Re: Putin gibt damit zu, wer die USA mit in den Krieg lockte

Geschrieben von Johannes am 18. Juni 2004 20:27:49:

Als Antwort auf: Re: Putin gibt damit zu, wer die USA mit in den Krieg lockte geschrieben von Apollo am 18. Juni 2004 19:47:27:

> In der Spiegel-Meldung steht, dass die Russen den Amerikanern NACH dem
> 11.September und VOR dem Irak- Angriff über Saddmas Terrorabsichten infor-
> miert haben sollen..
> Was wenn es in Wahrheit schon früher geschah ? Eben VOR dem 11.September ?
> Die Amerikaner damals das alles aber für " Spinnerei " hielten..und nicht
> ernst nahmen !
> Nachher " traute " man den Russen umsomehr ..was diese für die vorbereitete
> Irak-Falle möglicherweise geschickt > ausnützten < ..?
> ( Ich weiss aber das dies sehr spekulativ ist..;-)

Hallo apollo,

ja, dies ist sehr spekulativ, aber ich denke, wenn man sich schon politische Gedanken macht, dann sollte man auch mal über Möglichkeiten nachdenken, die nicht dem Mainstream in den meisten Foren entsprechen.

Schau Dir doch in diesem Zusammenhang auch nochmal den legänderen Beitrag von Swissman an, der eine Alternative aufzeigte, an die damals kaum jemand dachte:

http://f23.parsimony.net/forum53379/messages/32493.htm

Da geht es auch um die Frage der Glaubwürdigkeit.

Nun lese ich gerade auf der Seite des Spiegel:

> Der Untersuchungsausschuss zu den Ereignissen des 11. September hat die
> Saddam-Qaida-Connection als Farce entlarvt - und damit Bushs Begründung
> des Irak-Kriegs endgültig den Boden entzogen. Die Glaubwürdigkeitskrise
> ist so groß wie noch nie. Doch das Weiße Haus will seine Kriegspropaganda-
> Strategie nicht aufgeben.

(http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,304734,00.html)

Und da muß man sich doch fragen, warum genau in diesem für Bush gefährlichen Moment ihm jemand zu Seite springt, von dem man es nach den sonst üblichen Theorien bestimmt nicht erwartet hatte. Ohne Details preiszugeben und damit sich und Rußland zu gefährden, bestätigt Putin, daß die USA durchaus Grund hatten, im Irak eine Terrorgefahr zu sehen.

Sicher, dies wird für die USA nicht das einzige Argument gewesen sein. Natürlich werden sich auch die Firmen gefreut haben, die daran verdienen. Sei es zu Beginn an den Waffen oder später am Wiederaufbau und dem Öl.

Wobei es sehr, sehr unwahrscheinlich ist, daß das Öl jemals die Kosten decken wird, die der Krieg verursacht. Ich habe daher auch keine Schwierigkeiten, darin sich widersprechende Einzelheiten zu sehen, denn es geht ja auch um verschiedene Einzelinteressen. Und das Interesse einer Ölfirma ist sicherlich ein anderes als das von jemand, der Verantwortung für die Sicherheit und die Zukunft eines Staates hat.

Die große Frage ist, wie man eine solche Mischung von Einzelinteressen von außen so lenken und beeinflussen kann, daß sie dem eigenen Konzept entsprechen. Im Idealfall geht jeder aus seiner Sicht dem eigenen Interesse nach (die Ölfirmen suchen Öl, etc.), während sich in der Gesamtsicht ein anderes Bild ergibt, das nur von außen zu erkennen ist. Aber um so etwas, mit allen verbundenen Risiken, richtig einzufäden, braucht man schon gute Schachspieler...

Laut Spiegel besteht derzeit für Bush eine Glaubwürdigkeitskrise wie noch nie. Sollte sich ein Nachfolger so wie die Spanier verhalten, wären die Karten völlig neu gemischt und die USA bald aus der Verstrickung draußen, die sie sich mit dem Krieg eingehandelt haben.

Und genau in diesem Moment taucht Putin ohne einen erkennbaren Grund auf und bestätigt, daß Bush durchaus Grund hatte, den Irak für gefährlich zu halten.

Der Spiegel läßt dabei die Info weg, wie intensiv Putin die USA warnte, dies können wir aber in der Netzeitung lesen:

> Sie [die Infos] seien mehr als einmal an die USA übermittelt worden,
> schriftlich und mündlich.

(http://www.netzeitung.de/spezial/irak/291756.html)

Putin scheint damit zu versuchen, Bushs Kopf zu retten, und so wird alles seinen gewohnten gang weitergehen: Die USA bleiben militärisch im Nahen Osten verstrickt und gebunden, der Westen wird entzweit.

Übrigens, für die Zweifler im Forum: Ich bin sehr klar gegen den Irakkrieg und glaube nicht, daß die nun im Irak beteiligten Firmen aus edlen Motiven handeln würden. Nur frage ich mich, wie das große Puzzle ausschaut, wenn man mal weniger auf die Details sieht und davor das große Ganze betrachtet. Und da kann ich den Eindruck nicht loswerden, daß hier der Osten als lachender Dritter dasteht, während sich der Westen und der Islam gegenseitig niedermachen (und der Westen das unter dem Eindruck der Dinge auch alleine schafft). Cui bono?, wie hier einige so gern fragen. Und, als Zusatz, welche Überlegung läßt sich mit den Prophs besser in Deckung bringen?

Gruß

Johannes


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