – nichts wagt mehr aufzustehen.
Wie wäre das:
Einen Beruf erlernen, den schon Millionen andere vor dir ausgeübt haben... Heiraten, Kinder großziehen und ein geordnetes Leben führen? Alles in Ordnung, aber wäre es nicht bitter, nach 74 Jahren wegzusterben, als wäre nichts gewesen? Ohne irgendeine Spur zu hinterlassen? Es steht nicht gut um unseren Planeten, da sollte man wenigstens versuchen, sich ein wenig für eine bessere Zukunft einzusetzen. Außerdem macht das Leben doch viel mehr Spaß, wenn man nebenbei noch von einer großen Sache träumen kann...
- Re: Auf folgenden Text wurde ich per E-mail hingewiesen... Tilly 21.6.2003 10:57 (0)