Ragnarök

Geschrieben von Dunkelelbin am 30. Juni 2004 00:58:28:

Hallo,

vielleicht mag ja der ein-oder die andere mal ihren Blick über den Tellerrand heben. Ich denke, es ist an der Zeit auch mal wieder etwas über die alten, europäischen Prophezeiungen zu diskutieren.
Allen voran natürlich aus der Völuspa, die eine überaus klare Darstellung der kommenden Geschehnisse liefert:

Ragnarök
(nord. (fem. Pl.) „Schicksal der Götter”, ragna rök; fälschlich auch Ragnarökr „Götternacht”, „Götterdämmerung”). Der Weltuntergang in der nordischen Mythologie der Edda. Besonders durch Richard Wagners Oper „Götterdämmerung” wurde der Begriff bekannt.
Ragnarök bedeutet das Ende der bisherigen Welt. Dem allgemeinen Untergang fallen nahezu sämtliche Götter, Riesen und Menschen zum Opfer, ehe eine erneuerte Welt des Friedens beginnt.

Nach dem gewaltsamen Tode Balders kündigt sich Ragnarök durch Vorzeichen an:
Der gewaltige Winter Fimbulvetr (nord. „riesiger Winter”) (Eine Naturkatastrophe in der nordischen Mythologie. Es handelt sich um eine Eiszeit mit drei strengen Wintern, ohne Sommer dazwischen, mit Schnee, klirrendem Frost und eisigen Stürmen).
Fimbulvetr ist eine der Einleitungen zum allgemeinen Untergang der Götter (Ragnarök)...
läßt die Welt gefrieren, ihm folgt der durch Surtr
(nord. „der Schwarze”, „der Schlechte”, Surtur, Surt) In der nordischen Mythologie der Feuerriese (Thurs). Er ist die Personifikation der alles verzehrenden Macht des Feuers und ein Feind der Asen. Er bewacht das Feuerland Muspelheim und ist womöglich identisch mit Muspell. ( BELLINGER, 1997, S. 449)Noch sitzt er an der Grenze zu Muspelheim, doch zur Zeit von Ragnarök wird er mit seinem flammenden Schwert Feuer in alle Richtungen schleudernd den Weltenbrand auslösen (Gylfaginning, 4). Unter Surtrs Schritt wird die Himmelsbrücke Bifröst zusammenstürzen.Auf dem Felde Wigrid wird Surtr gegen die Asen antreten und den waffenlosen Freyr töten (Völuspa, 45).Nach Surtr heißen vulkanische Höhlen auf Island Surtshellir (GRIMM, Deut. Mythol., II., S. 675).
Eine durch vulkanische Tätigkeit erst 1963-67 entstandene Insel heißt nach ihm Surtsey („Insel des Surt”, südwestlich von Island BELLINGER, 1997, S. 449).Surtr hat Ähnlichkeit mit Muspell und ist möglicherweise mit ihm identisch. Auch mit Loki wird er gleichgesetzt.)
ausgelöste Weltenbrand, die Erde versinkt in einer durch die Midgardschlange (Midgardsomr).
Die Midgardschlange (Jörmungand) der nordischen Mythologie.
Midgardsomr ist eine dämonische Riesenschlange. Sie ist eine Verkörperung des die Landmassen umschlingenden Weltmeeres. Sie ist rings um die Welt Midgard gerollt („Erdumgürter”) und beißt sich selbst in den Schwanz. Wenn sie sich im Wasser wälzt, verursachen ihre Bewegungen gewaltige Sturmfluten.
Sie ist eine Tochter der Riesin Angrboda und des Loki, ihre Geschwister sind die Todesgöttin Hel und der Fenriswolf.
Das Hymirlied der Edda erzählt von einer Angelfahrt des Asen Thor, der bei Hymir am „Rand des Himmels” den „Erdumgürter” an den Haken bekam, wobei als Köder der Kopf eines schwarzen Stieres diente. Die Schlange entkam zwar, doch traf Thor ihr steinernes Haupt mit seinem Hammer, wobei die See toste und die Erde erbebte. (Hymiskvida, 5, 19 u. 23f.)
Zur Endzeit Ragnarök wird sich die Midgardschlange im Meer wälzen, die Wellen die Küsten überfluten und so das Totenschiff Naglfar loskommen (Gylfaginning, 51). Im Kampf der Asen gegen die riesischen Mächte wird zwar Thor mit seinem Hammer Mjöllnir die Midgardschlange erschlagen, doch tötet ihr Gift noch im Tod ihren Bezwinger.
