N: RAI trennt sich von Berlusconi-kritischen Journalisten

Geschrieben von XI am 24. Juni 2002 16:52:34:

RAI trennt sich von Berlusconi-kritischen Journalisten

Sendungen von Enzo Biagi und Michele Santoro trotz hoher Einschaltquoten abgesetzt - Journalistengewerkschaft: "Gefährlicher Präzedenzfall"

Der öffentlich-rechtliche italienische Fernsehsender RAI hat sich von zwei äußerst prominente Journalisten getrennt, die von Regierungschef und Medienunternehmer Silvio Berlusconi scharf kritisiert worden waren. Die Politiksendungen von Enzo Biagi und Michele Santoro seien aus dem Programm gestrichen worden, teilte RAI nach italienischen Medienberichten vom Sonntag mit. Beide Journalisten gelten als Kritiker Berlusconis und hatten mit ihren Programmen hohe Einschaltquoten.

"Skandal"

Die Oppositionsparteien haben die Entscheidung als "Skandal" bezeichnet. Berlusconi sprach hingegen von einer von der RAI-Spitze getroffenen Entscheidung, auf die er keinen Einfluss genommen habe. Er habe persönlich nichts gegen Biagi und Santoro.

RAI begründete die Maßnahme damit, dass Biagis Sendung weniger Zuseher als eine zur selben Zeit in einem Berlusconi-Sender laufende Satire-Show gehabt habe. Santoro war von der im Frühjahr neu ernannten RAI-Führung, die Berlusconis Regierung nahe steht, unausgewogene Berichterstattung vorgeworfen worden.

Journalistengewerkschaft: "Gefährlicher Präzedenzfall"

Italiens Opposition und die Journalistengewerkschaft haben am Sonntag scharf kritisiert, dass zwei populäre Kommentatoren, die wiederholt Kritik an Ministerpräsident Silvio Berlusconi übten, aus dem Programm des staatlichen Fernsehsenders RAI gestrichen wurden. Der Vorsitzende der Journalistengewerkschaft, Paolo Serventi, sprach von einem "gefährlichen Präzedenzfall".

Berlusconi hatte den beiden Kommentatoren Michele Santoro und Enzo Biagi im April des Jahres vorgeworfen, ihren Einfluss in dem öffentlich-rechtlichen Sender kriminell für eigene politische Zwecke zu missbrauchen. Die RAI-Direktion begründete die Absetzung der Talkshows mit den beiden Journalisten mit schlechten Zuschauerquoten. (APA/dpa/AP)

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