Nordafrika ist Amerikas neue Front im Krieg gegen den Terror

Geschrieben von IT Oma am 16. März 2004 21:47:09:

Als Antwort auf: NACHRICHTEN (Dienstag, 16.03.2004) (owT) geschrieben von Johannes am 16. März 2004 01:42:18:

Neue Front Nordafrika

Drei Tage vor den Anschlägen von Madrid, bei denen unter anderem drei Marokkaner festgenommen wurden, warnte ein US-Offizier, dass Nordafrika für al-Qaida immer wichtiger würde. Seit Monaten schon baut die US-Armee ihre Präsenz auf dem afrikanischen Kontinent aus.

Washington - "Wir müssen vor ihnen da sein", sagte General Charles Wald, Vizekommandant der für Afrika zuständigen US-Streitkräfte (Eucom) mit Bezug auf al-Qaida in Afrika. Laut Wald, der in Washington zu Reportern sprach, versuchten Osama Bin Ladens Anhänger vornehmlich im nördlichen Afrika - im Magreb wie in den Sahelländern - sichere Rückzugs- und Rekrutierungsorte zu finden, berichtet "Le Monde".

Zahlreiche der mutmaßlichen Islamisten, die in den letzten zwei Jahren in Europa festgenommen wurden, stammen aus den Magrebstaaten Marokko, Tunesien und Algerien. Mit diesen Ländern haben die USA bereits militärische Kooperationsabkommen im Antiterrorkampf. Dabei sind die USA Algerien, das von der internationalen Gemeinde wegen seiner schlechten Menschenrechtslage relativ isoliert ist, erst seit dem 11.September verbunden. Die Bush-Regierung und das Regime von Abdel Aziz Bouteflika eint nun der Kampf gegen die Islamisten, die Algerien zu einem der unsichersten Länder der Region machen. "Wir haben ein Interesse daran, mit unseren Flugzeugen auf Basen in Algerien zu landen oder gemeinsam zu trainieren", sagte Wald laut der britischen Tageszeitung "The Guardian".

Und selbst das Gedankenspiel einer Soldatenfreundschaft mit dem ehemaligen Erzfeind Libyen ist jetzt erlaubt. "Wer weiß? Libyen könnte in der nicht allzu fernen Zukunft ein Teil davon werden, jetzt, wo es zurückgekehrt ist in die westliche Welt", zitierte der "Guardian" den US-General weiter.

Poröse Grenzen in den Sahelländern

In der sogenannten Pan-Sahel-Initiative (PSI) haben die USA auch mit den vier Sahelländern Mauretanien, Mali, Tschad und Niger eine militärische Kooperation vereinbart. Den vier Ländern ist gemein - und das macht sie für die US-Sicherheitspolitiker relevant -, dass ihre Grenzen nach Nordafrika höchst durchlässig sind, dass sie große muslimische Bevölkerungsanteile und - mit Ausnahme Malis - eine instabile politische Lage haben.

Die PSI begann im Januar 2004 mit der Entsendung eines kleinen US-Voraustrupps nach Mauretanien. Mittlerweile sind laut "Guardian" 200-Mann-starke Einheiten der 10th Special Forces Group der US-Armee teilweise unterwegs in die vier Länder, teilweise bereits stationiert. Die Kooperation besteht darin, dass die USA die örtlichen Armeen im Antiterrorkampf und in der Grenzüberwachung ausbilden und ausrüsten. Im Gegenzug darf die Weltmacht dort Flugzeugbasen errichten oder bereits bestehende nutzen. Laut "Guardian" ist die Sahelinitiative den USA 100 Millionen Dollar wert.

(Irlmaiers "Tauben aus dem Sand"!!!)

Unbestätigten Berichten zufolge hat sich die US-Armee auch schon aktiv an Antiterroroperationen in Afrika beteiligt. In dem staatlich finanzierten US-Radiosender "Voice of America" etwa war die Rede davon, dass US-Soldaten der malischen Armee dabei halfen, ein umfangreiches Waffendepot aufzuspüren und der algerischen Armee zu übergeben. Die Waffen seien für eine militante islamistische Gruppe in Algerien bestimmt gewesen.

Einem weiteren unbestätigten Bericht zufolge, den der "Guardian" zitiert, war ein US-Militärflugzeug an der Tötung von 43 mutmaßlichen Anhängern der algerischen Islamistengruppe GSPC beteiligt. Die GSPC hatte im vergangenen Jahr 32 Touristen, darunter 16 Deutsche, in der algerischen Sahara entführt. Das zweitägige Gefecht, in dem die USA die tschadische Armee unterstützt haben sollen, habe an der Grenze zwischen Tschad und Niger stattgefunden.

Einzige US-Basis in Afrika

Der Nutzen der militärischen Aufrüstung im nördlichen Afrika ist freilich fraglich: Bisher haben al-Qaida und andere islamistische Gruppen ihre Terror-Aktivitäten eher auf das östliche Afrika beschränkt. So fanden die Explosionen vor amerikanischen Botschaften von 1998 in Tansania und Kenia statt, die Anschläge im vergangenen Jahr auf ein israelisches Flugzeug und Hotel ebenfalls in Kenia. Die US-Regierung zog daraus die Konsequenz, in Dschibuti am Horn von Afrika, das auch wegen seiner Lage am Eingang zum Roten Meer geostrategisch von großer Bedeutung ist, eine Basis mit rund 2000 US-Soldaten einzurichten.

Noch ist es die einzige US-Basis auf dem afrikanischen Kontinent. Aber hochrangige US-Generäle haben in den letzten Monaten Afrika bereist, um weitere Orte für mögliche Basen und Landeplätze zu begutachten, berichtet der "Guardian".

Amerikas zweites Interesse an Afrika

Das strategische Interesse der USA an Afrika erschöpft sich jedoch nicht in ihrem internationalen Feldzug gegen den Terror. Die Weltmacht bezieht bereits heute rund 15 Prozent ihres Öls aus Afrika. Bis 2025 sollen es 25 Prozent sein. Das fordern vor allem den Republikanern nahe stehende Thinktanks wie das "American Enterprise Institute". Sie wollen unabhängiger sein von den Ölreserven des Mittleren Ostens. Das macht die afrikanischen Ölförderländer, die noch dazu nicht Mitglieder der mächtigen Opec sind, auch wirtschaftspolitisch interessant.




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