Guter Beitrag: Logisch und mit Konzept!
Geschrieben von Descartes am 24. März 2002 22:14:58:
Als Antwort auf: Der Chiorny Oriol geschrieben von Swissman am 24. März 2002 21:49:19:
>Ich halte den Zeugen für prinzipiell glaubwürdig. Offensichtlich handelt es sich um keinen Laien, in Sachen Panzer - dafür weiss er schlichtweg zu viele (richtige!) Details, die ein Amateur nicht wissen kann.
>Mich überzeugt vor allem die Zahl von 6000km:
>Die Abnutzung der Verschleissteile ist bei Kampfpanzern, infolge der hohen Beanspruchungen, denen sie im Einsatz ausgesetzt sind, enorm hoch. Motor, Getriebe, etc sind nach überraschend kurzer Zeit schrottreif. Danach geht der Panzer in die Werkstatt, wo er bis auf die Wanne zerlegt wird. Die Verschleissteile werden anschliessend ersetzt, weniger beanspruchte Teile gewartet, und der Panzer wird wieder zusammengestzt. Der englische Terminus Technicus für diesen Vorgang ist "Rebuilding". Tatsächlich ist werden dabei, mit Ausnahme der Panzerwanne, nahezu sämtliche Teile ersetzt.
>Wie hoch die Wartungsintervalle heutiger Kampfpanzer genau (oder auch nur ungefähr) sind, weiss ich, trotz längerer Suche im Internet, immer noch nicht - verständlicherweise sind solche Informationen geheim. Victor Suworow geht in seinem Buch "Stalins verhinderter Erstschlag" unter anderem auch auf diese Thematik ein, und stellt einige Berechnungen an. Fakt ist, dass die Panzer der Wehrmacht am Vorabend von Unternehmen Barbarossa eine durchschnittliche Restlaufzeit von ca 90 - 100 Stunden aufwiesen.
>Der britische Panzer Chieftain (ab 1983 durch den Challenger ersetzt, der eine direkte Weiterentwicklung des Chieftain darstellt) besass eine "Lebenserwartung" von gerade mal 120 Stunden! - Danach war ein Rebuilding fällig. Bei den sowjetischen Panzer der 60er Jahre, so Suworow, lag die entsprechende Zahl bei ca 500 Stunden. Dass diese später wesentlich gesteigert wurde ist eher unwahrscheinlich: 500 Stunden Fahrzeit genügen vollauf, um einige Manöver zu veranstalten, und danach Europa zu erobern - Die Entwicklungsprioritäten wird man daher vermutlich auf andere Gebiete gelegt haben (bessere Bewaffnung, stärkere Panzerung, höhere Geschwindigkeit, etc.)
>Wenn man davon ausgeht, dass die 6000km zutreffen, und wir weiter eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50km/h annehmen, was realistisch scheint, dann kommen wir auf ein Wartungsintervall von 120 Stunden. Wird der Panzer nur mit durchschnittlich 40km/h gefahren, steigt das Intervall auf 150 Stunden.
>>Was aber zu denken gibt, sind die "Maschinenkanonen" und die angeblichen 200 km/h.
>An die 200km/h glaube ich auch nicht. Dabei handelt es sich so gut wie sicher um einen Tipfehler. Richtig sollte dies vermutlich 100km/h heissen, und das wiederum ist technisch machbar. Die Höchstgeschwindigkeit des Leopard 2 wird offiziel mit 82km/h (auf der Strasse) angegeben. Den Russen gebührt das Verdienst, bereits in den 30er Jahren einen bemerkenswerten Panzer entwickelt zu haben: Den BT-7 (BT = Bistrochodny Tank = Schneller Panzer). Und schnell war er tatsächlich: Die Höchstgeschwindigkeit betrug 86km/h. Mit Ketten. Nun aber kommt das eigentlich geniale: Der BT-7 konnte seine Ketten auch abwerfen, und auf speziell entwickelten Laufrollen weiterfahren. Auf der Strasse erreichte er dann ca 110km/h! Was in den 30-er Jahren ging, geht heute erst recht.
>Was die "Maschinenkanone" angeht, bezweifle ich zwar den Sinn derselben, aber: DTatsächlich steht eine vollautomatische Ladevorrichtung für Panzerkanonen schon lange auf dem Wunschzettel der Panzerstreitkräfte in aller Welt. Für den M1A1 Abrams wurde unter erheblichen Kosten versucht, eine entsprechende Vorrichtung zu entwickeln: Das Ergebnis war ein technisch höchst aufwendiger Prototyp, der massenhaft Ladehemmungen hervorrief. Die Entwicklung wurde schliesslich eingestellt: Auch im Abrams wird die Kanone nach alter Väter Sitte von einem Ladeschützen bedient, dessen Aufgabe im wesentlichen darin besteht, Munition in die Kammer zu legen und den Verschluss zu betätigen.
