An Katzenhai und andere
Geschrieben von Badland Warrior am 06. März 2002 10:40:36:
Als Antwort auf: @Badland-Warrior und andere geschrieben von katzenhai2 am 06. März 2002 01:38:22:
Moin Katzenhai?
Nanu, woher plötzlich die Galligkeit? Schau, ich habe es nicht nötig zu missionieren.
Fakt ist, daß dies ein Forum für Prophezeiungen und aktuelles Weltgeschehen ist. Daher befasse ich mich ganz legitim mit eben diesen Themen.
Ich sehe, daß es große Zusammenhänge gibt, und gerade in der Weltpolitik und im Zusammenspiel von Faktoren wie Wirtschaft, Terrorismus, Religion, Umweltbedingungen, Hegemonialansprüchen, Geopolitik, Ressourcen etc. gibt es nun mal Zusammenhänge. Es gab noch nie qualitativ und quantitativ soviele Krisenherde wie heute.
Diese gegenseitigen vernetzten Faktoren zeigen Tendenzen auf, sich hochzuschaukeln. Sieht man sich im Vergleich dazu die Prophezeiungen und Visionen an, kann man Gemeinsamkeiten herausfinden.
Das, was ich hier tue, ist durchaus legitim. Fakt ist jedoch, daß das, was ich schreibe, bei einigen auf fruchtbaren Boden fällt, während andere nur Teile übernehmen (auch legiutim) und wieder ein Teil auf trockenen Boden fällt.
Falls du mit bildhafter Sprache nichts anfangen kannst, hier die Erläuterung, bin ja schließlich fair.
Es gibt Leute, welche aus dem Abgleich zwischen aktueller Situation und Prophezeiungen zum gleichen oder ähnlichen Ergebnis kommen. Dann gibt es solche, die zu anderen Ergebnissen kommen (wenn man sich z. B. auf Teile der Johannesapokalypse fixiert) und andere, welche ihre Aufgabe darin sehen, sich über alles lustig zu machen, was sie hier vorfinden.
Es gibt also Leute, welche an die Möglichkeit von Prophezeiungen glauben und damit auch eine gewisse Tendenz sehen, daß diese eintreffen können. Von dieser Prämisse ausgehend kommt es fast zwangsläufig zum Abgleich mit dem, was aktuell ist.
Das setzt aber auch voraus, daß eine gewisse Schicksalhaftigkeit des Seins angenommen wird, das heißt, der grobe Plan ist vorhanden, die Feinheiten stehen noch nicht so fest und sind teilweise für das Gesamtgeschehen irrelevant. Es gibt Faktoren, welche nur im größeren Maßstab relevant sind oder andere, welche nur dann relevant sind, wenn eine betreffende Person eine Schlüsselfunktion innehat. Es war in dem Sinne für den Ausgang des WK II nicht relevant, daß Soldat X sich an einem Morgen erst den linken und dann den rechten Stiefel anzog als wie sonst gewohnt anders herum. Es war aber für das Schicksal der DDR durchaus relevant, daß sich an einem gewissen Tag Schlampereien und mißverständisse häuften und Günther Schabowski sich versprach und damit zur Grenzöffnung führte, was noch weiter reichende Konsequenzen hatte.Bestimmte Dinge werden in den Zentren der Macht beschlossen, wo es durchaus zu Pannen kommen kann in der einen oder anderen Richtung. Und es ist auch möglich, daß Situationen eskalieren. Das sieht man jeden Tag in den Zeitungen. Ab einem gewissen Punkt ist es sogar sehr wahrscheinlich, daß Tendenzen zu Entwicklungen werden, die eskalieren können und ab einem bestimmten Punkt müssen.
Da sehe ich es dann als unangemessen an, wenn jemand behauptet, wenn man etwas nur wirklich wolle, dann würde es nicht geschehen. Hat positives Denken den 11.09.2001 verhindert? Hat das Vertrauen daß schon alles glatt geht, die letzten Weltkriege verhindert?
Und erreicht jeder die von ihm gesteckten Ziele? Das ist nicht der Fall. Es gibt Leute, die sich abstrampeln können, wie sie wollen und immer wieder auf die Nase fallen, während anderen alles in den Schoß zu fallen scheint. Es geht dabei nicht nur um WOLLEN, es geht auch um äußere Faktoren. Kann ich, wenn ich ganz fest will, daß der Tschetschenienkrieg morgen endet, es einfach nur dadurch bewirken? Nein. Selbst wenn ich Putin wäre, müßte ich fast unüberwindliche Hürden nehmen.
Und genau dies ist der Knackpunkt. Das ist es nämlich, was mich bei den Postings von isthar so in Rage gebracht hat. Es ist nämlich einfach kindisch, anzunehmen, daß jeder Penner von vornherein die Absicht hatte, asozial und kaputt zu werden. Ich meine, es beschließt ja niemand willentlich, ein alkoholabhängiges Wrack zu werden, daß sich irgendwo in einem Abbruchhaus im eigenen Dreck zu Tode friert.
Wille setzt klare Überlegungen voraus. Ergebnis ist das Resultat aus Wille und äußeren Faktoren. Wenn wenig Wille vorhanden ist, wirken die äußeren Faktoren stärker, aber sie können auch bei festem willen stark wirken, wenn z. B. alles dagegen spricht. Du kannst jetzt meinetwegen wollen, morgen der Generalsekretär der sozialistischen Volksrepublik Westfalen zu werden. Das Dumme ist nur, es gibt sie nicht.
Kann ich durch festen Glauben und festes Wollen verhindern, daß sich in Nigeria die Leute die Köpfe einschlagen? Nein. Wer nämlich annimmt, daß sich die gesamte Menschheitsgeschichte anders entwickelt, weil er es sich einfach fest wünscht, aber irgendwo ein unbedeutender Teil der Masse ist, leidet an Hybris, und ist eventuell dem neopentecostalem Positivismus aufgesessen.
