Re: Sehr schöner Artikel über "die Amerikaner" und wie sie gesehen werden

Geschrieben von Weltfremder am 11. September 2002 10:58:35:

Als Antwort auf: Sehr schöner Artikel über "die Amerikaner" und wie sie gesehen werden geschrieben von Weitblicker am 11. September 2002 09:33:43:


>Diesen Artikel schriebn Mark Hertsgaard für "The Guardian". Hertsgaard hat auch Bücher geschrieben, unter anderem "Reise bis ans Ende der Welt", welches ich Euch allen stark empfehle.
>Hier nun der Artikel in englisch:
>Why we still don't get it, one year on
>Americans are badly served by semi-official media propaganda
>Mark Hertsgaard
>Wednesday September 11, 2002
>The Guardian
>Perhaps the greatest lie told to the American public about the September 11 terrorist attacks is that they prove the outside world hates us. President Bush, for example, has repeatedly warned Americans about foreign "evil doers" who loathe everything we stand for. The US media has been no less insistent, referring time and again to "Why they hate us", as one Newsweek story put it.
>But the world doesn't hate us, the American people. It is our government, our military, and our corporations that are resented. To anyone living outside the US, this may seem an obvious point. But we Americans are not used to drawing the distinction most outsiders do between Americans and America. One result of Americans' confusion is that, a year after the attacks in New York and Washington, we remain largely ignorant of how the world regards us and why.
>Non-Americans, however, misunderstand the true source of our ignorance about them, which only furthers our mutual estrangement. Yes, our mind-boggling wealth and power encourage a certain complacency and arrogance. But that is not the most important cause of our global naivete.
>Americans are ignorant about the outside world mainly because most of what we're told about it is little more than semi-official propaganda. Our political leaders portray the acts of our government, military and corporations in the best possible light, and our news media do little to challenge these self-serving declarations.

Arundhati Roy, eine Inderin, hat das bereits kurz nach dem 11. September 2001 sehr gut ausgedrückt:

"...Für die trauernden Amerikaner ist es gewiß schwer, mit Tränen in den Augen auf die Welt zu schauen und eine Haltung zu bemerken, die ihnen vielleicht als Gleichgültigkeit erscheint. Doch es handelt sich nicht um Gleichgültigkeit. Es ist eine Ahnung, ein Nicht-Überraschtsein. Es ist eine alte Erkenntnis, daß jede Saat irgendwann auch aufgeht. Die Amerikaner sollten wissen, daß der Haß nicht ihnen gilt, sondern der Politik ihrer Regierung. Ihnen kann unmöglich entgangen sein, daß ihre außergewöhnlichen Musiker, ihre Schriftsteller, Schauspieler, ihre phänomenalen Sportler und ihre Filme überall auf der Welt beliebt sind. Wir alle waren bewegt von dem Mut und der Würde der Feuerwehrleute, der Rettungskräfte und der gewöhnlichen Büroangestellten in den Tagen und Wochen nach den Anschlägen. Amerikas Trauer ist immens und immens öffentlich. Es wäre grotesk, von den Amerikanern zu erwarten, daß sie ihren Schmerz relativieren oder mäßigen. Aber es wäre schade, wenn sie, statt zu versuchen, die Ereignisse des 11. September zu begreifen, das Mitgefühl der gesamten Welt beanspruchten und nur die eigenen Toten rächen wollten. Denn dann wäre es an uns, unangenehme Fragen zu stellen und harte Worte zu sagen. Und weil wir zu einem unpassenden Zeitpunkt von unseren Schmerzen sprechen, wird man uns tadeln, ignorieren und am Ende vielleicht zum Schweigen bringen. Doch die Zeichen stehen auf Krieg. Was gesagt werden muß, sollte rasch gesagt werden. Bevor Amerika das Steuer der "internationalen Allianz gegen den Terror" übernimmt, bevor es andere Länder auffordert (und zwingt), sich an seiner nachgerade göttlichen Mission..."

(Wer den ganzen Text lesen will, kann es hier versuchen.)

Ich denke auch, dass wir unrecht tun, wenn wir die gesamte Nation verurteilen. Nur zu oft und zu leicht kommt mir in letzter Zeit "Die Amerikaner haben, machen, tun, sind etc." über die Lippen ! Aber das ist eine Verurteilung und Gleichsetzung der gesamten Nation - ebenso ignorant, wie ein Bush oder ein Blair die Welt außer sich sehen. Man ist immer gern geneigt, mit dem Finger auf andere zu zeigen und dabei nebenbei von sich abzulenken oder sich in besserem Licht hinzustellen. Aber sobald man sich für oder wider einer Partei stellt, ist man automatisch gegen oder für die andere. Auf diese Weise erst werden Parteien gebildet, zwischen denen dann überhaupt erst Krieg ausbrechen kann. Das ist für uns Menschen zwar eine mächtig schwere Übung, aber ich glaube jeder von uns sollte versuchen, jeden Einzelnen in einem mächtigerem, übergeordneterem Licht zu sehen - egal, wo er herkommt und was er tut - und wer weiß es schon, was er tut ?!


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