Re: Du hast es nicht verstanden

Geschrieben von JeFra am 25. Februar 2004 22:34:53:

Als Antwort auf: Du hast es nicht verstanden geschrieben von Danan am 25. Februar 2004 21:59:26:


genau, was du kritisierst, nämlich jeder macht mal einen Fehler, genau das gleiche muß ja wohl auch für Schröder, Fischer und Trittin gelten.

Zwischen den genannten Politikern und Frau Lengsfeld besteht ein sehr erheblicher Unterschied darin, daß die genannten 68iger ein bestehendes System mit relativer politischer Freiheit bekämpft haben, und zwar teilweise in führender Rolle, während Frau Lengsfeld eine untergeordnete Rolle in der SED gespielt hat zu einer Zeit, wo der Totalitarismus in der DDR schon bestand und die SED (abgesehen von den Blockparteien mit durch Quoten begrenzten Einfluß) sich das Monopol für alle Art von Politik gesichert hat. Wer in der DDR die Politik mitgestalten wollte, und sei es selbst auf lokaler Ebene, mußte in irgendeine dieser Parteien eintreten. Und die Blockparteien waren, soweit ich mich erinnere, per definitionem Interessenvertretungen gewisser Minderheiten (Bauern, Christen, kleine Handwerker etc.) und kamen daher nicht für jeden in Frage.

Ich beurteile, diese Menschen nicht nach dem was sie mal waren, sondern nach dem was sie jetzt sind. Aber genau das tut die Frau, nämlich den o.a. deren Vergangenheit vorhalten und als Argument für das Hier und Jetzt verwenden.

Das tue ich auch, wobei ich Vorbehalte für den Fall habe, daß Fischer für Akte des Terrorismus mit Todesfolge oder schwerem, irreversiblen körperlichen Schaden verantwortlich sein könnte. Diese Möglichkeit ist ja mal diskutiert worden. Ich glaube, Frau Lengsfeld sieht das genauso. Ihr Urteil beruht also darauf, daß die genannten Personen sich nicht von ihren früheren demokratiefeindlichen Zielen distanzieren, sondern nur von den damals benutzten Methoden. Diese Distanzierung wird ihnen nicht sonderlich schwerfallen, denn sie sitzen jetzt an den Schalthebeln der Macht und ihre politischen Ziele deckem sich mit der eines USraelisch dominierten Machtkartells, das praktisch die Kontrolle über die Massenmedien ausübt. Sie haben also ganz andere Methoden zur Ausschaltung des politischen Feindes, wobei die 1968 erhobenen Vorwürfe (Totalitarismus, latenter Faschismus, Ausschaltung der Meinungs- und Pressefreiheit) überhaupt erst heute zutreffen, allerdings eben auf das Regime der 68iger selbst.

Genauso falsch wie es wäre, Frau Lengfeld lediglich auf Grund ihrer SED Vergangenheit zu beurteilen, so falsch ist es auch anzunehmen die von Frau Lengfeld kritisierten Politiker würden noch immer genau das gleiche denken wie 1968. Natürlich hat Frau Lengfeld recht, wenn sie die Leute kritisiert, aber sie sollte die Argumente nicht aus der Mottenkiste der Geschichte holen, denn was Fischer und Trittin heute tun, tun sie nicht aus Hass an der Gesellschaft, sondern, weil sie sich ganz prima an dieser ach so verhassten Gesellschaft bereichert haben.

Ich würde schon sagen, daß der Haß auf unser Volk und unsere Gesellschaft für viele (nicht alle) 68iger ein wichtiges Motiv war, und zwar zum Teil wichtiger als die vorgeschobenen sozialpolitischen und ökologischen Motive. Daß später die Bereicherungssucht als Motiv hinzugekommen ist, glaube ich gerne.

Glaub mir, auch diese Leute sind heute vor allem Vasallen derer die die Macht wirklich in Händen halten.

Das stimmt, aber macht es diese Clique sympathischer, daß sie nur Lakaien der eigentlichen Machthaber sind? Lakaien, die man zur Not noch dem Volkszorn als Laternenschmuck opfern würde, damit die eigentlichen Machthaber unangetastet bleiben. Da ist mir eine Frau Lengsfeld lieber, die in jugendlicher Naivität in die SED eingetreten ist, später für ihren Gesinnungswechsel ernsthafte Nachteile in Kauf genommen hat und auch heute in Opposition zu den Machthabern steht.


Gruß JeFra


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