Die Söldner des Pentagon

Geschrieben von Hubert am 02. Februar 2003 15:44:11:

Hallo zusammen,

wiederholt wurde hier angedeutet, daß die unverantwortliche Abrüstung der Deutschen Bundeswehr das Werk sowjetischer Spitzen-Agenten in deutscher Regierungsverantwortung ist.

Nun, wie das Beispiel USA zeigt, muß sich diese Entwicklung nicht katastrophal auswirken, wenn diese Lücke durch private militärische Dienstleister gefüllt wird.

Folgenden Artikel habe ich aus der Netzeitung:


Die Söldner des Pentagon


31. Jan 15:29

Früher hießen sie schlicht Söldner. Heute nennen sich Unternehmen, die jeden, der es wünscht, mit Militärtechnik und -logistik unterstützen, private militärische Dienstleister. Ohne solche Unternehmen wäre das Pentagon kaum noch in der Lage, einen Krieg zu führen.

Laut einer Analyse der «New York Times» war während des Golfkriegs 1991 einer von 50 amerikanischen Männern auf dem Schlachtfeld ein angemieteter Zivilist. Bei der UN-Friedensmission in Bosnien 1996 hatte die amerikanische Armee bereits zehn Prozent zivile militärische Berater, Wartungsmechaniker oder Computer-Techniker in ihren Reihen.

Die «Times» zitiert John Hamre, der während der Clinton-Regierung stellvertretender Verteidigungsminister war, mit den Worten: «Werden es in der Zukunft mehr von ihnen sein? Ja, und sie werden nicht die Suppenküchen betreiben.»

Eine der erfolgreichsten Firmen dieser Art ist DynCorp. Aus dem Luftfrachtunternehmen, das einige ehemalige Air-Force-Piloten nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten, ist ein Konzern geworden, der Sicherheit inzwischen sogar an die Armee und das Verteidigungsministerium verkauft.

Bomben und Computer für die Armee

Während des Koreakrieges flog die Firma Material für die Armee nach Übersee, inzwischen wartet DynCorp Kampfflugzeuge, bewacht den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai oder entwickelt möglichst realistische Schieß-Übungen für amerikanische Soldaten in Kuwait. DynCorp betreibt die Kontrollposten an der Grenze zwischen und den USA und Mexiko oder flog Überwachungs-Einsätze über den Drogen-Feldern von Kolumbien. Der Firma gehören mehrere Waffen-Testgelände des Pentagon, darunter das Raketen-Testgelände «White Sands», DynCorp-Leute betankten und bewaffneten im Golfkrieg die Kampfhubschrauber der Armee und sie warten die Air Force One des Präsidenten und sämtliche anderen Flugzeuge und Helikopter, die er benutzt.

Doch ist dies nur die Hälfte der Einnahmequellen. DynCorp hat auch eine gut ausgebaute Computer-Abteilung, die für das FBI, die amerikanischen Botschaften in aller Welt oder das Justizministerium arbeitet. DynCorp stellt außerdem sämtliche Pocken- und Anthrax-Impfstoffe her, mit denen Amerikaner geimpft werden sollen.

«DynCorp repräsentiert nicht weniger als die Zukunft der nationalen Sicherheit», schreibt das Magazin «Wired». Es biete der Armee eine «Alternative zu sich selbst».

100 Milliarden Dollar

Und der Markt wächst. Konkrete Zahlen gibt es nicht, doch Schätzungen gehen davon aus, dass er weltweit 100 Milliarden Dollar wert ist. Nicht erst seit dem 11. September 2001 gibt es in den USA einen starken Trend, «praktisch jeden Aspekt der nationalen Sicherheit zu privatisieren», so «Wired». Bereits die Reagan-Regierung erlies eine entsprechende Direktive, die Ausdehnung von Sicherheitskontrollen und Überwachungen in den USA im vergangenen Jahr haben diese Entwicklung noch verstärkt.

Gleichzeitig sinkt seit Jahren die Größe der amerikanischen Armee. 1991 hatte die US Army noch 780.000 Mann unter Waffen, heute sind es noch 480.000, die für die weltweit verteilten Aufgaben zur Verfügung stehen.

Die Hälfte aller verteidigungsrelevanten Jobs werden inzwischen von privaten Firmen erledigt, glaubt «Wired».

