Bücher-Brocky Basel, Luzern, Zürich

Geschrieben von Savonarola am 23. Oktober 2002 11:38:32:

Als Antwort auf: Re: @ Epiophekles und Weltfremder geschrieben von Backbencher am 23. Oktober 2002 10:55:18:

>>Dort liegen in alten Werkshallen prallgefüllt, abertausende Bücher fein
>>nach Themen geordnet. Ich sag's euch eine wahre Fundgrube!


>Sag mal, kannst Du die genaue Adresse posten? Wohne in Baselland.
>Herzl. Gruss
>Backbencher


Offensichtlich ist die Schweiz in diesem Forum stärker vertreten
als ich dachte.


Es gibt drei dieser grossen Bücherbrokys in der Schweiz. Für dich
am nächsten gelegen ist jenes in Basel. Zwei weitere finden sich
in Zürich und in Luzern. Es sind die beiden die ich in regelmässigen
Abständen besuche.

Genaue Details (Adressen, Situationspläne, Öffnungszeiten etc.)
findest du auf buecher-brocky.ch

Freundliche Grüße Savonarola


Anschliessend noch ein wenig PR-Text damit du schon einen Vorgeschmack vom groove dieses Ladens kriegst.

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Die ausgefallenste Buchhandlung der Schweiz

Grösstes Bücherbrockenhaus voll Geschichten

Alt Bundesräte und Freaks, Bäuerinnen und Chefredaktoren gehören
zu seinen Kunden: Clemens Ribler hat für alle etwas in seinen Bücher-
Brockys - den grössten Second-Hand-Buchläden der Schweiz in Luzern,
Basel und Zürich.

Die Frau hatte alles um sich vergessen, den Ladenschluss um 20 Uhr
nicht mitbekommen, nicht gemerkt, wie die Angestellten des Bücher-
Brockys um sie herum zu putzen begannen. Noch immer lehnte sie am
Bücherregal wie schon Stunden zuvor und verschlang die Seiten eines
spannenden Romans. Schliesslich musste Clemens Ribler sie sanft aus
der Geschichte herausholen, weil auch er nach Hause gehen wollte.

Das ist eine von Riblers Lieblingsgeschichten aus seinem Bücher-
Brocky in Luzern - ein Reich von 100 000 Büchern, in das Leseratten
auch an einem milden Spätsommertag unschwer abtauchen können. Sein
Konzept ist einfach: Er sammelt Bücher und gibt sie für wenig Geld
weiter. "Bücher können die wenigsten einfach fortwerfen, für
Nachschub ist also immer gesorgt", sagt Ribler, der die Bücher aus
Nachlässen aussortiert oder von Privatpersonen nach dem Lesen erhält.
Das grosse Geld ist damit nicht zu machen, doch es hat gereicht, das
Geschäft seit der Gründung 1996 sukzessive auszubauen. Mittlerweile
führt der 40-Jährige den grössten Second-Hand-Buchladen der Schweiz,
hat zwei Filialen in Basel und Zürich eröffnet und beschäftigt neun
Teilzeit- Mitarbeiter.
Im ersten Stock, im Neuantiquariat, findet man zudem auch
druckfrische Titel - Restposten von Verlagen und Buchläden und sogar
Neuerscheinungen: An der Frankfurter Buchmesse kauft der Luzerner
jeweils palettenweise Ausstellungsbücher auf und bietet sie für einen
Drittel des üblichen Ladenpreises an.

"Einige Kunden steuern denn auch ausschliesslich das Neuantiquariat
an und würden nie ein altes Buch anrühren", schmunzelt Ribler.
Sein Kerngeschäft aber bleibt das Antiquariat. Zur Hauptsache findet
man darin das Standard-Angebot: Sachbücher zu 29 Fachbereichen von
Architektur bis Zoologie, Belletristik von Aitmatov bis Zuckmayer,
Unterhaltungs-Literatur, Krimis, Kinderbücher, Rätselbände, Magazine
und auch Schallplatten - alles, was der Markt zu bieten hat und noch
gut erhalten ist.

In dieser Sektion kostet ein Taschenbuch 1 Franken und ein gebundenes
Buch 4 Franken, mag der Schunken noch so dick sein. Titel- oder
Autorenlisten gibt es nicht, dafür aber "Spülungen": Das Brocky-Team
durchforstet jeden Tag die Regale, entfernt abgegriffene Exemplare
sowie Bücher, die Staub angesetzt haben, und ordnet kistenweise
"neue" Werke ein. Nach rund zwei Monaten ist der Vorgang
abgeschlossen, die Reihen komplett durchgespült - das Prozedere kann
von vorne beginnen. So trifft der Kunde immer wieder auf frische
Regale, die ihm neue Entdeckungsreisen ermöglichen.

Und was nicht Standard ist, kommt ins klassische Antiquariat - ein
Raritätenkabinett. Wir stossen auf Expeditions-Berichte von
Nordpolforscher Fridtjof Nansen, auf ein handsigniertes Buch von
Hermann Hesse, auf ein Buch gar mit Druckdatum 1683 - "Le Prince" von
Nicolas Machiavel, das Hauptwerk des grossen italienischen
Philosophen auf Französisch. "Diese Bücher sind wie alte Bäume, die
jeden Sturm überstanden haben", sagt Ribler und sinniert, durch wie
viele Hände sie wohl gegangen sind.

Doch auch Globi-Bücher und Karl-May-Werke aus frühen Editionen haben
ihren Platz im klassischen Antiquariat. Vielleicht fehlt einem
Sammler ja ausgerechnet "Wie Globi Bauer wurde" oder "Der Ölprinz".
Jeder entscheidet im Bücher-Brocky selber, was für ihn wertvoll ist.
So sei ein Kunde ausschliesslich an Kochbücher vor 1900 interessiert,
eine Künstlerin an längst vergriffenen Katalogen zu Ausstellungen.
Solche Raritäten kosten rund einen Drittel des üblichen
Antiquariatspreises - wahre Schnäppchen auch für professionelle
Antiquare, die zur Stammkundschaft gehören.

Andere kommen, weil sie vor allem Zeit haben und wenig Geld - wie der
Pensionär, der von weit her mit dem GA anreist und ganze Nachmittage
in den Gängen mit den dichtgefüllten Regalen verbringt.

Das Motto heisst denn auch "Bücher für alle": Für die Bäuerin, die
schon im September Weihnachtsgeschenke für ihre Kinder kauft und für
den Freak, der jeweils gleich den Handkarren mit dabei hat. Ein
anderer, ein Professor, kommt täglich mit zwei Papier-Tragtaschen und
findet immer neue Bücher.

Unter den Stammkunden befindet sich auch ein alt Bundesrat, der sich
durch das Antiquariat arbeitet, eine alt Nationalrätin, die ihre
gelesene Bücher abgibt und ein Chefredaktor, der die
Schallplattensammlung durchsucht. Namen allerdings verrät Clemens
Ribler nicht. "Berufsgeheimnis", sagt der Brocky- Chef.

Er hat ein feines Gespür für seine Kunden, die oft mit eigenen
Geschichten aufwarten, während er mit Buchstaben- Geschichten
handelt. Ob sie dabei zwischen zwei Deckeln konserviert sind oder
im Gespräch mitgeteilt: Geschichten sind bei Clemens Ribler gut
aufgehoben.


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