Re: Test (owT)

Geschrieben von Test am 08. August 2002 23:33:06:

Als Antwort auf: Test (owT) geschrieben von Test am 08. August 2002 23:31:05:

Als Antwort auf: Re: N : Neues zum Russischen Manöver am Kaspischen Meer... geschrieben von Apollo am 06. August 2002 23:49:57:

>es sieht so aus , dass IRAK und SAUDI - ARABIEN auf der Abschussliste der Amis
>stehen...
>wäre ein szenario denkbar wo beide länder gleichzeitig angegriffen werden >könnten ?

Rein militärisch gesehen ist Saudi Arabien, wie alle Golfemirate, keinen Schuss Pulver wert. Der logistische Vorlauf, um Saudi Arabien anzugreifen, dürfte minimal sein - die Schwierigkeiten wären vornehmlich klimatischer und topographischer Natur. - Die saudische Armee hingegen schätze ich als blossen Papiertiger ein: Noch vor hundert Jahren waren die saudisch-wahhabitischen Ikhwan-Krieger weitherum (zu Recht) gefürchtet. Doch dann geschahen zwei Dinge, von denen die Saudis sich nie mehr erholen sollten: Im damals britischen Südirak fanden sie in Glubb Pascha, dem legendären späteren Führer der "Arabischen Legion", ihren Bezwinger.

Glubb war der erste, der auf die Idee kam, die Wahhabiten-Plage mittels Flugzeugen und Motorfahrzeugen zu bekämpfen - der durchschlagende Erfolg gab ihm Recht: Nachdem er mehrere grossangelegte Raubzüge bereits im Ansatz niedergeschlagen hatte, war der Nimbus der Unbesiegbarkeit, der der Ikhwan-Reiterei bisher vorausgeeilt war, endgültig dahin. - Die schiitische Bevölkerung des südlichen Mesopotamien konnte sich nach Jahrzehnten endlich wieder sicher fühlen.

Einst fragten die Spartaner das Orakel von Delphi, ob es jemanden geben würde, der die Spartaner vernichten könnte - die Pythia bejahte dies: Der Luxus habe die Macht, dies zu tun. - Die Spartaner verboten daher umgehend sämtlichen Luxus.

Als in Saudi Arabien Erdöl in riesigen Mengen gefunden wurde, begannen die Petrodollars zu sprudeln - Die Saudis, insbesondere die Oberschicht, erwiesen sich als völlig unfähig, mit dem unverhofften Geldsegen vernünftig umzugehen: Die saudischen Prinzen sind der Inbegriff der Verweichlichung und Infantilität. - Als Krieger kann man diese Leute nicht im Mindesten ernst nehmen...

Nun zu den saudischen Streitkräften - Insgesamt stehen gut 100'000 Mann unter Waffen, die sich wie folgt aufteilen:

- Heer: 70'000
- Luftwaffe: 18'000
- Marine: 13'000

Im Ernstfall kämen wohl noch einige tausend fanatische Religionspolizisten hinzu. In Friedenszeiten sind diese lediglich mit Stöcken bewaffnet...

Da Geld keine Rolle spielt, erhält die saudische Armee laufend die modernsten Waffen, die der Markt hergibt, wenn auch, aufgrund der geringen Manschaftsstärke, in recht bescheidener Stückzahl.

Soweit ich weiss, bestehen die Mannschaften der saudischen Streitkräfte überwiegend aus Söldnern aus diversen islamischen Staaten - zwar beweist die französische Fremdenlegion, dass so etwas funktionieren *kann* (bei entsprechend hartem Drill und scharfer Disziplin), doch ist dies die grosse Ausnahme. Zudem haben Söldner oft die unangenehme Neigung, für Geld die Seite zu wechseln.

Die Offiziersdienstgrade sind gleichwohl saudischen Staatsbürgern vorbehalten, was die Stimmung der Truppe eher nachteilig beeinflussen dürfte.

Trotzdem glaube ich nicht, dass es klug wäre, Saudi Arabien (in nächster Zeit) anzugreifen - und schon gar nicht gleichzeitig mit dem Irak-Feldzug: Die Saudische Herrscherclique ist in der arabischen Welt zwar zu Recht eine Bande von Heuchlern verhasst, dessen ungeachtet sind sie aber auch die momentanen Hüter der Heiligen Stätten - zweifelsohne würde es in der islamischen Welt alles andere als mit Wohlwollen aufgenommen, wenn die Amerikaner sich gleichsam an den Heiligen Stätten zu schaffen machen würden.

