Re: Franke, das ist mal eine tolle Antwort
Geschrieben von BBouvier am 15. April 2004 18:07:49:
Als Antwort auf: Re: Franke, das ist mal eine tolle Antwort geschrieben von Marc Malbec am 15. April 2004 17:07:16:
Hallo, Marc!"""Ich verfluche, keinen Zettelkasten angelegt zu haben. Müßte jetzt bei Schultze-Rhonhof oder im Web nachsuchen. Schwöre aber Stein und Bein, das Zitat gelesen zu haben, weil mich fast der Schlag getroffen hat."""
Und m.W. ging der Spruch weiter mit:
"...und im nächsten Jahr in Berlin!"BB, (leider auch ohne Zettelkasten)
>Hallo Franke,
>Deine Antwort ist so gut, so substantiiert, daß ich vor meinem Posting eigentlich längere Recherchen anstellen müßte, und es bedaure, mir nicht das eine oder andere Zitat in einen (nicht vorhandenen) Zettelkasten gelegt zu haben.
>Aber wir schreiben ja nicht für die Ewigkeit und Seminararbeiten sollen es auch nicht werden. Unter der Voraussetzung, daß jeder bereit ist, sich korrigieren zu lassen, kann vielleicht auch mal der eine oder andere Schnellschuß durchgehen.
>Ich fange mal damit an, etwas herauszugreifen, wofür Du eine Auszeichnung verdient hättest.
>>Ich unterschätze Bismarcks geistige Beweglichkeit keinesfalls.
>>Er war wohl ein guter Schüler von Talleyrand.
>Endlich mal einer, der Bismarck in die richtige Reihe stellt, und nicht als preußischen Bluthund darstellt.
>Dein Vergleich mit Napoleons Außenminister ist vom Feinsten! Mir erschien lange Zeit Talleyrand als Inbegriff der politischen Kunst, ich habe mir sogar sein Schloß in Valencay angeschaut. Das gibt einen interessanten Eindruck vom Leben Ende des 18., Anfang der 19. Jahrhunderts. In Erinnerung geblieben sind mir die seidenen Anzüge des Erzbischofs von Autun (hä,ha), die wir auch aus den Porträtbildern kennen, und die orthopädischen Schuhe für seinen Klumpfuß.
>>Naja, man kann zumindest sagen, dass der Einmarsch ins
>>Sudetenland durch die rabiate antideutsche Politik von
>>Benesch provoziert war.
>Mit Ach und Krach, ja. Aber bestimmt nicht die Annexion der nicht-deutschen Gebiete.
>>Das stimmt so nicht. Der 30-jährige Krieg hat als
>>Bürgerkrieg begonnen, in den sich aber einige Nachbarn
>>einmischten, als die innerdeutschen Konfliktparteien
>>schon geschwächt waren und man sich leichte Erfolge
>>erhoffen konnte. Aber von einer Vorausplanung der
>>Nachbarstaaten kann man nicht sprechen.
>Deine Unterscheidung scheint mir eher akademisch. Was wir im 30jährigen Krieg haben sind Zustände, die wir in späteren Zeiten einer Politik der Einkreisung zuschreiben: Deutschland als Schlachtfeld (nicht nur) fremder Mächte und Interessen.
>>>Was ist denn ein französisch-russisches Bündnis anderes, als eine perfekte >Einkreisung, eine Zange, die Deutschland zerquetscht?
>>War das ein Angriffspakt, etwa so wie 1756 gegen Friedrich II
>>oder 1699/1700 gegen Karl XII von Schweden ? Meines Wissens
>>war die Tripelentente ein reines Verteidigungbündnis.
>Deshalb die russische Mobilmachung, weil es ein reines Verteidigungsbündnis gewesen sein soll?
>>>Monate vor dem Attentat von Sarajewo ist der damalige französische >Außenminister Poincare nach Petersburg gereist, und hat das Bündnis mit >Rußland perfekt gemacht. Sein Kommentar anschließend, ich zitiere frei: "Ich >habe den Krieg im Gepäck."
>>Darf ich hierzu die Quellen erfahren ?
>Ich verfluche, keinen Zettelkasten angelegt zu haben. Müßte jetzt bei Schultze-Rhonhof oder im Web nachsuchen. Schwöre aber Stein und Bein, das Zitat gelesen zu haben, weil mich fast der Schlag getroffen hat.
>>Aber man hätte warten können, bis der Hühnerschenkel
>>abgestimmt hat. Dann wäre man völkerrechtlich viel
>>besser dagestanden, trotz Versailler Diktat.
>So etwas von einem Chlorgasgeschädigten zu erwarten, ist zu viel verlangt.
>>Aber Frankreich hat sich z.B. hinter der Maginot-Linie
>>eingeigelt, statt sich offensiv zu rüsten.
>Aber von Abrüstung, wie in Versailles vereinbart, war nix zu sehen.
>>Moment: war es völkerrechtlich in Ordnung, dass ab
>>1773 Polen von den Nachbarn sukzessive eingesackt und
>>als völkerrechtliches Subjekt für über 100 Jahre
>>einfach ausgeschaltet wurde ?
>Nein. Die Frage ist, welche Folgerungen sich aus dieser Feststellung ergeben?
>>>Polen war Profiteur des Versailler Verbrechens-Vertrags. Kann jemand, der >wisenrtlich von einem Verbrechen profitiert, daraus Ansprüche ableiten?
>>Wenn dieser Teil des Vertrags altes Recht (vor 1773)
>>wieder herstellt, warum nicht ? Die polnischen Teilungen
>>hätte es nie geben dürfen.
>Ja. Den Rückgriff auf 1773 kann ich mangels genauerer Kenntnisse nicht nachvollziehen, ich würde jedoch davor warnen, Gebietsansprüche aus längst versunkenen Zeiten ableiten zu wollen. Wende diese Methode mal konsequent an, und frage, wo überall mal deutsches Staatsgebiet war? Dann sind die nächsten Kriege garantiert.
>Marc Malbec