Re: Und Königsberg wird wieder ...

Geschrieben von detlef am 22. Mai 2004 07:16:42:

Als Antwort auf: Re: Und Königsberg wird wieder ... geschrieben von JeFra am 22. Mai 2004 06:57:41:

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>Als Vorschlag zur Güte werde ich aber die Tage zumindest eine kurze Zusammenfassung mit meinen einfachen Worten ins Forum stellen.
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>Ich wäre schon an einer wörtlichen Übersetzung interessiert, um auch etwas davon lernen zu können. Eine kurze Zusammenfassung in Ihren eigenen Worten hilft mir da nicht weiter. Ich versuche mich also inzwischen mal mit eigenen (sicher oftmals gewagten) Übersetzungen. Ich fange mit den einfachen Phrasen an, die ich ziemlich schnell verstanden habe (bzw. das glaube), und bringe dann meinen Übersetzungsversuch des ersten Abschnittes. Wir können uns ja dann jeden Tag (oder jeden dritten Tag, ganz wie es Ihnen recht ist) einen weiteren Abschnitt aus dem Text vornehmen.
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>Der Ausspruch, um den es mir ursprünglich geht, und den einer der Teilnehmer einer Diskussion im Politikforum auf Atatürk zurückgeführt hat, ist wirklich nicht schwer zu übersetzen:
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>"Oguz, Kırgız, Tatar, Özbek, Kazak ve Yakut yok, yalnız Türk vardır"
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>Es gibt keine Oguzen [?], Kirgisen, Tataren, Usbeken, Kasachen und Yakuten, nur Türken gibt es sehr wohl. Das `sehr wohl' benutze ich, weil ich `vardir' für eine Betonung von `var' halte. Ich könnte mir schon vorstellen, daß das tatsächlich auf Atatürk zurückgeht, wie besagter «Joe Hill» im Politikforum behauptet hat.
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>Sie haben schon recht, das könnte «zur Schlußfolgerung führen, daß das pantürkisch gemeint war.» Ich halte diese Position trotzdem für recht natürlich. Sie müssen doch nur mal den Namen der usbekischen Hauptstadt (Taschkent) mit der türkischen Vokabel für Hauptstadt (başkent) vergleichen, um auf die Idee zu kommen, daß die Türken sich mit den Usbeken ziemlich gut verständigen können. Besser jedenfalls als mit den Russen oder den Georgiern.
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>Wenn ich sage, daß ich diese Position für natürlich halte, so ziehe ich daraus zweierlei Folgerungen: Einmal tut es meinem Respekt für Atatürk als türkischer Politiker keinen Abbruch. Es geht eben nicht um Kannibalismus, sondern um eine Politik, die aus türkischer Sicht recht natürlich ist. Zum zweiten glaube ich, daß diese natürliche Position auch dann natürlich bleibt, wenn die Türkei Mitglied der EU wird. Das ändert ja nichts daran, daß die Türken sich mit den Usbeken leichter unterhalten können als mit den Griechen. Was auch für die Deutschland im Zuge der EU-Freizügigkeit zuwandernden Türken gilt, denn diese können viel eher die Deutschen zum Türkischlernen zwingen, als daß sie ihr Türkisch vergessen würden.
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>Atatürk, İslam Düyası kozunu oynayarak Rusları köşeye sıkıştırma planları
>yapıyordu.
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>Atatürk hat Pläne gemacht [ planları yapyordu ], die Trumpfkarte [ koz{un}{u} ] der Islamischen Welt [ Düyası -?-> Dünyası ] auspielend [ oynayarak als Gerundium zu oynamak ? ] die Russen [ Rusları] in die Ecke [ köşeye ] zu drängen [ sıkıştırma ]. Ich habe den Anfang des zweiten Satzes aus dem zweiten Abschnitt weggelassen, dem zweiten Abschnitt sollten wir uns vielleicht das nächste Mal zuwenden. Es sind dies die beiden einzigen Phrasen, bei deren Übersetzung ich mir ziemlich sicher bin.
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>Ich könnte mir auch hier vorstellen, daß das ein Aspekt der Politik Atatürks war. Die Russisch-Türkische Feindschaft (oder meinetwegen Konkurrenz um die Vormachtposition im Kaukasus) ist doch sehr alt und dürfte sicher auch das Motiv für die NATO-Mitgliedschaft der Türkei gewesen sein. Sicher handelt es sich um eine recht aggressive Politik. BBouvier würde wohl sagen, daß Atatürk eben kein rosa Häschen war. Oder wollen Sie behaupten, daß er das war?
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>Es ist klar, daß wir als Deutsche diese Politik nicht in der EU haben wollen, weil es uns einem Krieg mit Rußland näher bringen könnte, der katastrophale Folgen für unser Land haben würde und überhaupt nicht in unserem Interesse liegt.
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>Nun zum ersten Abschnitt des Textes (der Einleitung zu Karakoçs Buch?):
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>Türk milleti Asya'nın batısında ve Avrupa'nın doğusunda olmak üzere kara ve deniz sınırları ile ayırt edilmiş; dünyaca tanınmış bir yurtta yaşar. Onun adına Türkeli derler. Türk yurdu daha çok büyüktür. Bütün dünyada; Asya, Avrupa, Afrika Türk Atalarına yurt olmuştur.
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>Mein Übersetzungsversuch:
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>Die Türkische Nation wird durch Land- und Meergrenzen (kara ve deniz sınırları) von Westasien und Osteuropa getrennt [ ziemlich geraten, wörtlich vielleicht so: sie unterscheidet sich mit Land- und Meergrenzen davon, in Westasien und Osteuropa zu sein ], sie lebt [ yaşar als Aorist von yamak ] in einem weltweit anerkannten Land [ yurt --> Land, Heimat, Vaterland etc.]. Sein Name ist Türkei [ geraten, Türkeli =? Türkei, derler =? (der)-ler und der = Aorist von demek?]. Die türkische Heimat ist noch größer [ daha çok büyük ]. Auf der ganzen Welt, in Asien, Europa, Afrika ist den Türkischen Vorfahren [ Türk Ataları ] Heimat gewesen.
>