35 solcher Firmen arbeiten in den USA, sie heißen Kellogg Brown & Root, Vinnell, ICI of Oregon oder MPRI. Letztere gilt als das bekannteste Unternehmen der Branche und wirbt damit, «dass es mehr Generäle pro Quadratmeter hat als das Pentagon».

Schmutzige Jobs

Die Mitarbeiter dieser Firmen tragen keine Uniformen und sie müssen nicht auf politische Empfindlichkeiten Rücksicht nehmen, ein enormer Vorteil: «Private Dienstleister gehen dorthin, wo das Pentagon lieber nicht gesehen werden möchte», schreibt die «New York Times». Sie seien, so Beobachter, wie ein Bruder im Schatten, der für das Pentagon Dreckarbeit erledigt.

Außerdem sind sie auch noch schneller und flexibler als die Armee. «Wir können innerhalb von 24 Stunden 20 kompetente Leute an der serbischen Grenze haben», sagt der Sprecher von MPRI, ein General und ehemaliger Chef des militärischen Geheimdienstes DIA, Harry Soyster, der NYT. «Die Army kann das nicht. Auftragnehmer (Contractors) schon.»

Keine Kontrolle

Doch schafft die Beschäftigung solcher Firmen auch erhebliche Probleme, wie Kritiker sagen. Zum Beispiel der ehemalige Colonel David Hackworth, einer der am höchsten dekorierten amerikanischen Soldaten: «Diese neuen Söldner arbeiten für das Verteidigungs- und das Außenministerium und der Kongress schaut in eine andere Richtung», sagte er gegenüber der «New York Times». «Der amerikanische Steuerzahler finanziert unsere eigene Söldnerarmee, die missachtet, was unsere Gründungsväter sagten.»

«Ich glaube, dass der Einsatz von mit Steuergeldern bezahlten Privat-Armeen in Kolumbien und in der Anden-Region eine verfehlte Politik und ein Desaster ist», sagte die damalige Kongress-Abgeordnete Jan Schakowsky im Jahr 2001. «Mit der Billigung unseres Außenministeriums und anderer Behörden operieren private Dienstleister der Armee ohne Transparenz und ohne den amerikanischen Menschen Rechenschaft schuldig zu sein.»

Keinen Staub aufwirbeln

Zum Beispiel können die Firmen der Armee diskret dabei helfen, vom Kongress festgelegte Grenzen zu umgehen. In Bosnien waren maximal 20.000 US-Soldaten stationiert, wie es der Kongress vorgeschrieben hatte. Gleichzeitig hatte die Armee dort aber auch 2000 private Leute unter Vertrag.

1994 zum Beispiel löste das Pentagon ein Problem in Kroatien mit Hilfe von MPRI. Ein UN-Embargo verbot seit 1991 den Verkauf von Waffen an Kriegsparteien auf dem Balkan und auch jede militärische Unterstützung dieser Länder. Um den Kroaten, deren Armee als schwach und schlecht ausgebildet galt, welche die USA aber als wichtig für die regionale Stabilität erachteten, trotzdem zu helfen, empfahl das Pentagon dem kroatischen Verteidigungsminister, doch MPRI zu engagieren. Er tat es und ließ die Armee von den Beratern ausbilden. Ein Jahr später startete sie ein blutige Offensive gegen die Serben, mehrere beteiligte Offiziere sind deswegen vor dem Haager Kriegsverbrecher-Tribunal angeklagt.

Die Berrater erregen dagegen im Zweifel kaum Aufmerksamkeit. Weder wenn sie anrücken, noch wenn sie sterben. Und auch nicht, wenn sie Schwierigkeiten machen: In Bosnien hielten sich Mitarbeiter von DynCorp minderjährige Mädchen als Sexsklaven, handelten mit Prostituierten und filmten eine Vergewaltigung. Da sie keine Soldaten waren, wurden sie von keinem Militärgericht bestraft und auch nicht von der zivilen Justiz belangt. Die Firma entließ sie und schickte sie nach Hause. Genau wie diejenigen, welche die kriminellen Geschäfte an die Öffentlichkeit gebracht hatten.

Einer der «Verräter», Ben Johnston, sagte vor einem Kongress-Ausschuss im Jahr 2001 aus: «DynCorp-Mitarbeiter lebten ohne Kontrolle und sie besaßen diese Kinder und diese Frauen und diese Mädchen als Sklaven. Das lässt alle Amerikaner übel aussehen. Ich glaube, das DynCorp der schlechteste Diplomat ist, den unser Land nach Übersee schicken kann.»


Für das Web ediert von Kai Biermann



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