Re: China muß Lebensmittel importieren
Geschrieben von Weltfremder am 31. März 2004 11:33:32:
Als Antwort auf: China muß Lebensmittel importieren geschrieben von Zwobbel am 31. März 2004 08:28:57:
>Es wird mit einem Preisanstieg für Reis und Getreide gerechnet.
>Global!
>Hungrige Bäuche neigen zum Aufstand.
Da fällt mir spontan eine Passage aus Mark Hertsgaards Buch "Expedition ans Ende der Welt" ein:
"Internationale Aufmerksamkeit zog die Verschärfung der landwirtschaftlichen Krise in China 1994 auf sich, als Lester Brown vom Worldwatch Institute einen Artikel mit der Überschrift »Wer wird China ernähren?« veröffentlichte. Darin vertrat er die Ansicht, China befinde sich auf Kollisionskurs mit den Belastungsgrenzen der Umwelt und werde zu Beginn des 21. Jahrhundert nicht mehr in der Lage sein, ausreichend Nahrungsmittel für seinen eigenen Bedarf zu erzeugen; das werde die Weltgetreidemärkte ins Chaos stürzen, einen steilen Preisanstieg verursachen und die Sterblichkeitsraten steigen lassen. Mit seiner Argumentation
geht Brown von der Tatsache aus, daß Chinas Bevölkerung sowohl größer als auch reicher wird, so daß sie auch mehr Fleisch verbraucht. Durch diese Ernährungsumstellung würde der Getreideverbrauch Chinas steigen, denn man braucht zwei Kilo Futtergetreide, um ein Kilo Hühnerfleisch zu erzeugen, für ein Kilo Schweinefleisch sind vier und für ein Kilo Rindfleisch sieben Kilo Getreide erforderlich. Gleichzeitig schrumpfen Chinas landwirtschaftliche Nutzflächen, die unzureichende Wasserversorgung wird immer stärker belastet, und weitere Produktivitätssteigerungen durch Kunstdünger sind kaum noch möglich. In den neunziger Jahren, so Brown, stagnierten die Getreideerträge bereits, und da man mit Land, Wasser und Düngemitteln bereits an den Grenzen der Produktivität angelangt sei, könne man für die Zukunft kaum noch mit erheblichen Ertragssteigerungen rechnen. Deshalb werde sich zwischen Angebot und Nachfrage eine Lücke auftun, die nur mit importierten Nahrungsmitteln geschlossen werden könne. Nach Browns Berechnungen wird China 2030 zwischen 207 und 369 Millionen Tonnen Getreide einführen müssen. Und da beide Zahlen weit über das derzeitige Gesamtvolumen aller weltweiten Getreideexporte hinausgehen, befindet sich die Welt nach Browns Voraussagen an der Schwelle zu steil ansteigenden Lebensmittelpreisen, Getreideembargos, Plünderungen, politischer Instabilität und einer Ausbreitung des Hungers."Der Artikel von Lester Brown erschien ursprünglich in World Watch, September/Oktober 1994, unter dem Titel »Feeding China«. Eine erweiterte Fassung erschien als Buch mit dem Titel „Who will feed China?“ (New York: W. W. Norton 1995)