Re: Worauf wir uns mit einem Türkeibeitritt einlassen

Geschrieben von Marc Malbec am 22. Mai 2004 11:26:10:

Als Antwort auf: Re: Und Königsberg wird wieder ... geschrieben von JeFra am 22. Mai 2004 06:57:41:

Hallo JeFra,

>Es ist klar, daß wir als Deutsche diese Politik nicht in der EU haben wollen, weil es uns einem Krieg mit Rußland näher bringen könnte, der katastrophale Folgen für unser Land haben würde und überhaupt nicht in unserem Interesse liegt.

Als Beispiel für Kriege zwischen der Türkei und Russland habe ich etwas hereinkopiert, für den Fall, daß jemand diese Annahme für zu weit hergeholt halten sollte. Im Hinblick auf die Prophezeizungen ("Im Balkan wird der Funke zünden") verdienen die Südost-Europa betreffenden Aspekte besonders genau gelesen zu werden.

Und der Nahe Osten wird mit dem Anschluß der Türkei zu unserem Vorgarten. Es scheint Leute zu geben, die der Ansicht sind, wir hätten viel zu lange Frieden gehabt, und daß man das gefälligst ändern müsse; von den finanziellen Lasten ganz zu schweigen.

Auf einer Podiumsdiskussion soll PSL gesagt haben, "jeder deutsche Politiker, der für eine EU-Mitgliedschaft der Türkei ist, gehört vor Gericht gestellt" (aus dem Elliott-Forum).


Der Russisch-Türkische Krieg 1877/78

Die Aufstand der Balkanvölker gegen die türkische Herrschaft seit 1875 rief Russland auf den Plan. Nach den Niederlagen der serbischen Milizen (Serbisch-Türkischer Krieg) baten die Serben Russland um Hilfe. Russland sah sich als Schutzmacht aller orthodoxen Glaubensbrüder auf dem Balkan und als Kopf einer panslawischen Bewegung. Zar Alexander II. war entschlossen, eine aggressive Politik gegenüber dem Osmanischen Reich zu führen, während die anderen Großmächte, besonders Großbritannien und Österreich, den Ausbau der russischen Macht auf dem Balkan fürchteten.

Als sich die Türken weigerten, Reformen zugunsten der orthodoxen Christen durchzuführen, erklärte Russland am 24.4.1877 den Krieg. Rumänien, das 1862 durch die Vereinigung der Donaufürstentümer Moldau und Wallachei entstanden war, kämpfte an der Seite Russlands und erklärte am 21.5.1877 seine Unabhängigkeit.

Die russischen Truppen gewannen schnell die Kontrolle über die Donau und marschierten im Juni 1877 in Bulgarien ein. Die Türken bauten Plevna zur Festung aus und brachten dort den russischen Vormarsch zum Erliegen. Viele verlustreiche Angriffe auf Plevna scheiterten.

Wären die türkischen Armeen zu einer koordinierten Gegenoffensive in der Lage gewesen, hätte Russland wohl den Krieg verloren geben müssen. Es fehlte aber auf türkischer Seite eine effektive Heeresorgnisation. Nach langer, für beide Seiten verlustreicher Belagerung kapitulierte Plevna im Dezember 1877. Der folgende Zug durch das winterlichen Gebirge forderte viele Todesopfer. Im Kaukasus stießen die Russen bis kurz vor Erzerum vor. In der Schlacht von Senova am 8./9.1.1878 gelang den Russen der entscheidende Sieg.

Ende Januar standen die Russen unter Großürst Nicolai vor Konstantinopel. Aus Rücksicht auf die britischen Interessen und angesichts der britischen Flotte vor den Dardanellen verzichteten sie auf den Einmarsch in die osmanische Hauptstadt. Die russische Armee blieb im Vorort San Stefano, wo den Türken eilig ein Friede diktiert wurde, ohne auf die Interessen der anderen Großmächte einzugehen.

3.3.1878 Vertrag von San Stefano

* Serbien, Rumänien und Montenegro wurden unabhängig.
* Bulgarien wurde autonom, stand aber unter russischer Kontrolle.
* In Asien erhielt Russland Ardahan, Kars, Batum und Bayazid.

Einige der Bestimmungen des Vertrages von San Stefano wurden auf dem Berliner Kongress 1878 von den Großmächten revidiert. Österreich besetzte Bosnien und die Herzegowina. Bulgarien wurde geteilt. Ein Teil, Mazedonien genannt, blieb unter türkischer Herrschaft. Die Provinz Ost-Rumelien und das Fürstentum Bulgarien wurden autonom. Die türkische Herrschaft in Mazedonien diente 1912 als Vorwand zum Beginn des ersten Balkankrieges.



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