Dekadente Ölscheichs und Osama bin Laden
Geschrieben von Swissman am 05. September 2004 01:43:21:
Als Antwort auf: Re: "Gute Nachrichten" - für Bush: US-Terroristenjäger glaubt an Festnahme Bin L geschrieben von Sekhmet am 04. September 2004 20:15:27:
Hallo Sekhmet,
>Letzte Woche war da übrigens eine Reportage über die Familie Bin Laden.Ich glaube, diese Reportage habe ich auch gesehen, jedenfalls die zweite Hälfte davon. - Mir ist dabei vor allem eine neue Information erinnerlich: Ein Halbbruder Osama bin Ladens besitzt eine Softwarefirma, die Spezialprogramme zur Flugsicherung herstellt. Unter der Kundschaft befand sich auch die US-Flugsicherung!
Vorausgesetzt, die Gerüchte, wonach die entführten Flugzeuge eine Weile lang "verschwunden" sein sollen, stimmen, wäre doch die Vermutung, dass Osamas Halbbruder einen Trojaner mitgeliefert hat, weitaus plausibler und erheblich wahrscheinlicher, als die Annahme gewisser Paranoiker, in dieser Zeit müssten die Flugzeuge wohl durch Doubletten ersetzt worden sein...
>Ist schon irgendwie seltsam, daß dann einer von denen ausgerechnet extremst mittelalertlich auftreten soll und auch daß der in einer Höhle lebten soll finde ich nicht glaubwürdig, nachdem ich den Lebensstil dieser Leute gesehen habe, die sicherlich Schwierigkeiten hätten, auch nur annähernd so zu leben, wie ein kleiner Mittelständler bei uns, ohne schweren psychischen Schaden davon zu tragen.Ich denke, wenn man als einfacher, ziegenhütender Beduine aufgewachsen ist, und gleichsam über Nacht zum steinreichen Ölscheich wird, weil sich das Stammesgebiet als weltgrösste Erdöllagerstätte entpuppt hat, so muss dies beinahe zwangsläufig einen mittleren bis grösseren "Dachschaden" hervorrufen. - Gerade beim saudischen Herrscherhaus sieht man dies besonders gut!
Nicht umsonst sagen Geschäftsleute, die in den Golfstaaten tätig sind, man müsse einen Ölscheich im Prinzip wie einen Siebenjährigen behandeln, der allerdings über das nötige Kleingeld verfüge, um sich alles zu kaufen, was er wolle.
Erschwerend kommt in Saudi Arabien natürlich noch hinzu, dass der Wahhabismus, dem die al Sauds angehören, eigentlich so gut wie alles verbietet, was geeignet wäre, Freude zu verursachen. Der saudische Prinz ist daher im allgemeinen hin und hergerissen zwischen einem Leben im Überfluss, geprägt von dekadenten Vergnügungen jedweder Art (hinter den Palastmauern und im Ausland) einerseits, und der Aufrechterhaltung des frömmlerischen Scheins andererseits, der nach Aussen hin um jeden Preis gewahrt werden muss.
In Paris ist in den Achtzigerjahren ein saudischer Prinz in einem Edelbordell einem Herzinfarkt erlegen. In der Hand hielt er eine islamische Gebetskette, wobei die beiden Damen, mit denen er sich verlustiert hatte, bestätigten, dass er gleichzeitig gebetet habe. - Dies sei aber bei saudischen Kunden nichts ungewöhnliches... *g*
Wobei mir ehrlich gesagt der dekadente saudische Prinz, der seine Zeit zwischen Spieltisch, Mini-Bar und Schlafzimmer verbringt und jeden Tag einen Betrag verprasst, für den unsereiner ein Jahr oder länger arbeiten müsste, immer noch erheblich lieber ist, als sein Verwandter, der den Wahhabismus ernst nimmt, und seine Handlungen danach ausrichtet... Der erstere schadet wenigstens in primär sich selbst.
>Das sind Oligarchen erster Garnitur und stehen den westlichen Oligarchen in iherer Dekadenz in gar nichts nach.Das stimmt im Prinzip sicherlich. - Dies scheint übrigens Osama bin Laden durchaus auch erkannt zu haben: Laut seinen eigenen Aussagen stösst ihn die allgegenwärtige Dekadenz, Verschwendungssucht und Doppelmoral der saudischen Eliten zutiefst ab (was ihm nicht wenige Sympathien unter dem Pöbel einträgt!). Nach und nach muss er sich dann aber dem Wahhabismus in seiner Reinform zugewandt haben - im Gegensatz zu einem Grossteil der saudischen Oberklasse nimmt er diesen ernst und hält ihn für den einzig wahren Glauben.
Und Leute wie ihn gibt es in der saudischen Jugend mittlerweile relativ viele - ein Stückweit mag es sich hierbei auch um "jugendliche Protest-Wahhabiten" handeln, so wie es ja auch hierzulande Jugendliche gibt, die nicht zuletzt deswegen als Punker, Black-Metaller oder Skinheads herumlaufen, um sich dadurch von ihren Eltern abzugrenzen und sie zu provozieren.
>Interessant dabei: Familie Bin Laden hat ein Bauunternehmen größerer Rangordnung mit einer Spezialität: Wolkenkratzer !Da würde ich nicht zuviel hineininterpretieren: Der Bin-Laden-Clan besitzt in Saudi Arabien ein Beinahe-Monopol für Bauten jeder Art. Für staatliche Bauaufträge ist die Familie sogar offizieller Hoflieferant, sprich Monopolist. - Dass die Firma in der Folge grössere Erfahrungen im Bau von Hochhäusern gemacht hat, ist die zwangsläufige Folge.
>Außerdem sind die im gleichen Ölverein wie die Bushs.Es sei daran erinnert, dass der saudische Erdölmonopolist Saudi Aramco sich in Staatsbesitz befindet. Folglich werden sämtliche Baumassnahmen, die im Zusammenhang mit Erdölförderung und -export stehen, der Bin-Laden-Gruppe zugeschanzt.
Faktisch ist es so gut wie unmöglich, in Saudi Arabien Geschäfte zu machen, ohne dabei irgendwann einmal auch mit dem Bin-Laden-Clan zusammenarbeiten zu müssen. Dies trifft auf Firmen, die der Familie Bush gehören, genauso zu, auf jede andere Firma auch.
Zudem: Ausländische Firmen, die in Saudi Arabien tätig werden wollen, sind gesetzlich verpflichtet, einen saudischen "Partner" zu haben, da "Ungläubige" in Saudi Arabien so gut wie keine Rechtsgeschäfte abschliessen dürfen. - Ersatzweise ist dafür die Unterschrift des "Partners" notwendig (der sich mit ein paar Unterschriften eine goldene Nase verdient). Aufgrund der Nähe der Bin Ladens zum saudischen Herrscherhaus mag es für ausländische Firmen, zwecks Beschleunigung der Erteilung staatlicher Bewiligungen, durchaus von Vorteil sein, einen "Partner" aus dieser Familie auszuwählen...
mfG,
Swissman