Gutes und Böses in der Welt

Geschrieben von Tilly am 22. März 2004 13:41:44:

Als Antwort auf: Jetzt fängst Du auch noch an! geschrieben von HotelNoir am 10. März 2004 11:03:26:

>Hi Sylvie,
>lass doch! Du weisst es doch nicht! Warum soll Gott nur Liebe sein? Das ist eine christliche Doktrin. Was ist dann das "andere"? Wut, Kampf, Krieg? Ist das nicht Gott? Wer dann? Der Teufel? Wie stellst Du Dir ein Leben vor, in dem es nur Liebe gibt? IST das überhaupt ein Leben? Der Karren braucht doch zwei Räder damit er läuft! Das sogenannt Böse ermöglicht erst, leben zu können. Natürlich, wenn Du Dein Leben nicht haben willst, dann kannst Du sagen: Gott ist reine Liebe. Wenn Du aber wirklich leben willst, dann musst Du sagen: Gott ist auch Krieg, Zerstörung und Leid. Die Inder drücken das im Prinzip der Göttin Kali aus: Sie ist die Zeit, sie gibt und sie verschlingt. Aber einfach alles, was man so mit Angenehmem im Leben verbinden, in den Begriff "Gott" zu projezieren, also nää, das kann doch wohl nicht Dein ernst sein!
>Grüsse HotelNoir

. . . . Gutes und Böses in der Welt ( aus Pardon, ich bin ein Christ)