Im Zuge der Christianisierung Skandinaviens setzte eine Gleichsetzung der Migdardsomr mit dem Leviathan der Bibel ein BELLINGER, 1999, S. 312).
ausgelösten Überschwemmung, die Sonne verfinstert sich.
Das Geschehen weissagt besonders die Völuspa, das Eingangsgedicht der Edda.
Demnach werden die Söhne Muspels den Stamm der Yggdrasil entzünden, Heimdall bläst auf dem Gjallarhorn Alarm, Odin berät sich mit dem Kopf des Mimir (Völuspa, 47, zit. n. SIMROCK). Im Meer tobt die Midgarschlange, durch die Überschwemmungen kann das Schiff Naglfar in See stechen, unter Führung des Loki segeln Muspels Söhne von Osten her, dazu die wilden Riesen (ebd., 49-50), aus dem Süden kommt Surtr (ebd., 51).
Dann kommt es zum Kampf. Odin fällt gegen den Fenriswolf, den Widar tötet, Freyr kommt durch Surtr um (ebd., 53-54). Thor erschlägt die Midgardschlange, stirbt aber an ihrem Gift (ebd., 55).
Tyr und Garm bringen einander um, Heimdallr stirbt durch Loki (Gylfaginning, 51).
Schließlich verfinstert sich die Sonne, das Land versinkt vollends im Meer, Feuer steht am Himmel (Völuspa, 56).
Aber Ragnarök bedeutet nicht das völlige Ende. Denn aus dem Meer wird eine neue Welt auftauchen, die verbliebenen Asen sammeln sich auf dem Idafeld, man erinnert sich der Runen (ebd., 58) und findet im Grase die Goldenen Bälle (o. Tafeln, gullnar töflur). Nun hebt ein neuerliches Goldenes Zeitalter an, Äcker tragen von selbst, Baldur kehrt zurück und ist mit Hödur versöhnt (ebd., 58-60).
Als einziges Menschenpaar überleben Lif und Lifthrasir in „Hoddmimirs Holz” und begründen ein neues Menschengeschlecht (Wafthrudnirlied, 45). Auch die Sonne wird neu scheinen, denn ehe die Sol vom Fenrir gefressen wird, kann sie noch eine Tochter gebären (ebd., 47).
Auch Widar und Wali werden überleben, ebenso Modi und Magni, die von ihrem Vater Thor den Miöllnir erben werden ebd., 50).
Auch von den finsteren Mächten gibt es einen Überlebenden, den Totendrachen Nidhöggr (Völuspa, 64).
Die Bezeichnung Götterdämmerung gebrauchte zuerst Michael Denis (1772), Richard Wagner benannte so die von ihm 1876 komponierte die Oper „Die Götterdämmerung” ( BELLINGER, 1997, S. 399), die den „Ring” abschließt.
Der nordische Bericht von einem Weltuntergang gibt nach Ansicht J. SPANUTHs eine Ur-Katastrophe wieder, die einst zum Untergang der sagenhaften Insel Atlantis geführt habe. Der Feuerriese Surtr sei dann dem griechischen Phaeton (oder auch dem Typhon) gleichzusetzen, die atlantische Königsburg Basilea dem nordischen Asgard. ( Die Atlanter, 1998, bes. 324-345)
„Im Jahr 793 wurde die englische Klosterinsel Lindisfarne [von den Wikingern] geplündert und die Kirche Sankt Cuthbert mit dem Blut der Mönche bespritzt. Alkuin beklagte, ,niemals zuvor kam solch ein Schrecken über uns wie jetzt durch die heidnischen Horden’. Aber für die Wikinger war es wie Ragnarök ,ein Zeitalter von Axt und Schwert’. Es war das Vorspiel für das ,Zeitalter von Wind und Wolf vor der Zerstörung der Welt’. Trotz der Christianisierung der Germanen Nordeuropas blieb die Sorge vor dem Weltuntergang. Der Gedanke an das Jüngste Gericht quälte sie während des gesamten Mittelalters. Möglicherweise ging der Kampfeswillen der Nazis im Zweiten Weltkrieg auf die volkstümliche Überlieferung der Götterdämmerung zurück.”
1 Baldur
(Balder; altnord. baldr, „Herr”; ahd. bald, „tapfer”) In nordischer Mythologie ein Lichtgott, Gott der Reinheit, Schönheit und Gerechtigkeit. Er ist Gott des Frühlings und durch sein Schicksal sterbender und auferstehender Gott .
Baldur. RAFAEL ROMAN ARROYO, 2003

