Der Untergang des Kirch-Imperiums - Chronik 12.6.
Geschrieben von franz_liszt am 12. Juni 2002 15:52:38:
Als Antwort auf: Nemax-50 auf Allzeittief! geschrieben von franz_liszt am 12. Juni 2002 12:08:15:
Hallo Foris,
passend zu Thema, Bettlektüre:
Mittwoch, 12. Juni 2002
Chronik
Der Untergang des Kirch-ImperiumsEs liest sich wie ein Krimi: Der Niedergang des Kirch-Imperiums. Seitdem
der Axel-Springer-Verlag seinen Option auf den Verkauf der Anteil am
Fernsehsender Sat1 ausübte, war der Konkurs der Kirch-Gruppe nicht
mehr aufzuhalten.
7. Dezember 2001: Der Kirch-Gruppe droht die feindliche Übernahme
durch Medienmogul Rupert Murdoch. Das Münchner Unternehmen
diskutiert in Krisensitzungen Verteidigungsstrategien.
10. Dezember 2001: Der australische Konzern von Medienmogul Rupert
Murdoch, News Corp, hat Berichte dementiert, wonach das Unternehmen
eine feindliche Übernahme der Kirch-Gruppe plant.
13. Dezember 2001: Die finanzielle Lage der Kirch-Gruppe entspannt
sich. Die HypoVereinsbank ist bei dem Medienkonzern mit Krediten von
insgesamt weniger als 500 Mio. Euro brutto engagiert und hält an den
Kreditlinien für Kirch fest. Die Dresdner Bank verlängert einen
Kirch-Kredit über 900 Mio. DM bis zum 15.Januar. Die Deutsche Bank
sieht keinen Grund, von der Kirch-Gruppe Kredite zurückzufordern.
20. Dezember 2001: Kirch-Geschäftsführer Dieter Hahn räumt ein, dass
der Münchener Mediengruppe finanzielle Schwierigkeiten drohen, falls der
britische Premiere-Großaktionär BSkyB im Oktober 202002 seine
Beteiligung an dem defizitären Pay-TV-Sender aufgeben sollte.
21. Dezember 2001: Erstmals lüftet die Kirch-Gruppe das Geheimnis um
die Höhe ihres Schuldenberges. Der Geschäftsführer des Konzerns Dieter
Hahn beziffert die Verschuldung der Gruppe mit elf bis zwölf Mrd. DM.
15. Januar 2002: Die Dresdner Bank verlängert ihren Millionen-Kredit an
Kirch bis Mitte April.
16. Januar 2002: Georg Kofler, ehemaliger Chef von ProSieben wird
Premiere-Chef.
25. Januar 2001: Die Axel Springer Verlag AG will der hoch
verschuldeten KirchGruppe bei der Ausübung der Option zum Verkauf
des Springer-Anteils an der ProSiebenSAT.1 Media AG, Unterföhring,
entgegenkommen. Das Hamburger Verlagshaus ist bereit, die urspünglich
Ende Januar 2002 fällige Option zu verlängern.
30. Januar 2001: Der Springer Verlag übt die Option zum Verkauf von
Anteilen an der Kirch-Sendefamilie ProSiebenSat1.Media aus. Binnen drei
Monaten muss die Kirch-Gruppe nun 770 Mio. Euro zahlen, um das 11,5
Prozent-Aktienpaket zurückzukaufen.
4. Februar 2002: Deutsche Bank-Chef Breuer stellt in einem Interview in
New York die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe in Frage.
8. Februar 2002: Rupert Murdoch ist nicht mehr bereit, weitere Gelder in
die 22-prozentige Beteiligung am Bezahlfernsehen Premiere World von
Leo Kirch zu investieren. Murdoch hat die Option, diese Paket im
Oktober an Kirch zurückzugeben, falls die Abonnentenzahlen bis dahin ein
festgelegtes Volumen nicht erreichen.
11. Februar 2002: HypoVereinsbank-Chef Albrecht Schmidt bietet Leo
Kirch 1,1 Mrd. Euro für seine Springer-Beteiligung.
13. Februar 2002: Ein Kirch-Sprecher bestätigt Gespräche mit Mediaset
über den Verkauf von Anteilen am spanischen Sender Telecinco.
Rewe-Chef Hans Rischl sichert Kirch seine Unterstützung zu.
