Re: Aus dem Elliot Forum - noch mehr von Praxedis aus Sachsen
Geschrieben von IT Oma am 16. August 2002 22:15:01:
Als Antwort auf: Aus dem Elliot Forum geschrieben von Mat72 am 16. August 2002 20:46:20:
Geschrieben von Praxedis am 16. August 2002 21:22:15:
Es ist traurig - einfach traurig. Den Menschen steht die Fassungslosigkeit in den Gesichtern, man verliert fast den Mut ob der Schäden - doch wir geben nicht auf.
Wir haben heute ca. 300 Stoffrollen/-ballen - total durchgenässt und verschlammt + zentnerschwer aus dem Keller gebuckelt und zwei Straßen weiter am Straßenrand aufgetürmt. Edelste Stoffe im Meterpreis um die 20...40€ liegend - zigtausend € Schaden - Strom war noch keiner da - die Sonne brannte wieder heiß und trocknet den Schlamm schlagartig zu härtestem Beton aus. Das Kellerreinigen werden wir erst am Montag in Angriff nehmen können - uns fehlt Strom für die Pumpe!
In Freital türmen sich die Sperrmüllberge meterhoch entlang der Dresdener Straße und den Seitenstraßen - ich habe heute eine Rundfahrt durch die Stadt gemacht - grausam! In die Weißeritz abgekippte Wohnhäuser (wurden vorher modernisiert und saniert) auf 45° Neigung im gesamten da stehend ohne dass irgend eine Wand gebrochen ist - nie wieder aufrichtbar (abrißfällig), umgeknickte Brückengeländer, in der Weißeritz liegende Fahrzeuge (Neuwagen aus einem Autohaus), von Baumstämmen (als Flutmitbringsel) in 300m Entfernung von Fluß her zerstörte Tankstellen, das Kino ist durchflutet, die Deutsche Bank voller Schlamm, der ehemalige Busbahnhof ist eine einzige Gerölllawine ( ca. 1 m hoch) - ich habe so etwas bisher nur in Wildnisgebieten Kanadas gesehen.
Ausgespülte Fußwege, aufgeschwemmte und fortgespülte Asphaltdecken in x-facher Quatratmetergröße liegen in den Straßen herum. Die Leute und Anwohner wuchten ihr Hab und Gut auf die Straßenränder, schlammverschmiert schaufeln sie dünnflüssigen und schon dick werdenden Schlamm in Eimer und wissen nicht, wohin sie ihn entsorgen sollen. Die Sonne trocknet inzwischen den Schlamm und die Straßen werden zu Staubpisten.Banken gaben in Dresden nur 100€ Bargeld an die Haushalte; in den Randgebieten bis zu 200€ - echter Bargeldnotstand hat teilweise geherrscht - das am meisten gekaufte in den Supermärkten (insofern noch offen) war Trinkwasser !!! Die Zigarettenautomaten sind so gut wie geleert! Batterien sind Mangelware - die Regale mit den Kerzen ebenfalls fast leergeräumt!
In Freital gab es in den Flutnächten (Mo/Di/Mi) Plünderungen in Juweliergeschäften und Lebensmittelmärkten! Die Fleischer machten Notgrill-Veranstaltungen ihrer aufgetauten Ware (Bratwürste und Steaks)! Auf dem Altmarkt in Dresden verkauften Wucherer eine Bockwurst für 2,50 € und 1 Dose Cola für ebenfalls den gleichen Preis.
Und die Banken erdreisten sich, für von selbstlosen Bürgern eingezahlte Spenden auch noch Gebühren zu verlangen - ich begreife es nicht.Wie mag es Ricoletto gehen - tja, er ist ebenfalls wie ich nicht direkt betroffen, wird aber als Versicherungsmakler jetzt alle Hände voll wegen vieler Schadensregulierungen zu tun haben. Hoffentlich meldet sich shroom bald mal, denn er wohnt nur wenige 100m von der rechtselbischen Seite in DD entfernt, möglicherweise wurde auch er evakuiert.
Soweit erst mal Neuigkeiten - vielleicht gibts morgen mehr zu berichten.
Schönes WE Euch allen und denkt an meine mahnenden Worte aus dem letzten Posting - es könnte jeden von Euch treffen!
PS: Was wir jetzt hier ganz bestimmt brauchen können sind helfende Hände und keine Wessis, die uns wieder einmal sagen, dass wir eh nicht arbeiten können und die sich derzeit mit buntesten Privat-Hubschraubern und Cessnas ein wahrhaft tolles Bild von unserem Leid aus der Luft machen.
Aber was wir auch brauchen: <'zynik on>Versicherungsvertreter mit sinnlosen und überteuerten Policen und ganz unbedingt: Kaffeefahrten mit dem Verkauf von absonderlich unnötigen Sachen, die die Welt nicht braucht!!!<'/zynik off>Praxedis
- Re: Aus dem Elliot Forum - noch mehr von Praxedis aus Sachsen Badland Warrior 16.8.2002 23:06 (0)