Der jung und schön dargestellte Baldur — er soll so licht sein, daß ein Schein von ihm ausgeht (Edda, Gylfaginning, 22) — ist Sohn des Asen Odin (Völuspá, 25) und der Frigg. Seine Brüder sind Hödur und Hermodur.
Baldurs Gattin ist die Nanna, mit der er Vater des Forseti ist.
Baldur errichtete sich im befriedeten Bezirk Breidablick („Breitglanz”) seine Wohnung (Grimnismal, 12).
Baldur quälten schlimme Träume, was allen unverständlich war. Um deren Ursache zu erforschen ritt Odin auf Sleipnir nach Nifelheim. Eine Wölwa offenbarte ihm, daß Baldur bald von seinem Bruder Hödur getötet werde, im Totenreich sei sein Empfang bereits vorbereitet (Baldurs Träume, 1-9). Als Gegenmaßnahme nahm die Frigg allem in der Welt, Elementen, Giften, Krankheiten, Belebtem und Unbelebtem, das Versprechen ab, dem Balder kein Leid zu tun. Dabei überging Frigg allerdings die ihr noch zu jung erscheinende Mistel - ein Umstand, der dem Loki bekannt wurde (Gylfaginning, 49).
Doch waren die Asen nun beruhigt und schossen bei einer Versammlung zum Spaß auf den in ihrer Mitte stehenden Baldur und erfreuten sich an dessen Unverwundbarkeit. Aber Loki nahm den Zweig der Mistel und gab ihn dem blinden Hödur, der damit ahnungslos auf Baldur zielte und seinen Bruder tötete (ebd.). Ihn rächt sein Bruder Vali, der kaum geboren ungewaschen und ungekämmt den Hödur tötet (Völuspa, 37, n. STANGE, 1995 u. Balders Träume, 11)
Alles war entsetzt und begann zu weinen. Rasch sandte man den schnellen Hermodhr auf Sleipnir, seines Vaters Odin Hengst, aus, den Helweg ins Totenreich zu reiten, auf daß er der Hel ein Lösegeld biete und Baldur zurückhole (Gylfaginning, 49).
Unterdessen begann die Bestattung. Nach der Sitte legte man Balder auf sein Schiff Hringhorn und wollte es in die See stoßen, doch bewegte sich dieses größte aller Schiffe nicht von der Stelle. Das gelang erst der aus Jötunheim herbeigerufenen Riesin Hyrrockin, die auf einem Wolf geritten kam, den vier Berserker kaum zu bändigen vermochten. Hyrrockin stieß das Schiff kaum an, als es schon funkenstiebend und erderschütternd in See stach (ebd.).
Balders Gattin Nanna zersprang vor Trauer und starb. Man legte sie auf den Scheiterhaufen, den Thor mit seinem Hammer Miöllnir weihte. Dabei geriet ihm der Zwerg Lit vor die Füße, den Thor mit einem Tritt ins Feuer beförderte (ebd.).
Anwesend waren außer den Asen auch die Walküren, sogar die sonst den Göttern verfeindeten Hrimthursen und Bergriesen; zum Scheiterhaufen führte man auch den Hengst Baldurs, Odin legte seinen Ring Draupnir mit hinzu (ebd.).
Inzwischen ritt Hermodhr zur Hel, wo er nach neun Nächten ankam, wo er Baldur auf dem Ehrenplatze sitzen sah. Andernmorgens bat er die Hel, Baldur heimführen zu dürfen, doch die Todesgöttin beschied ihm, nur wenn alle Wesen um ihn trauerten dürfe Baldur aus ihrem Reich wiederkehren. Das schien nicht unmöglich, denn Baldur war allseits beliebt. So ritt Hermodhr, dem Baldur den Ring Draupnir mitgab, zurück nach Asgard und überbrachte Geschenk und Nachricht. Hier sandte man Boten in alle Welt aus und alles begann zu weinen, allein die Riesin Thökk sperrte sich und Baldur mußte im Totenreich verbleiben (ebd. u. Strophe der Thökk).


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Grüße
Dunkelelbin*



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