Ich frage dich: Haben die ganzen Demos der Siebziger und Achtziger den Bau von Grohnde, Wackersdorf, Gorleben, etc. verhindert? Nein. Und der Automausstieg würde nach dem Willen der Herren in der Regierung wahrscheinlich bis zum Sankt Nimmerleinstag verschoben, wenn das möglich wäre.
Oder ein ganz anderes Beispiel: Eine Neunjährige wird von ihrem Vater vergewaltigt. Nach Vorstellung isthars bräuchte sie sich nur ganz doll zu wünschen, daß das nbicht so sei, und der degenerierte Vater würde seine Dreckspfoten von der Kleinen lassen. Tut er aber nicht. Isthars Denken logisch weitergesponnen: die Kleine hat es so gewollt. Daß bei der ganzen Sache soziale, genetische, psychologische, und andere Faktoren eine Rolle spielen, wird einfach vom Tisch gewischt.
Da ich nun schon etwas länger auf diesem Pleneten weile und eine Menge erlebt habe, aber auch, wie Engagement versickerte und wie menschliche Schicksale ablaufen können, bin ich der Meinung, daß so eine meines Erachtens naive Einstellung, wie sie isthar an den Tag legt, weder angemessen, noch nachvollziehbar ist.Katzenhai, ich kann durchaus damit gut klarkommen, daß andere aufgrund anderer Filtration und Schwerpunkte bei der Auswertung von Prophezeiungen und dem danach erfolkgenden Abgleich mit aktuellen Ereignissen zu anderen Ergebnissen kommen. Wo ich aber nicht konform gehe, sind folgende Dinge:
a) wenn Prophezeiungen grundsätzlich als dummes Zeug betrachtet werden;
b) wenn die gesamte Weltsituation schöngelogen wird;
c) wenn ein Forum, das sich den weiter oben stehenden Themen verpflichtet sieht, nur als Bühne für das Ablassen antisemitischer, antijudaistischer etc. Hetze benutzt wird (wer ist der Nächste, welche Gruppe kommt als nächstes dran?);
d) Wenn jede Bemühung um eine konstruktive auseinandersetzung von vornherein lächerlich gemacht und torpediert wird.Noch etwas, Katzenhai: Es tsimmt einfach nicht, daß ich aus drei Krisenherden einen mache. Im Gegenteil: Ich versuche, aufzudröseln, gegenseitige Beeinflussuungen herauszufinden und Zusammenhänge zu erkennen. Das ist redlich und legitim. In der Sozialwissenschaft, in der Medizin, Psychologie, Ökologie und Geschichtswissenschaft tut man genau das. Wenn ich z. B. die geschichtlichen Hintergründe Moldawiens betrachte und das, was jetzt los ist, dann betrachte, was in russland los war und jetzt ist und die Faktoren in Bezug zueinander setzen kann und das dann mit dem verbinde, was ich aus den Prophezeiungen als große Gemeinsamkeit feststelle und mir dann noch die geopolitischen Aspekte ansehe, komme ich zu keinem anderen Schluß. Eine derartige Angehensweise, indem man multifaktoriell vorgeht und die Beziehungen erkennt, die sich gegenseitig beeinflussen, nennt man kybernetisches, bzw., vernetztes Denken. Ich weiß nicht, ob dir Frederik Vester etwas sagt. Könnte aber in dem Fall nützlich sein.
Für einen Einzelnen unter inzwischen über 6 Milliarden gibt es in dem Fall eben kein "man muß es nur ganz stark wollen", sondern die realistische Auseinandersetzung mit den sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren, um dann für sich selbst das Angemessenste herauszuarbeiten. Das ist aber nicht jedem gegeben. Da kommt es auf den Erfahrungshintergrund und die Fassungskapazität des "Weichspeichers" an, und wie die Umwelt ist. Manche haben bessere, manche schlechtere voraussetzungen.
Ich selbst gehe halt davon aus, daß die Ereignisse so, oder zumindest sehr ähnlich dem eintreffen, was ich in meinem letzten Szenario schrieb. Und daß sowohl ein Crash als auch ein Krieg möglich sind, in letzter Zeit sogar mehr als möglich, ist ersichtlich. Vergleich mal das Rating Japans bei Moodys mit dem Kanreki-Zyklus, betrachte die Wirtschaftskraft der Eurozone und die damit zusammenhängenden Probleme, schau dir die finanzielle Situation Lateinamerikas an und ziehe die Realpreisentwicklung in der Eurozone hinzu, beachte aber auch die durch das Engegement der USA gestiegene Wahrscheinlichkeit von Anschlägen, welche wieder auf die Wirtschaft rückwirken.
Es ist, denke ich, durchaus in Ordnung, wenn ich mich eindimensionalen Sichtweisen wie denen von isthar verschließe und dem kybernetischen Ansatz den Vorzug gebe. Es ist, denke ich, auch in Ordnung, sich in einem Forum, welches sich mit Prophezeiungen und Weltgeschehen auseinandersetzt, eben mit den Wahrscheinlichkeiten auseinander zu setzen und von der Tatsächlichkeit des kleinsten gemeinsamen Nenners der Prophezeiungen auszugehen.
Wenn du das anders siehst, zucke ich halt mit den Schultern. Es sei dir belassen, daß ich in deinen Augen der böse Bube bin. Kratzt mich nicht. Wenn du aber die Argumentation, welche ich obig beschrieben habe, nachvollziehen kannst, bin ich erfreut, dann haben wir sowas wie einen Grundkonsens.
Badland Warrior