>Der Vorteil einer Ladeautomatik bestünde vor allem darin, dass die gesamte Kanone sowie die Munitionskammer in den Turm verbannt werden könnten. Dieser liesse sich dann räumlich von der Panzerwanne trennen und mit Sollbruchstellen nach oben ausstatten. Ein Treffer in den Munitionsbunker hätte zwar immer noch starke Sekundärdetonationen zur Folge, die aber den Panzerinnenraum nicht mehr beeinträchtigen würden. Die Besatzung bliebe unversehrt, und der Panzer könnte nach Ersatz des Turmes ebenfalls wieder eingesetzt werden. Zudem könnte man den Ladeschützen einsparen, und den freiwerdenden Platz z. B. für zusätzlichen Treibstoff verwenden.
>Laut Kampfpanzer.de verfügt der T-90 bereits über einen automatischen Lader, der allerdings im Panzerinnenraum untergebracht ist (dies hängt zweifellos damit zusammen, dass es sich beim T-90 eine direkte Weiterentwicklung des T-80 handelt. Der "Chiorny Oriol" soll hingegen eine komplette Neukonstruktion sein - die angeführten Vorteile der Ladeautomatik dürften demnach bei diesem vollumfänglich genutzt werden.
>Ob es derzeit einen Kampfpanzer gibt, dessen Kanone Seriefeuer schiessen kann, weiss ich ehrlich gesagt nicht. Da die Russen offensichtlich die Probleme der Ladeautomatik gelöst haben wäre es allerdings durchaus möglich. Die Frage ist vielmehr die, ob diese Funktion nötig, bzw sinnvoll ist.
>ur ie prinzipielle Schwierigkeit dabei liegt in der Ladeautomatik.
>Eine vollautomatische Ladevorrichtung für Panzerkanonen steht schon lange auf dem Wunschzettel der Panzerstreitkräfte in aller Welt. Für den M1A1 Abrams wurde unter erheblichen Kosten versucht, eine entsprechende Vorrichtung zu entwickeln: Das Ergebnis war ein technisch höchst aufwendiger Prototyp, der massenhaft Ladehemmungen hervorrief. Die Entwicklung wurde schliesslich eingestellt: Auch im Abrams wird die Kanone nach alter Väter Sitte von einem Ladeschützen bedient, dessen Aufgabe im wesentlichen darin besteht, Munition in die Kammer zu legen und den Verschluss zu betätigen.
>Der Vorteil einer Ladeautomatik bestünde vor allem darin, dass die gesamte Kanone sowie die Munitionskammer in den Turm verbannt werden könnten. Dieser liesse sich dann räumlich von der Panzerwanne trennen und mit Sollbruchstellen nach oben ausstatten. Ein Treffer in den Munitionsbunker hätte zwar immer noch starke Sekundärdetonationen zur Folge, die aber den Panzerinnenraum nicht mehr beeinträchtigen würden. Die Besatzung bliebe unversehrt, und der Panzer könnte nach Ersatz des Turmes ebenfalls wieder eingesetzt werden. Zudem könnte man den Ladeschützen einsparen, und den freiwerdenden Platz z. B. für zusätzlichen Treibstoff verwenden.
>Bemerkenswerterweise verfügt der T-90 über einen automatischen Lader, der allerdings im Panzerinnenraum untergebracht ist (dies hängt zweifellos damit zusammen, dass es sich beim T-90 eine direkte Weiterentwicklung des T-80 handelt. Sein Nachfolger "Chiorny Oriol" (derzeit im Prototypenstadium, evtl. bereits in Vorserie) soll hingegen eine komplette Neukonstruktion sein - die angeführten Vorteile der Ladeautomatik dürften demnach bei diesem vollumfänglich realisiert worden sein.
>Ob es derzeit einen Kampfpanzer gibt, dessen Kanone Seriefeuer schiessen kann, weiss ich ehrlich gesagt nicht. Da die Russen die Probleme der Ladeautomatik gelöst haben, wäre es allerdings im Prinzip möglich. Die Frage ist vielmehr die, ob diese Funktion nötig, bzw sinnvoll ist.
>Meiner Meinung nach hat der Zeuge eine Art Technologieträger gesehen, an dem der Iwan ausprobierte, was überhaupt technisch machbar ist, und was nicht.