Letzte Chance (Bush fordert Reue von Schröder)
Geschrieben von Schamane am 23. Oktober 2002 19:59:12:
Letzte Chance
Bush fordert von Berlin tätige Reue
Ohne Buße keine Verzeihung. George W. Bush, der der Administration in Gottes eigenem Land vorsteht, will Schröder seine gotteslästerlichen Worte im Wahlkampf verzeihen, wenn die deutsche Regierung tätige Reue übt. Um sich der ewigen Verdammnis zu entziehen und sich wieder als Freund der USA wähnen zu dürfen, hat Deutschland der Bush-Administration jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Die FAZ berichtete am Mittwoch über eine in Washington erstellte Wunschliste. Das Weiße Haus dementierte. Eine Liste gäbe es nicht, wohl aber die angeführten Wünsche.
Der Bush-Administration zur Zeit sehnlichster Wunsch ist die Entfesselung eines Krieges gegen den Irak, ohne dabei auf nennenswerte internationale Widerstände zu stoßen. Die höfliche Kritik, die Wahlkämpfer Schröder an der amerikanischen Kriegspolitik übte, wurde vom Gruselkabinett in Washington als ungeheure Anmaßung wahrgenommen. Die diplomatischen Pöbeleien, die Berlin aus Washington zuteil wurden, erweckten den Eindruck, als stünde Deutschland unmittelbar vor seiner Strafversetzung in den Rang eines Schurkenstaates. Wie aber nun aus der FAZ zu erfahren ist, erhalte Deutschland »eine zweite Chance«. Die letzte Chance? Diese kann es auf dem Prager Gipfeltreffen der NATO, auf dem Bush den Irak-Krieg zum Hauptthema machen will, wahrnehmen.
Mit der Zustimmung zur Aggression im Nahen Osten ist der Ablaß für deutsche Sünden wider die göttliche Ordnung noch nicht entrichtet. Die USA erwarten Berlins Unterstützung für zwei weitere amerikanische Projekte: die Einrichtung einer Schnellen Eingreiftruppe der NATO und die EU-Aufnahme der Türkei, die damit auch als Trojanisches Pferd der USA in Europa fungieren würde.
Die USA fordern von der stärksten Hegemonialmacht in Europa nicht weniger als die Unterstützung amerikanischer Interessen gegen die eigenen. Den deutschen Eliten ist abverlangt, an der Behebung strategischer Schwachstellen der USA in deren Verhältnis zu Europa mitzuwirken. Das ist die zweite Chance, die sie erhalten und wohl auch wahrnehmen werden. Dabei zeigen doch gerade die hektischen Bemühungen Washingtons, eine Kriegsallianz herzustellen, daß der Unilateralismus nicht so unilateral ist, wie er sich dünkt. Daß die USA nicht so könnten, wie sie wollten, wenn sie auf Widerstand stießen. Das wäre eine wirkliche Chance.
Doch eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. In der Hauptsache, die überwiegende Mehrheit der Staaten an die Peripherie zu drängen, sind sich die Eliten in den Metropolen einig.
Gruß vom Schamanen
- Re: Letzte Chance (Bush fordert Reue von Schröder) Zetountis 24.10.2002 00:59 (0)