20.Februar 2002: Die Kirch-Gruppe bietet Rupert Murdoch (News
Corp) die Kontrolle der Pay-TV-Sparte Premiere und Anteilserhöhung an
der Kirch Media an.
20. Februar 2002: Murdoch bekräftigt sein Vorhaben, keine weiteren
Gelder in die Kirch-Gruppe fließen zu lassen: weder in die Filmrechte,
noch in das Bezahlfernsehen Premiere World.
22. Februar 2002: Die Kirch-Gruppe verschiebt die Fusion von Kirch
Media und Pro7Sat.1Media.
25. Februar 2002 Kirchs Gläubiger-Banken wollen einen Moderator aus
ihren Reihen ernennen. Die KirchGruppe engagiert drei Berater für die
Verhandlungen mit den Banken. Der Düsseldorfer Wirtschaftsanwalt
Wolfgang van Betteray, der Kölner Rechtsanwalt Klaus Hubert Görg und
der ebenfalls aus Köln stammende Unternehmensberater Hans-Joachim
Ziems sollen dem Management bei der Neuordnung zur Seite stehen.
4. März 2002: Die Kirch-Gruppe ist bereit, Premiere an einen neuen
langfristigen Partner abzugeben. Außerdem sucht das Unternehmen einen
Partner für die Formel1. Murdoch hat kein Interesse. Der spanische
Fernsehsender Telecinco kündigt an, zehn Prozent seiner Aktien von der
deutschen Kirch-Gruppe zu übernehmen. Bislang hält Kirch 25 Prozent an
der TV-Station, geschätzter Gegenwert: 500 Mio. Euro.
6. März 2002: Premiere will zusammen mit dem Telekom-Anbieter Arcor
Filme künftig auch über das Internet anbieten und gibt damit erstmals sein
Endkundengeschäft aus der Hand.
7. März 2002: Nach Zeitungsberichten sind vor einigen Tagen Darlehen
der DZ-Bank ausgelaufen, ohne dass sie von der Kirch-Gruppe
zurückgezahlt wurden.
08. März 2002: Die Gerüchte um die Übernahme der ProSiebenSat1
Media durch den US-Medienkonzern AOL Time Warner werden von
dessen Chef Steve Chase dementiert. Im Rennen um die Anteile des
mehrheitlichen Kirch-Unternehmens sind damit noch der Disney-Konzern
und Viacom.
10. März 2002: Der Axel Springer Verlag prüft, einen Insolvenzantrag
gegen die schwer angeschlagene Münchner Kirch-Gruppe zu stellen.
Dabei geht es um 767 Mio. Euro, die Springer für seine Anteile an der zu
Kirch gehörenden ProSiebenSat.1 AG fordert.
12. März 2002 : Der WAZ-Verlag ist an Leo Kirchs Anteil am
Springer-Verlag interessiert. Die Gläubigerbanken drängen den
Kirch-Konzern, notfalls auch den Pay-TV-Sender Premiere World
einzustellen, um einen Konkurs der Mediengruppe zu vermeiden.
Außerdem sollen Business-TV und die drei Lokalfernsehsender in
München, Hamburg und Berlin.
16. März 2002: Rupert Murdoch hat ein Angebot unterbreitet, der
KirchGruppe gegen Erlass einer drohenden Milliarden-Forderung die
Beteiligung an der Formel-1-Betreibergesellschaft SLEC abzunehmen.
20. März 2002: Die Fusion der ProSiebenSat.1 Media AG mit der
KirchGruppe ist vom Tisch. Niedrigere Einsteiger-Abos und eine radikale
Kostensenkung sollen den hoch verschuldeten Pay-TV-Sender wieder auf
Kurs bringen. Außerdem sollen bis zu 30 Prozent der rund 2.400 Stellen
sollen gestrichen werden.
25. März 2002: Die Gläubigerbanken fordern Leo Kirch auf, im Gegenzug
für eine weitere Finanzspritze von bis zu 800 Mio. Euro, die Mehrheit an
der Kirch Media abzugeben. Leo Kirch und sein Sohn Thomas halten
noch 79 Prozent an Kirch Media.
26. März 2002 Leo Kirch ist grundsätzlich zum Rückzug aus seiner Film-
und Rechtegesellschaft Kirch Media bereit, wenn dieser finanziell
kompensiert wird.
27. März 2002: Die Minderheitsaktionäre Rupert Murdoch (News Corp.)
und Silvio Berlusconi (Mediaset) sind unter den derzeitigen Umständen
nicht bereit, Kirch vor der Zahlungsunfähigkeit zu retten.