Der Atheismus hat sich also als zu einfach erwiesen Und ich möchte nämlich noch eine andere Auffassung erwähnen, die ich ebenfalls für zu einfach halte, nämlich das verwässerte Christentum, das uns sagt, es gebe einen guten Gott im Himmel und damit sei alles in schönster Ordnung, und das alle die schwierigen und furchterregenden Lehren von der Sünde, der Hölle; dem Teufel und der Erlösung beiseite lässt. Beide Auffassungen sind Schulbubenweisheiten.Es ist sinnlos, eine einfache Religion zu fordern. die Wirklichkeit ist nicht einfach. Manches sieht wohl so aus, ist es aber nicht. Der Tisch, an dem ich sitze, sieht einfach aus, fragen wir aber einen Wissenschaftler, woraus der Tisch in Wirklichkeit besteht, wie die Atome wirken und wie sie die Lichtquellen reflektieren, die dann mein Auge treffen und Sehnerven und Gehirn in bestimmter Weise beeinflussen, dann werden wir merken , dass das, was wir einen "Einen Tisch-Sehen" nennen , ein höchst geheimnisvoller Vorgang und verwickelter Vorgang ist.Ein Kind, das sein kindliches Gebet spricht- auch das sieht einfach aus. Wenn wir uns damit zufrieden geben, gut und schön; wenn aber nicht- und die moderne Welt tut es für gewöhnlich nicht- wenn wir weiterfragen und den dingen auf den Grund gehen wollen, dann müssen wir auf etwas Schwieriges gefaßt sein. Wenn wir nach mehr als Einfachheit fragen, dann ist es töricht, darüber zu klagen, daß das "Mehr" nicht einfach ist. Oft wird jedoch diese töricht Methode von Menschen angewandt, die eigentlich nicht töricht sind, sondern die , bewußt oder unbewußt, das Christentum zerstören wollen. Sie konstruieren ein Bild des Christentums, das für einen Sechsjährigen angebracht wäre, und machen es dann zum Gegenstand ihrer Angriffe. Versucht man aber die christliche Lehre zu erklären, wie man sie als erwachsener , aufgeklärter Mensch vertritt, dann klagen sie, ihnen schwirre der Kopf, alles sei zu schwierig, und wenn es wirklich einen Gott gäbe, dann hätte er gewiß eine einfache Religion "gemacht", denn Einfachheit sei schön u.s.w.vor diesen MENSCHEN MÜSSEN WIR AUF DER HUT SEIN; DENN SIE WECHSELN IHREN Standpunkt von Minute zu Minute, und man verliert unnötig Zeit mit ihnen. Merkwürdig ist auch ihre Vorstellung, Gott würde einfach eine einfache Religion machen, als wäre Religion etwas von Gott erfundenes und nicht sein an uns Menschen gerichtetes Wort, mit dem er uns unumstößliche Tatsachen über sein eigenes Wesen vermittelt. Die Wirklichkeit ist aber nicht nur kompliziert, meist ist sie auch recht seltsam. Sie ist nicht säuberlich abmeßbar, nicht klar durchschaubar, nicht so, wie wir es erwarten würden. Hat man etwa begriffen, daß die Erde und die anderen Planeten um die Sonne kreisen, so erwartet man eigentlich, daß alle Planeten einem einheitlichen Konzept unterworfen sind, daß sie zum Beispiel alle gleich weit oder in sich regelmäßigen Abständen oder proportional zur Entfernung von der sonne wechselnder Größe sind. Tatsächlich aber läßt sich, zumindest für uns, weder im Blick auf die Größe der Planeten noch im Blick auf ihre abstände ein system erkennen. einige haben einen Mond, einer hat sogar vier, ein anderer zwei, einige gar keinen, und einer hat einen Ring. die Wirklichkeit ist meistens ganz anders, als wir vermutet hätten. Das ist einer der Gründe,weshalb ich dem Christentum glaube. Es ist dies eine Religion, die man sich nicht hätte ausdenken können und würde der christliche glaube eine Weltbild vermitteln, daß genau unseren Erwartungen entspricht, so würde ich ihn für eine menschliche Erfindung halten. Tatsächlich aber gehört er zu den Dingen, die man nicht hätte erfinden können. Lassen wir also diese Schulbubenweisheiten, die mehr als simplen Antworten hinter uns. Die Frage, um die es geht, ist nicht einfach, und die Antwort wird es ebensowenig sein.Was ist nun unser Problem? Da ist eine Welt, in der vieles offensichtlich schlecht, vieles scheinbar sinnlos ist, in der aber Wesen sie wir leben, die um das schlechte und sinnlose wissen. es gibt zwei Anschauungen, die beides berücksichtigen. Da ist zum einen die christliche Auffassung, unsere ursprüngliche gute Welt sei auf Abwege geraten, doch sie habe immer noch eine Ahnung davon, wie sie hätte sein sollen. zum andern der Dualismus. Dualismus nennt man den glauben, daß hinter allen Dingen zwei gleich gewichtige und voneinander unabhängige Mächte einen nie endenden Krieg führen. Ich persönlich bin der Meinung, daß der Dualismus nach dem Christentum unter allen zur Wahl stehenden Anschauungen die logischste ist. Aber sie hat einen Haken.Der Dualismus geht davon aus, daß beide Mächte (oder Geister oder Götter) die gute wie die böse, voneinander unabhängig sind. Beide waren von Ewigkeit an. Keine erschuf die andere, und keine hat eine größere Berechtigung als die andere, sich Gott zu nennen. Es ist denkbar, daß jeder sich selbst für gut, die andere für böse hält. Die eine tritt ein für Haß und Grausamkeit, die andere für Liebe und Erbarmen, aber jede beharrt auf ihrem Standpunkt. Doch wie ist es zu verstehen, wenn die eine Macht gut und die andere böse genannt wird? Entweder wir sagen damit nur , daß wir zufällig die eine der anderen vorziehen- so wie jemand das Bier dem Most vorzieht; oder aber wir sagen: Gleichgültig, was die beiden Mächte selbst davon halten, und gleichgültig, welcher von beiden wir wir im Moment den Vorzug geben, eine von ihnen ist wirklich im unrecht, irrt tatsächlich, wenn sie sich für gut hält. Meinen wir nun, daß wir nur zufällig der einen Macht den Vorzug geben, dann müssen wir allerdings aufhören, weiter über gut und böse zu reden. Denn "gut" ist das was wir vorziehen sollen, ob wir das im Moment wollen oder nicht; sonst verdiente das Gute nicht, "gut genannt zu werden. Darum müssen wir unterstellen, daß die eine der beiden Mächte wirklich im unrecht, die andere wirklich im recht ist.In dem Augenblick aber, wo wir das behaupten, bringen wir zusätzlich zu den beiden Mächten etwas drittes ins Spiel: ein Gesetz, eine Regel oder einen Maßstab des Guten, dem eine der beiden Mächte entspricht, die andere nicht. Da aber beide Mächte danach beurteilt werden, muß dieser Maßstab oder das Wesen, das ihn erschuf, weit über ihnen beiden stehen; es muß der wahre Gott sein. Wenn wir die eine Macht gut und die andere böse nannten, meinten wir also wieder nichts anderes, als daß die eine Macht im richtigen Verhältnis zu dem einen , wirklichen Gott steht und die andere nicht.Wir können die Sache auch noch von einer anderen Seite betrachten. Wenn die dualistische Auffassung richtig ist, dann muß die böse Macht ein Wesen sein, das Böses um seiner selbst willen anstrebt. Wir kenn aber in Wirklichkeit keinen Fall wo jemand das Böse um seiner selbst willen liebt. Die Grausamkeit käme einer solchen Haltung wohl am nächsten. Aber im wirklichen Leben sind Menschen aus zweierlei Gründen grausam: entweder sind sie Sadisten, d.h. sie sind sexuell pervers und schaffen sich mit der Grausamkeit Lustgefühle, oder sie wollen durch ihre Grausamkeit irgendwelche Vorteile erreichen wie Geld, Macht oder Sicherheit. An sich aber sind Lust, Geld, Macht, Sicherheit keine Übel. Das Böse liegt in der Methode, in den Mitteln, durch die man sie anstrebt, und in der Maßlosigkeit des Begehrens. Nicht, daß ich der Meinung wäre, solche Menschen seien nicht abgrundtief schlecht. Ich glaube aber, daß sich bei näherer Betrachtung herausstellen wird, daß auch diese Verderbtheit letzlich etwas Gutem nachstrebt, wenn auch mit den verkehrten Mitteln.Man kann allein um der Güte willen gut sein, aber beim Bösen geht das nicht. Wir können etwas Gutes tun, auch wenn uns nicht danach zumute ist und wir keinen Nutzen davon haben; einfach weil das Gute recht ist. Aber niemand hat je einfach eine Grausamkeit begangen, einfach weil Grausamkeit schlecht ist, sondern vielmehr weil sie Vergnügen bereitet oder irgendeinen Nutzen zu bringen scheint. Mit anderen Worten: dem Bösen gelingt es nicht einmal, auf die gleiche Weise böse zu sein, wie das Gute gut ist. Das Gute ist sozusagen "es Selbst".

