Lieber Epidophekles
Geschrieben von wikking am 22. Februar 2003 12:38:22:
Als Antwort auf: Lieber Jörg geschrieben von Epidophekles am 22. Februar 2003 04:32:18:
Hallo, Epidophekles,
so bewundernswert Dein Ansinnen ist, den regen Geist und "...die Empfindungen ausserhalb der Worte..." zu erklären und Jörg's Entgleisung dadurch in Schutz zu nehmen, so sehr solltest Du Dich davor hüten, gerade diese Empfindungen in Worte kleiden zu wollen, wo sie NUR mißverstanden und verfälscht werden können.
Da Du enttäuscht warst über meine harten Worte Jörg gegenüber, möchte ich Dir dies ein wenig ausführen und möchte im Vorfeld sagen, daß es sich hierbei ausschließlich um eigene Erfahrungen handelt, keine Theorien.
Kurz ein paar biographische Dinge über mich hierzu:
Als ich vor über 2 Jahrzehnten im Sumpf meiner Suchtkrankheit steckte (ich habe heut keinerlei Probleme damit, das zu erzählen), geriet ich auch in viele, viele innere Bilder- und Ideen-Welten, teils derart massiv, daß ich völlig den Bezug zur Realität verlor und teilweise Dinge tat, sprach und dachte, für die ich mich heute in Grund und Boden schämen müßte.
Viele Jahre später, längst "clean" aber immer noch "innerlich unerfüllt" brachte mich diese Unerfülltheit zu einem recht intensiven spirituellen Weg, über den ich hier ja schon einmal geschrieben habe. Im Laufe dieses Weges lernte ich, sehr aktiv diese Welten zu betreten, in die ich vorher nur durch den Suchtmittelmißbrauch hineingeschleudert wurde. Früher war ich also aufgrund meiner Labilität ein Sklave dieser Welten, später benützte ich den Willen und die Führung der Seele, um AKTIV diejenigen Welten der inneren Existenz betreten zu dürfen, die für mich notwendig waren, um sie kennenzulernen.
Der Unterschied ist gigantisch. All die Empfindungen und Wesen (ob bewußt oder unbewußt), denen Du im passiven Zustand begegnest, fangen Dich, lullen Dich ein und "verkaufen" Dir allerlei Schwachsinn oder Teil-Wahrheiten als die ultimative göttliche Wahrheit. Und zumeist bist Du durch ein aufgeblähtes Ego derart verblendet, daß Du es nicht merkst ... hälst Dich gar für einen auserwählten "Verkünder" (wie ja auch letzthin hier im Forum jemand aufgetreten ist). Dazu wirst Du völlig frustriert und unglücklich im äußeren Leben, nicht nur, weil Dich "niemand versteht", sondern weil Du alles "äußere" plötzlich als schrecklich Leer, verlogen etc.etc. empfindest und Dir am liebsten die Kugel geben würdest. ( = Flucht in die innere Scheinrealität...)Der aktive Weg in die inneren Welten ist sehr hart und steinig und ohne einen wirklichen (inneren oder äußeren) Führer fast nicht zu schaffen, wirst Du doch an allen Ecken und Enden massiv mit all Deinen Unvollkommenheiten (und der der gesamten Welt) konfrontiert. Je nach Resonanz eben...
Es gibt viele Gelegenheiten, bei denen Du in inneren Welten äußerst intensiv kämpfen mußt, mit dem Bewußtheits-Licht Deiner sich offenbarenden Seele, denn die Illusionen sind ungeheuerlich. Und ohne diesen beständigen Kampf kannst Du all die Lug- und Trug-Bilder nicht demaskieren und ihnen ihre Macht rauben (ob nun aus Dir selbst oder von "anderen" Wesen - die oft gar nicht so "anders" sind ... sich-verselbständigende Gedanken-Muster nehmen auch wesenhafte Züge an .. und wollen den Weltenwanderer beherrschen...).
Da ich als Komponist nun auch beruflich beständig in die Welten der Empfindungen ganz bewußt eintreten muß, vermag ich auch zu erkennen, wenn jemand als Sklave von Kräften agiert und aus diesem Grunde bestimmte Worte in die Welt setzt.
Genau das erkannte ich in den postings von Jörg bezüglich der Auswanderei.
Um's klar zu sagen: an vielen Punkten hatte Jörg Recht, denn wie viele Menschen wollen nur vor irgend etwas davonlaufen. Nun: das Schicksal wird sie einholen, ob in Deutschland oder im Ausland. Wozu da ein Wort verlieren ??
Ärgerlich stimmten mich seine Rundumschläge gegen alle Foris, die jetzt diesen Schritt wagen, denn - soweit ich sie kenne - ist nicht Flucht die Motivation gewesen, sondern der Wille, aktiv sein Leben in die Hand zu nehmen, wobei sie in Deutschland gegen Wände gerannt waren.
Und dann erkannte ich eben auch ganz klar die Veränderung in Jörgs Sprache. Ich schrieb es ja: seine Beiträge vor ein paar Wochen über seine Visionen und die Erfahrungen mit anderen Wesen schätzte ich durchaus. Es war auch eine gänzlich andere "Schwingung" dahinter, auch enttäuscht ... das hat er ja nie verheimlicht, aber klar und "überblickend".
Die Sprache der letzten Beiträge war jedoch nicht nur in der Darstellung der Bilder verworren und herabziehend, sondern ließ auch die inneren Fesseln, ja nahezu die "Kerkerzelle" spüren, in die er sich selbst hineingesetzt hat. Das Wort "Besessenheit" ist in diesem Zusammenhang nicht akut hilfreich, aber es ist wie ein "Bug-Schuß", daß er sich doch um Himmels Willen nicht weiter von seinen eigenen inneren Welten fangen lassen soll.