3. April 2002: Die Kirch-Gruppe zieht immer mehr ein Insolvenzverfahren
für das Kerngeschäft in Erwägung.
5. April.2002: Der italienische Medienkonzern Mediaset und seine
Muttergesellschaft Fininvest versuchen gemeinsam mit anderen
Minderheitsaktionären doch noch eine Lösung zu finden, um die Geschäfte
der KirchGruppe weiterzuführen. Bundeskanzler Gerhard Schröder stellt
klar, dass keine "Steuergelder für Fußball-Millionäre " ausgegeben
würden..
8. April 2002: Eine Übernahme des Bezahlsenders Premiere durch Rupert
Murdoch gilt als wahrscheinlich. Die Münchener KirchMedia GmbH &
Co. KG a. A. hat beim Amtsgericht München die Eröffnung eines
Insolvenzverfahrens beantragt. Die Unternehmenstochter ProSiebenSAT.1
ist von dem Insolvenzantrag nicht direkt betroffen. Man sei eigenständig
und unabhängig von der Kirch-Gruppe finanziert und werde daher nicht
Teil eines Insolvenzverfahrens.
9. April 2002: Es gibt deutliche Anzeichen für ein Interesse des britischen
Bezahlfernsehsenders BskyB an einer Übernahme von KirchPayTV. Leo
Kirch verabschiedet sich mit einer internen Hausmitteilung von seinen
Mitarbeitern. Der britische PayTV-Kanal BSkyB erklärt, Premiere nicht
übernehmen zu wollen.
12. April 2001: Spekulationen um einen Insolvenzantrag der KirchPayTV
werden laut, aber gleich wieder dementiert.
14. April 2002 Rupert Murdoch bietet 600 Mio. Euro für Leo Kirchs
Bezahlfernsehen Premiere. Auch die Banken signalisieren ihre Bereitschaft,
sich an der Sanierung des Senders zu beteiligen.
17. April 2002: Die Bertelsmann AG denkt über einen Einstieg bei
Premiere nach. Der Konzern will aber nur weniger als ein Drittel an
Premiere erwerben.
19. April 2002: Drei Gläubigerbanken greifen nach den Anteilen des
Münchener Medienkonzerns an der Formel 1. Die Bayerische Landesbank
(Bayern LB) sowie die beiden US-Institute JP Morgan Chase und Lehman
Brothers verzichten zunächst auf die Rückzahlung ihrer Kirch-Kredite. Im
Gegenzug wollen sie sich mit den Einnahmen aus dem Verkauf der
Formel-1-Mehrheit schadlos halten.
21. April 2002: Die vier Hauptgläubigerbanken von Kirch einigen sich
über dessen 40-Prozent-Anteil am Axel Springer Verlag. 35 Prozent sollen
an die Börse gehen. Weitere fünf Prozent solle die Verlegerwitwe Friede
Springer direkt bekommen.
29. April 2002: Der US-Medienunternehmer John Malone erwägt einen
Einstieg bei der Kirch-Gruppe. Auch der Bauer-Verlag ist grundsätzlich an
einem Einstieg bei KirchMedia interessiert. Der Axel-Springer-Verlag
erwägt eine Schadensersatzklage gegen KirchMedia über 530 Mio. Euro
wegen der noch fälligen Zahlung aus der Ausübung der Verkaufsoption.
30. April 2002: Die Commerzbank hat das Mandat für die Platzierung der
Springer-Aktien der Kirch-Media AG übernommen. Die Bank will nun
zusammen mit der Dresdner Bank und der Bayerischen Landesbank den
Kirch-Anteil am Hamburger Verlagshaus binnen drei Jahren an die Börse
bringen.
4. Mai 2002. Der Medienunternehmer Leo Kirch hat Anzeige gegen den
Vorstandschef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, erstattet. Kirch wirft
Breuer den Verrat von Geschäftsgeheimnissen, Kreditverleumdung und
unbefugte Angaben über Millionenkredite vor.
07. Mai 2002: Insgesamt vier Töchter der KirchGruppe beantragen
Insolvenz: KirchPayTV, PayTV Rechtehandel GmbH & Co KG, die
Premiere Beteiligungs GmbH und die BetaDigital Gesellschaft für digitale
Fernsehdienste mbH.
09. Mai 2002: Die Anteile des Münchner Medienmoguls Leo Kirch am
Axel Springer Verlag sollen an das Bankenkonsortium um die
Commerzbank gehen.
