Gletscher zeigen Schätze

Geschrieben von Taurec am 26. März 2004 13:28:06:

Als Antwort auf: Vulkane / Sonne / Naturphänomene (26.03.2004) (owT) geschrieben von Johannes am 26. März 2004 01:52:43:

Die so genannte Kryosphäre, die Welt des ewigen Eises wird kleiner: Hitzerekorde im Sommer, aber auch die gestiegene globale Durchschnittstemperatur lassen weltweit das Eis tauen. In den Pyrenäen sind die Gletscher fast ganz verschwunden, in der Schweiz gehen einige Szenarien davon aus, dass es in etwa 100 Jahren keine mehr geben wird.

Die Situation sieht nicht besser aus in den Permafrostgebieten Sibiriens und Kanadas: Das Eis taut, und langsam verschieben sich die Grenzen des Dauerfrosts. Die Folgen für Klima und Umwelt sind nicht absehbar, für Archäologen aber besteht Anlass zur Freude. Das Eis gibt beim Zurückweichen zahlreiche Schätze frei. Von abgestürzten Flugzeugen über Münzen bis hin zu verunglückten Bergsteigern reicht die Palette der Funde. Das Beste dabei: Das Eis hat alles perfekt konserviert.


Entdeckungen im Eis

Aus der ganzen Welt werden entsprechende Funde vermeldet. In den kanadischen Rocky Mountains zum Beispiel ein Indianer mit vollständig erhaltenem Umhang und Hut – er starb vor 550 Jahren. In den Anden fanden Bergsteiger die sterblichen Überreste der Fluggäste einer 1947 verunglückten Maschine, und mindestens zehn Leichen wurden allein im Sommer 2003 in den Alpen entdeckt.

Die Alpen gelten ohnehin als aussichtsreichstes Fundgebiet. Seit rund 50.000 Jahren überqueren Menschen die Berge und hinterlassen ihre Spuren in der alpinen Landschaft. Der Hitzesommer 2003 bescherte den "Gletscher-Archäologen" im Herzen Europas reiche Beute. Die meisten der Funde sind vergleichsweise modern, Archäologen haben es naturgemäß lieber etwas älter.

Besonders in der Schweiz, in Italien und Frankreich kamen in der Vergangenheit spektakuläre Funde zu Tage. So entdeckten Paläontologen im Kanton Wallis einen einst von Neanderthalern genutzten Lagerplatz, besonderes Highlight eine ganze Anzahl hochwertiger Knochendolche. Unser Wissen über die eiszeitlichen Jäger ist immer noch begrenzt, ihr Verwandtschaftsverhältnis zum modernen Menschen nach wie vor umstritten.

Manchmal erzählen die Funde auch ganz besondere Geschichten. In den Dolomiten legte der heiße Sommer ein Militärcamp österreich-ungarischer Gebirgsjäger frei. Die Archäologen entdeckten neben den Schützengräben auch etliche Waffen, die Ausgrabung wirkt wie eine Momentaufnahme aus den großen Tagen der Donaumonarchie.


Sind Hannibals Elefanten auffindbar?

Der Fund nährte die Hoffnung auf weitere Entdeckungen. Der größte Traum der Archäologen wäre ein Hinweis auf die vielleicht kühnste Militäraktion der Antike. Während des Zweiten Punischen Krieges zwischen Rom und Karthago überquerte 218 vor Christus Hannibal, neben Alexander bedeutendster Feldherr des Altertums, mit 50.000 Mann und 37 Kriegselefanten die französischen Alpen. Rom beherrschte zu diesem Zeitpunkt die Seewege, der wagemutige Stratege wählte daraufhin den Landweg von Nordafrika über die Straße von Gibraltar und die Iberische Halbinsel.

Obwohl Hannibal auf dem Weg riesige Verluste erlitt, brachte er mit der Aktion die Großmacht Rom an den Rand einer Niederlage. Hannibal ante portas (Hannibal steht vor der Tür), der Schreckensruf der Römer ging in die Geschichte ein. Bis heute ist allerdings nicht restlos geklärt, warum Hannibal vor den Türen Roms stehend abdrehte und der finalen Schlacht aus dem Weg ging.

Rom war zu diesem Zeitpunkt geschlagen, die Verschnaufpause rettete die Stadt und führte im weiteren Verlauf der Geschichte zur völligen Vernichtung Karthagos. Das Imperium Romanum wurde zur bedeutendsten Großmacht der Antike, zivilisatorischer und kultureller Motor des Abendlandes.

Aus den Quellen wissen wir, das Hannibal auch einen Großteil seiner Kriegselefanten in den Alpen verlor. Die Forscher hoffen nun, Überreste der waffenstarrenden Dickhäuter zu entdecken. Mit ihren Rammspornen und klingenbewehrten Stoßzähnen waren Kriegselefanten die furchteinflößendste Waffe jener Tage und der Albtraum römischer Legionäre.

Gelänge es, einige Elefantenknochen und vielleicht sogar Teile der Bewaffnung zu entdecken, wäre unser Bild jener Zeit um ein wichtiges Stück reicher. Archäologen und Historiker sind sich sicher, dass irgendwo entlang des Weges Überreste im Eis verborgen sind. So wäre ein solcher Fund vielleicht eine Sensation, aber sicherlich keine Überraschung.



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