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>Die ersten zwei Sätze sind anscheinend eine Modifikation von Sätzen aus Atatürks Feder, siehe hier oder hier rechtes Blatt Zeile 8ff von unten, anscheinend das Original in der Handschrift Atatürks:
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>Yine millet bahsinde demiştim ki; Türk milleti, Asya'nın garbında ve Avrupa'nın şarkında olmak üzere kara ve deniz sınırlariyle ayırt edilmiş, dünyaca tanınmış büyük bir yurtta yaşar. Onun adına Türkeli derler.
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>Avrupa'nın şarkın kann man nach meinem Langenscheidt-Wörterbuch tatsächlich mit Osteuropa übersetzen, wenn Asya'nın garbın mit Westasien übersetzt werden kann, ist die Modifikation des Atatürk-Zitats vielleicht nicht sinnenstellend. Selbiges Wörterbuch sagt Türkei --> Türkiye, ist Türkeli eine alte Schreibweise dafür?
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>Der Rest dieses Abschnittes gibt wohl Karakoçs eigene Meinung wieder. Mich erinnert das etwas an die serbischen Versuche, alle Orte mit serbischen Gräbern dem serbischen Territorium einzuverleiben. Um richtig einzuschätzen, wie populär diese Politik in der Türkei ist, müßte man etwas über die Verkaufszahlen des Buches ausmachen. Die Netzseite yenisayfa.com scheint jedenfalls zu einem ganz normalen Buchversand zu gehören. Das wäre dann mit der deutschen Situation zu vergleichen: kriegt man die Bücher aus dem Verlag Gerhard Freys bei amazon.de?
>
>MfG
>JeFra

einen schoenen guten morgen,

eine nahe verbindung zwischen tuerken und usbeken kommt mir nur natuerlich vor.
waren doch die turkmenen, fast von anfang an, einer der tragenden teile des reiches der dschingisieden. als teil dieses reiches sind sie ja auch erst in das gebiet der heutigen tuerkei gekommen.
ich koennte mir auch gut vorstellen, dass "Auf der ganzen Welt, in Asien, Europa, Afrika ist den Türkischen Vorfahren [ Türk Ataları ] Heimat gewesen." sich nicht auf den islam, sondern auf das "erbe" des mongolischen reiches bezieht.

gruss,detlef
http://fc1.parsimony.net/user355/cowboy.gif
ps:es gibt keine beweise gegen polspruenge, nur theorien.


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