das Böse ist nur das verdorbene Gute. Und es muß zuerst etwas Gutes geben, bevor es verdorben werden kann.

Wir nannten den Sadismus eine sexuelle Perversion. Man muß aber zuerst einen Begriff von einer gesunden Sexualität haben, ehe man von ihrer Perversion reden kann. Wir wissen was Perversion ist, weil man das perverse aus dem normalen erklären kann, nicht umgekehrt. Daraus ergibt sich. die Macht des Bösen, von der man annimmt, daß sie auf der gleichen Ebene mit der Macht des Guten steht und das Böse ebenso liebt, wie das gute das gute liebt, ist ein bloßer Popanz. um überhaupt böse sein zu können, muß sie wissen, daß es gute Dinge gibt, die sie haben möchte, die sie dann auf verkehrtem Wege zu erlangen sucht. Ihre Impulse müssen ursprünglich gut gewesen sein, damit sie ins Gegenteil verkehren konnte. Wenn sie aber schlecht ist, so kann sie nicht aus sich selbst das Gute haben, die sie pervertieren könnte. Sie muß beides aus der Macht des Guten empfangen. Damit ist sie aber abhängig von ihr, ist sie selbst ein Teil der Welt dieser guten Macht, erschaffen von der Macht des Guten oder einer dritten Macht, die über beiden steht.


