USA wollen sich in Kaschmir engagieren
Geschrieben von IT Oma am 12. Juni 2002 17:39:21:
Rumsfeld würdigt Indiens Entspannungsbemühungen
- Musharraf hält Lage weiterhin für bedrohlich
(mit Rumsfeld, pakistanischem Außenministerium)
Neu Delhi, 12. Juni (AFP) - US-Verteidigungsminister Donald
Rumsfeld hat die Bemühungen der indischen Regierung um eine
Entspannung im Kaschmir-Konflikt gewürdigt und weitere Schritte zur
Deeskalation gefordert. Neu Delhi habe seinen Willen gezeigt, die
Krise auf «angemessene Weise» zu lösen, sagte Rumsfeld am Mittwoch
nach einem Gespräch mit seinem indischen Kollegen George Fernandes
in Neu Delhi. Dagegen betonte Pakistans Machthaber Pervez
Musharraf, dass die Situation «finster» bleibe, so lange sich die
Truppen Indiens und Pakistans an der Grenze gegenüberstünden.
Washington dementierte einen Bericht der indischen Tageszeitung
«Times of India» über die mögliche Entsendung von US-Soldaten nach
Kaschmir.
Rumsfeld hatte am Morgen mit seiner Vermittlungsmission zwischen
Pakistan und Indien begonnen. Für den Nachmittag waren weitere
Gespräche mit Premierminister Atal Behari Vajpayee und
Außenminister Jaswant Singh geplant. Am Donnerstag wollte er
Musharraf in Islamabad treffen.
In einem Gespräch mit Indiens Sicherheitsberater Brajesh Mishra bot
Rumsfeld Washingtons Hilfe bei der Errichung eines
Grenzsicherungsystem entlang der Kontroll-Linie an, wie ein
Begleiter mitteilte. Mithilfe dieses «Frühwarnsystems» sollten
Rebellen daran gehindert werden, in den indischen Teil Kaschmirs
einzudringen. Infrage komme eher ein bodengestütztes System, sagte
der US-Vertreter weiter.
Die «Times of India» hatte zuvor gemeldet, Washington sei zur
Entsendung eines «bescheidenen» Truppenkontingents bereit, sollten
beide Seiten zustimmen. Offiziell sollten die Soldaten im Rahmen
des «allgemeinem Kampfs gegen El Kaida» eingesetzt werden, in
Wirklichkeit jedoch bei der Überwachung der umstrittenen
Kontroll-Linie helfen. Dem Bericht sei auf keinen Fall «Glauben zu
schenken», unterstrich Rumsfelds Begleiter. Rumsfeld betonte
jedoch, dass es Hinweise auf Aktivitäten von El-Kaida-Mitgliederin
nahe der Kontroll-Linie in Kaschmir gebe. Er wisse jedoch nicht
genau «wie viele, wer und wo». Bislang lehnt Indien den Einsatz von
internationalen Truppen strikt ab.
Nach einem Gespräch mit dem saudiarabischen Kronprinzen Abdullah in
Dscheddah sagte Musharraf, dass die Kriegsabsichten zwar insgesamt
abgenommen hätten, «aber das kann sich jeden Moment ändern».
Pakistan werde jedoch keinen Krieg anfangen. Indien hatte in den
vergangenen Tagen als erste Gesten der Entspannung den Luftraum
wieder für pakistanische Flugzeuge geöffnet und Kriegsschiffe vor
der pakistanischen Küste abgezogen. Vor einem Truppenabzug fordert
Neu Delhi jedoch Beweise, dass Pakistan gegen militante Moslems
vorgehe. Vergangene Woche hatte sich Islamabad gegenüber den USA
jedoch verpflichtet, den Infiltrationen ein endgültiges Ende zu
setzen.
Ein hochrangiger Vertreter der indischen Grenzwachen unterstrich am
Mittwoch, dass nach wie vor Rebellen aus Pakistan in den indischen
Teil Kaschmirs gelangten. Allein in der vergangenen Woche seien
zehn Kämpfer der wichtigsten Unabhängigkeitsbewegung Hizbul
Mujahedin eingedrungen. Entlang der Kontrolllinie wurde auch am
Mittwoch weiterhin gekämpft. Das Artilleriefeuer habe jedoch
abgenommen, teilte die pakistanische Polizei mit.
jah/sp
AFP121556 JUN 02