Re: wir sind uns einig

Geschrieben von Bern am 18. März 2003 07:31:29:

Als Antwort auf: wir sind uns einig, Saddam muß weg geschrieben von Harri_2 am 18. März 2003 06:11:49:

hallo moin,
dieses suggerierende - wir -
ist wie der Hornruf zur Wolfsjagd.
Anfassen und mitmachen, auf Schafe zur Jagd.
Abt.: Spätzle gemäht
bernd
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>In den letzten Tagen, Wochen und Monaten wird auf Saddam nicht nur verbal, sondern auch sehr bald physisch eingeprügelt werden. Hier vor allem auf die Menschen im Irak. Jeder Be- und Gefragte, sei es im Fernsehen oder für ein Zeitungsinterview, aber auch in diversen Foren im Internet beginnt seinen Beitrag mit „wir sind uns einig, Saddam muß weg“ oder mit inhaltlich ähnlichen Stehsätzen.
>Hier stellt sich, wahrscheinlich nicht nur für mich die Frage WARUM muß Saddam weg. Abgesehen davon, daß diese Forderung relativ neu ist und in keiner UN Resolution diese Forderung aufgestellt wird. Gut, er gilt in der westlichen Welt gemeinhin als Diktator, doch worin unterscheidet er sich vom Kuweitischen oder vom Saudi Arabischen Herrscherhaus, von den Machthabern im Jemen, in Pakistan usw. ?
>Das Argument, die Gesellschaft sei nicht demokratisch strukturiert ist m.E. auf diese Region nicht anzuwenden, es gibt eben auf unserer Erde Gesellschaften, welche demokratiepolitisch weiter entwickelt sind als andere. A pro pos Demokratie: ist es Demokratie, wenn etwa in England 80% der Menschen gegen den Krieg sind, der Ministerpräsident ihn aber dennoch, fast als Privatvergnügen führt...? Noch krasser ausgedrück, die, oder beinahe die ganze Welt ist GEGEN Krieg, was kümmerts die demokratisch gewählten Vertreter ??
>Das kann`s wohl nicht gewesen sein, was man unter Demokratie zu verstehen hat. Ist es die im Westen vielbeschworene Meinungsfreiheit, welche es im Irak angeblich nicht gibt. Eine mir persönlich sehr gut bekannte Ärztin, welche jahrelang im Irak gearbeitet hat und nunmehr zurückgekehrt ist, erzählt mir ganz andere Sachen. Die Zustände im Irak sind eher mit denen in der ehemaligen DDR zu vergleichen, nicht unbedingt im negativen Sinne gemeint, eher im kollektiven Zusammenhalt, natürlich mit einer Reglementierung von oben. Sie, die Ärztin konnte sich die ganzen Jahre ungehindert bewegen, im Prinzip sagen und machen was sie wollte – ein Umstand der so manchen bei uns in unseren Breiten neidisch werden läßt. Zur Reglementierung von oben ein Zitat von ihr: „ die brauchen das einfach, sonst schlagen sie sich gegenseitig die Köpfe ein...“ Zitat Ende
>Daran ändern auch giftige „Kommetare“ in TV und Presse von Exilirakern, wie gestern abend, nichts. Abgesehen davon, daß man wohl in jedem Land Kritiker der Regierung findet, halte ich es für eine Ungeheuerlichkeit ohne Beispiel, wenn man in einem sicheren Land sitzend die bevorstehenden Angriffe auf das eigene Volk gutheißt nur um einen ungeliebten Herrscher wegzubekommen und so ganz nebenbei vielleicht selbst ein politisches Amt anstrebt und erhofft (im Nachkriegs-Irak natürlich)...die Gelder des CIA lassen grüßen......
>Saddam steckt politische Gegner ins Gefängnis, auch so ein Stehsatz......muß man wirklich daran erinnern, wieviele „politische Gefangene“ in Deutschland einsitzen, der Grund: eine andere Meinung öffentlich artikuliert als uns mit auf den Weg gegeben, klar bei uns heißt`s eben z.B.„historische Tatsachen“ geleugnet..... ich erinnere an die Berufsverbote, welche in den letzten Jahrzehnten insbesondere in Deutschland verhängt wurden, begonnen in den Achtzigern, als Anti AKW Demonstranten aus dem öffentlichen Dienst entfernt wurden, Generäle, welche die sogenannte NATO Nachrüstung durchschaut hatten in den Ruhestand versetzt wurden.....
>Saddam ist ein Massenmörder: bis heute wird ihm der Giftgasanschlag auf ein Kurdendorf in die Schuhe geschoben. Die Menschen sind vergesslich, ich erinnere mich noch sehr gut an Bush 41 (dem Alten, im Ggs. Bush 43, der Dumme, ich mag die Bezeichnung Bush Vater und Bush Sohn nicht, erinnert mich an die Bibel), der die Schuld für diesen Angriff eindeutig dem IRAN zugewiesen hat, damals, 1988 geisterten Meldungen durch die Presse, es sei ein fehlgeleiteter Angriff des IRAN gewesen.
>Was verstehen also die selbsternannten Verteidiger der Wertegemeinschaft jetzt wirklich unter Demokratie ? Ist es das Vorhandensein von CocaCola und McDonalds im Strassenbild, ein paar US Stützpunkte im Land, eine gekaufte Presse, das Einbinden des Systems in das moderne Raubrittertum, genannt Kapitalismus, das Aussaugen und in letzter Konsequenz die Abhängigkeit eines Volkes und eines Staates durch mächtige Finanzoligarchen, zumeist im Osten der USA beheimatet. Oder einfach die Ungehörigkeit des IRAK, seine Erdölexporte seit einiger Zeit in Euro abzurechnen und nicht mehr in US Dollar. Dies dürfte m.E. ein ganz wesentlicher Grund dafür sein, daß der IRAK jetzt „eins über die Rübe“ bekommt, mit der Flucht aus dem Dollar, die Beispielwirkung haben könnte, wird nämlich den USA eine Grundlage ihrer Existenz genommen....



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