"Die Käferwaffe"
Geschrieben von H.Joerg H. am 08. August 2002 19:01:03:
N´abend auch!
Unter der Rubrik "Stimmt´s? der "Zeit" erschien heute die folgende Frage:
"Immer wieder wird behauptet, die Amerikaner hätten im Zweiten Weltkrieg Kartoffelkäfer über Deutschland abgeworfen, um die Ernte zu schädigen und damit die Zivilbevölkerung zu zermürben. Stimmt´s?
Antwort:
Die Beschuldigung, der Gegner würde Kartoffelkäfer als biologisches Kampfmittel
einsetzen, wurde während des Zweiten Weltkriegs und danach mehrmals erhoben: Die Nazis behaupteten das von den Alliierten, die Engländer von den Deutschen, und in der Frühzeit der DDR gab es eine Plakatkampagne gegen die so genannten
"Ami-Käfer", die, aus der Luft abgeworfen, die Ernte des Arbeiter- und Bauernstaates zerstören sollten. Tatsächlich gibt es aber keine Belege, dass ein
solcher Angriff je stattgefunden hat.Am ehesten berechtigt ist der Vorwurf noch gegenüber den Deutschen. Die Wehrmacht züchtete nämlich seit 1943 tatsächlich Kartoffelkäfer und warf sogar probeweise 14.000 Insekten über der Pfalz ab, um zu überprüfen, ob die überhaupt
den Fall aus 8.000 Meter Höhe überstehen würden (sie überlebten tatsächlich).Zum geplanten Einsatz in England kam die Biowaffe aber nie - manche Quellen sagen, dass es für den Einsatz gegen die Ernte 1944 einfach zu spät war, andere sprechen davon, dass Hitler das Programm persönlich gestoppt hätte.
In Frankreich hat es ebenfalls zumindest Forschungen an Kartoffelkäfern gegeben.
Die Propagandabehauptungen der Nazis und der DDR-Führung waren dagegen völlig haltlos und sollten dem Feind die Schuld für die Missernte in die Schuhe schieben. Auch Bertholt Brecht ließ sich für diese Kampagne einspannen und schrieb:"Die Amiflieger fliegen/silbrig im Himmelszelt/Kartoffelkäfer liegen/in deutschem Feld."
Alles gelogen.
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"Krieg macht eben erfinderisch" - Welche "Käfer" die US-Strategen wohl über dem Irak zum fliegen und landen bringen werden...?
Fragt sich und grüßt brav
Jörg