Der "Psychiatrie-Hinweis" ist eher allegorisch gemeint, denn ein Schul-Psychiater hat sehr wenig Ahnung von diesen Prozessen. Bevor solche inneren Prozesse jedoch die Form des religiösen Wahns (wie eben letzthin beim "Verkünder der Endzeit") annehmen können, sollte man sich wirklich fachmännisch Hilfe holen. Es gibt in D. zwei sehr gute Therapeuten für solcherart Probleme. Und wenn Jörg das nun liest, mag er sich von Johannes meine mail geben lassen. Ich vermittle ihn gern weiter. Kontaktaufnahme zu diesen Leuten schadet ja nichts.100% kann ich Dir zustimmen, wenn Du schreibst:
> Normalerweise versucht ja der Mensch sein Herz oder seine Ideenwelt in den Verstand
> zu fassen und konform mit den Weltgewohnheiten zu gehen, und auch gerade dann,
> wenn er es nicht wahrhaben will, dass er ein Mitläufer ist....Nur: wer es tut, erkennt es nicht.
Und wer es erkennt, kann sich oft genug nicht aus den Fesseln dieser inneren Welten befreien, die sich wie Krakenarme an den Geist des Wachbewußtseins heften.
Du erwähnst Christus...
Ja, Epidophekles, Er wäre wahrlich ein echter Führer durch all den menschlichen Bewußtseins-Dschungel. So kann die Lösung für das Gefangensein in den auf einen einstürzenden Bildern tatsächlich in uneingeschränkter Hingabe liegen. Nur muß man dies auch praktizieren, nicht 10 Min. am Tag, sondern letztlich 24 Stunden durchgehend. Auch in der Unbewußtheit des Schafs. Du weißt, was ich meine.Jörgs grundsätzliche Tendenz mag "geistige Offenheit" sein, wie Du es schreibst. Das zeigen ja auch viele seiner Beiträge. Allerdings ist seine Sprache und die Energie "zwischen den Worten" ein Zeichen äußerst starker Fixierung, nicht an etwas Äußeres, sondern an all dies, was sich ihm innerlich aufdrängt und ihn bindet.
Gemäß meiner Erfahrung mit Abhängigkeiten kann Heftigkeit und übertriebene Deutlichkeit (auch wenn er sich noch so unverstanden fühlt) eine große Hilfe sein, weil sich das "Fremde" in seinem Geist dann eine Zeitlang wieder zurückzieht. Dies zeigt ja auch Jörgs Antwort hier in dem Eisbär-thread, deren Anfang noch "gefangen" wirkt, dann aber im Laufe des Textes mehr und mehr Offenheit durchkommt.
Nochmal zum sprachlichen Ausdruck der inneren Welten:
Die Sprache (als Ausdrucksmedium des Verstandes) ist naturgemäß nicht dazu geeignet, tiefere Erfahrungen zu formulieren. Diesen Verstand kann man entweder durch Poesie oder durch ausschließlich bildhafte Parabeln umgehen. Letztere zeigen natürlich sehr klar, >was< aus dem Verfasser spricht, im Falle von Jörg habe ich meine Meinung dazu ja klar geäußert.
Eine andere Möglichkeit ist die Musik, eine andere ist Malerei, beides umgeht den Verstand ... und nur ein paar mentale "Rezensenten" versuchen in Bilder oder Musikstücke etwas hineinzuinterpretieren, während die meisten Zuhörer - je nach Resonanz - einach engezogen und inspiriert oder abgestoßen werden.
Die beste Möglichkeit ist einfach: die Resonanz wort- und kunstlos wirken zu lassen.
Z.B. über die bewußte Meditation.
Wenn Du willentlich Deine Konzentration auf etwas oder jemanden lenkst, dann kommt irgendwann auch die Erfahrung des EINSseins. Was sollen da alle Worte?
So kann man auch den so oft mißverstandenen Bibel-Spruch verstehen, als Jesus sagte: "Ich un der Vater sind EINS". Er war durch uneingeschränkte Widmung seines menschlichen Seins an die höchste Göttliche Realität wahrlich selbst dazu geworden. Und das ursprüngliche Christentum forderte ja klar dazu auf, daß wir die "Nachfolge Christi" antreten sollen/können/dürfen.
Dieses Eins-Werden scheint also das Geburtsrecht eines jeden Menschen zu sein: die Seele, die ihen Ursprung findet - und sich mit ihm vereint, die wahre HOCH-Zeit des Menschen.Na, jetzt bin ich etwas abgschweift.
Zurück zum ursprünglichen...
Auch wenn ich Dich damit enttäusche, so empfinde ich meine deutlichen Worte gegenüber Jörg als angebracht, weil sie nicht an den Menschen Jörg gerichtet sind, sondern an jene selbst-gezimmerte innere Gefangenschaft, die offenbar mehr und mehr sein gesamtes Bewußtsein zu beherrschen beginnt.
Mit "geistiger Weite" und "Ausdruck der Herzens-Welt" hat das wahrlich nichts zu tun, denn beides würde einen Leser inspirieren, selbst wenn es unverständlich ist. (und ein vorgehaltener Spiegel würde letztlich auch inspirieren !!)
Jörgs Rundumschläge haben aber genau diese Abscheu in mir erzeugt (und nicht nur in mir), die ich beschrieben habe.Es grüßt Dich
wikkingPS: bedeutet das "ul" am Schluß Deines Namens eigentlich "Univ.Leb." ?