Re: NP

Geschrieben von Torsten am 07. Juni 2002 13:09:13:

Als Antwort auf: Re: NP geschrieben von Istanbulian am 07. Juni 2002 10:33:29:

Lieber Halil,

wie Alles taugen Religionen zu allem Möglichen - je nachdem, wer sie mit welchen Motiven benutzt.

Religionen beinhalten bereits Ziele und Wege. So wird jedem, der in ihrem Namen auftritt, zugestanden, tatsächlich diese Ziele zu verfolgen und sich an die Wege zu halten. Ein sehr unrühmliches Beispiel ist Papst Urban II mit seiner Kreuzzugsrede. Auch bei weltlichen Herrschern bis hin zu Schorschi ist die Berufung auf eine Religion bis heute sehr beliebt.

Christentum und Islam unterscheiden sich in den Verhaltensnormen, soweit ich bisher erkennen konnte, recht wenig. Das ist auch kein großes Wunder, da sie dieselben Wurzeln haben. Eine Verständigung im gemeinsamen Interesse wird von beiden Seiten (und weiteren: Hinduismus, Buddhismus) angestrebt (z.B. gemeinsames Friedensgebet). Man sollte meinen, das wäre die leichteste Übung der Welt, da beide Religionen ähnliche Strategien der Entspannung haben (Feindesliebe, Toleranz, Verständigungsregeln).

Warum das nicht funktioniert, liegt auf der Hand: Konflikte haben eine wirtschaftliche Grundlage. Die Macht und damit Kontrolle über Gewaltinstrumente befindet sich nicht in der Hand der religiösen Führer. Erstaunlicherweise sind Viele so dumm, der religiösen Heuchelei weltlicher Führer zu glauben (die natürlich mittels Medien diese Glaubwürdigkeit untermauern). Das geht so weit, daß die Vorwürfe der Gegenseite sich gegen die Religion richten. Am Ende stehen dann Jesus und Mohammed als die verantwortlichen Kriegstreiber da.

Wie man derlei Verwirrung aktiv schürt und politisch ausnutzt, wird in der FDP-Schlammschlacht deutlich. Judentum, Zionismus, israelische Staatspolitik und einige andere Begriffe werden munter vermischt. Besonders beliebt sind ausgefeilte Verlautbarungen, welche auf den ersten Blick logisch erscheinen, aber Widersprüche enthalten und zu zwar sprachlich, aber nicht logisch nachvollziehbaren Schlußfolgerungen führen - nach dem alten Papst-Urban-Muster. Beim verwirrten Zuhörer bleibt nur die Schlußfolgerung hängen.

Kurz und gut: die Gottlosigkeit wirkt besonders verheerend, wenn sie den Namen Gottes mißbraucht. Und hier hört (zumindest meine) Toleranz auf.

Ich höre jetzt auf, sonst gibts den berühmeten "Forumsthema"-Kommentar von Johannes.

Viele Grüße

Torsten

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