Obwohl die Saudis militärisch nicht mehr als hinhaltenden Widerstand leisten könnten, wären sie in der Lage, die Ölfelder und -verladeterminals zu sprengen. Dadurch würde umgehend bis zu 25% der weltweiten Förderung für längere Zeit ausfallen - die Folgen wären für sämtliche Industriestaaten verheerend (der Iwan, mit seinen kaspischen und sibirischen Ölfeldern wäre der lachende Dritte)!

>oder ist der Irak nur ein Ablenkungsmanöver...

Ich denke, der Irak ist durchaus das Ziel.

>in einigen prophz. steht, dass die Amis im Nahen Osten den "kürzeren ziehen ".
>könnten.

Ich kann mir durchaus eine Entwicklung vorstellen, in der Saudi Arabien ins Fadenkreuz rücken würde: Dass König Fahd nicht mehr allzu lange lebt, ist ein offenes Geheimnis - die Frage ist, was passiert, wenn es soweit ist? Nach geltenden Bestimmungen würde Fahds jüngerer Bruder Abdullah, der dann älteste noch lebende Sohn des Staatsgründers Ibn Saud, die Macht übernehmen - d. h. der neue König wäre ebenfalls bereits ein alter Mann.

An diesem Punkt rückt eine Palastrevolution in den Bereich des Möglichen... Im Moment würde ein Putsch zusätzlich dadurch erleichtert, dass Fahd und sein gesamter Hofstaat, einschliesslich Kronprinz, ausser Landes sind... Im Zweifelsfall übernimmt derjenige die Macht, der die Armee hinter sich weiss...
- Im schlimmsten Fall könnte ein waschechter Wahhabit, ein Fanatiker mit Kontakten zu OBL die Macht übernehmen...

Es ist völlig undenkbar, dass die USA Al Quaida die saudischen Ölfelder kampflos überlassen. In diesem Fall bliebe auch keine grosse Zeit, etwas vorzubereiten - man müsste eben mit dem zuschlagen, was sich gerade im Grossraum Persischer Golf befindet.

Wer weiss, vielleicht wurden die Basen in Katar auch mit dem Hintergedanken errichtet, dort bei Bedarf Truppen aus Übersee einfliegen zu können... Denn Katar ist, wie bereits mehrfach gesagt, recht weit weg vom Irak - für Saudi Arabien aber ist es der ideale Ausgangspunkt: Sowohl die Ölfelder, als auch die Verladehäfen in der Hasaprovinz (nur auf diese kommt es an - wenn die Wahhabiten sich im Nedjd vorerst halten können, stört das nicht weiter - in der deckungslosen Wüste kann man allfällige Ausbruchsversuche aus der Luft hervorragend bekämpfen) lassen sich von hier aus innert weniger Flugminuten erreichen und mit Luftlandetruppen oder Luftkavallerie besetzen.

Die Westküste, und das finde ich besonders elegant, würde kein einziger Amerikaner betreten - dieses Gebiet, der Hedschaz, ist das Stammland der Haschemiten, die gegenwärtig den jordanischen König stellen: Daher könnte die jordanische Armme entlang der Hedschazbahn nach Süden vorstossen, wo König Abdullah im Triumph in Mekka einziehen, und sich fortan mit dem wohl ehrenvollsten Titel, den es in der islamischen Welt gibt, schmücken: Scherif von Mekka, Hüter der Heiligen Stätten und Beschützer der Pilger.

Wenn die Sache aber allzu überstürzt, womöglich auch mit zu geringem Kräfteansatz, angegangen wird (sagen wir, weil sich das Gros der US-Truppen gerade in Basra im Häuserkampf bewährt) angegangen wird, könnten sich die USA eine blutige Nase holen, wie dies ja auch in manchen Prophezeihungen angetönt wird.

Demnach könnte man spekulieren, dass Fahd stirbt, nachdem die Bodenoffensive gegen den Irak bereits in vollem Gange ist. In SA kommt es zum wahhabitischen Umsturz, worauf die USA mit viel zu schwachen Kräften in der Hasaprovinz landen, um die Ölquellen zu sichern, wobei das Vietnam-Trauma durch das Saudi-Arabien-Trauma abgelöst wird. Das die Börse dann implodiert, versteht sich wohl von selbst. Nachdem die Erdölaorta des Westens gekappt worden ist, geht auch die Realwirtschaft zu Boden...



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