10. Mai 2002: Die Commerzbank gibt ihr Mandat für die Übernahme von
Kirchs Anteil am Axel Springer Verlag zurück.
13. Mai 2002: Die British Sky Broadcasting (BSkyB) übt vier Monate vor
der eigentlichen Fälligkeit ihre Option zum Verkauf des 22-Prozent-Anteils
an der Kirch Pay-TV. Die Option verbrieft das Recht, die Beteiligung für
rund 1,7 Mrd. Euro an Kirch zurückzugeben, sollten sich die
Premiere-Abonnentenzahlen nicht nach Plan (3,6 Millionen bis Oktober
2002) entwickeln.
13. M ai 2002: Die Deutsche Bank übernimmt die Verwertung der
Springer-Anteile der Kirch-Gruppe. Nachdem die Commerzbank ihr
Mandat für die Übernahme von Kirchs Anteil am Axel Springer Verlag
zurückgegeben hat, könnte der Deutschen Bank das Aktienpaket zufallen.
15. Mai 2002: Der italienische Medienkonzern Mediaset erklärt erstmals
öffentlich, grundsätzlich an Zukäufen von Unternehmensteilen aus der Kirch
Gruppe interessiert zu sein. Mediaset ist eine Tochter des
Fininvest-Konzerns von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi.
Berlusconi ist sowohl direkt über Fininvest (2,48 Prozent) als auch indirekt
über Mediaset (2,28 Prozent) an der Kirch Media des Leo Kirch beteiligt.
20. Mai 2002: Die Kirch-Dachgesellschaft Taurus Holding lehnt die
vorzeitige Ausübung der Verkaufsoption von Rupert Murdochs Sender
BSkyB an der insolventen KirchPayTV ab.
22. Mai 2002: Die insolvente KirchPayTV-Sparte erhält eine
Finanzspritze. Die 40-prozentige Beteiligung an dem schweizerischen
Bezahlsender Teleclub wird an die Mitgesellschafter Ringier, Medializenz
und Chriteco verkauft. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart
worden. In Branchenkreisen kursieren Gerüchte über eine Summe von
sechs Mio. sfr. Außerdem steht Leo Kirch seinem insolventen Imperium
nicht als Berater zur Seite.
25. Mai 2002: Die Kirch-Dachgesellschaft Taurus Holding prüft, ob die
Voraussetzungen für einen Insolvenzantrag gegeben sind. Grund ist die
Kündigung von Krediten der Bayerischen Landesbank und der
HypoVereinsbank gegenüber KirchPayTV.
27. Mai 2002: Der Kirch-Kuchen wird nun doch zerschnitten. Es sollen
Informationsmaterialen an die Interessenten der KirchMedia verschickt
werden, damit die 28 Töchter neue Besitzer bekommen.
30. Mai.2002: Die Konkurrenten der Deutschen Bank, die sogenannten
"Formel-1-Banken" wollen die schnelle Platzierung des Aktienpakets an
der Börse mit einstweiligen Verfügungen verhindern.
06. Juni.2002: Der Medienunternehmer Leo Kirch kann seine
40-prozentige Beteiligung am Axel-Springer-Verlag bis Ende August selbst
verkaufen. Darauf einigen sich Kirch und Deutsche Bank.
06. Juni.2002: Die Geschäfte der KirchMedia werden offenbar in Zukunft
auf TV-und Filmrechte begrenzt.
06. Juni.2002: Das durch die Weltmeisterschaft in Japan und Süd-Korea
ausgelöste Fußballfieber beschert dem angeschlagenen Pay-TV Sender
Premiere eine Schar neuer Kunden. Derzeit würden im Schnitt täglich
2.500 neue Abonnenten gewonnen, teilte der Sender mit. Die Zahl der
Kunden sei wieder über 2,4 Millionen geklettert.
10. Juni.2002: Ein Konsortium aus WAZ-Gruppe, Commerzbank und
dem US-Filmstudio Columbia steht vor der Übernahme der insolventen
Rechtehandels- und Fernsehgesellschaft KirchMedia undist and er
Sendergruppe ProSieben Sat1 interessiert.
12. Juni 2002: Die Kirch-Dachgesellschaft TaurusHolding und die
Tochter KirchBeteiligungen stellen einen Antrag auf Insolvenz.Adresse:
http://www.n-tv.de/3019249.html