noch einfacher ausgdrückt: um schlecht sein zu können, muß die Macht des Bösen existieren, muß sie Verstand und Willen besitzen. Existenz, Verstand und Wille aber sind an sich gut. also muß sie diese von der Macht des Guten empfangen haben. Um überhaupt schlecht sein zu können, muß sie bei ihrem Widersacher borgen oder ihn sogar bestehlen.


Verstehen wir jetzt, warum das Christentum behauptet, der Teufel sei ein gefallener Engel`? Das ist kein Ammenmärchen. Dahinter steckt die Erkenntnis, daß das Böse ein Schmarotzer, nicht etwas ursprüngliches ist. Die Kräfte, die es dem Bösen ermöglichen, böse zu sein, sind ihm vom Guten gegeben. Alles was einem Menschen ermöglicht, böse zu sein, ist in sich selbst: Entschlossenheit, Gescheitheit, gutes Aussehen, das Leben selbst. Deshalb muß sich der Dualismus, wenn man ihn konsequent zu ende denkt, selbst ad absudum führen.Ich gebe jedoch gerne zu, daß das echte Christentum (im Unterschied zu dem verwässerten) dem Dualismus viel näher steht, als man normalerweise denkt. Als ich mich zum erstenmal ernsthaft mit dem neuen Testament befaßte, war ich überrascht, wie häufig dort von einer dunklen Macht in der Welt die Rede ist, von einem mächtigen und bösen Geist, von dem gesagt wird, er stehe hinter allen Übeln, hinter Tod, Krankheit und Sünde. Der Unterschied zum Dualismus ist der , daß nach Meinung des Christentums diese Macht der Finsternis von Gott erschaffen wurde und ursprünglich gut war, dann aber in die Irre ging. Das Christentum stimmt mit dem Dualismus darin überein, daß diese Welt sich im Kriegszustand befindet. Es glaubt aber ´nicht, daß dieser Krieg zwischen unabhängigen Mächten stattfindet. Er ist ein Bürgerkrieg, eine Rebellion, und wir leben in einem Teil der Welt, der von den Rebellen besetzt ist. Vom Feind besetztes Gebiet- das ist diese Welt. Das Christetum läßt uns wissen, wie der rechtmäßige König gekommen, gleichsam verborgten gelandet ist und uns alle aufruft, am weltweiten Feldzug der Partisanen teilzunehmen. Wenn wir zum Gottesdienst gehen, hören wir den Geheimsender unserer Verbündeten ab, deshalb ist auch dem Feind so sehr daran gelegen, uns vom Gottesdienst fernzuhalten. Er bedient sich dabei unserer Eitelkeit, Feigheit, Faulheit und unseres intellektuellen Snobismus. Sicher wird nun jemand fragen: "Wollen sie heute im Ernst unseren alten Freund, den Teufel mit Pferdehuf und Hörnern wieder einführen?" Nun, was das "heute" damit zu tun hat, weiß ich nicht. Und auf Pferdefuß und Hörner leg ich keinen besonderen Wert. Im übrigen wird meine Antwort lauten: Jawohl, genau das habe ich vor." Ich behaupte nicht, etwas über die äußere Erscheinug des Teufels zu wissen. Wenn aber jemand seine nähere Bekanntschaft zu machen wünscht, so würde ich ihm sagen: Keine Bange, wenn Sie ernsthaft wollen, werden Sie ihm schon begegnen. was sie hinterher sagen werden, das ist allerdings eine andere Frage


Gruß Tilly
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