Zurück zum Index

Waffen und deren Herstellung ⇒ Thema gestartet von: StarFire am 27. Januar 2008, 12:00:51



Titel: Recht auf Selbstverteidigung/Waffenrecht/Waffenbesitz (rechtliches+praktisches)
Beitrag von: StarFire am 27. Januar 2008, 12:00:51
Also, nachdem etliche Leute hier von Waffen, Selbstverteidigung und den rechtlichen Grundlagen dafür keine Ahnung haben, mal ein kurzer Abriss darüber. Ich beziehe mich vor allem auf die deutschen Gesetze, da ich mich nur mit denen einigermaßen auskenne.

1. Allgemeines rechtliches
1.1 Recht auf Notwehr (http://de.wikipedia.org/wiki/Notwehr)
1.1.2 Ich darf einen "gegenwärtigen" Angriff auf meine Gesundheit/Leben/Besitztum mit "angemessenen" Mitteln abwehren. D.h. ich darf einem Angreifer, der grade mit seinem Raub fertig ist, nicht in den Rücken schießen. Alles weitere findet sich in dem verlinkten Wikipedia-Artikel.

1.2 Nothilfe
Ich darf jemandem helfen, der bedroht oder angegriffen wird. Ich darf aber keine "Staatsnothilfe" betreiben, das bleibt den Behörden vorbehalten (wäre ja Selbstjustiz).

1.3 Grundgesetz Artikel 20, Abs. 4 (http://de.wikipedia.org/wiki/Artikel_20_Grundgesetz#Absatz_4)
Wortlaut:
Zitat
Absatz 4 [Bearbeiten]
Das Widerstandsrecht ist mit der Einführung der Notstandsgesetzgebung in das Grundgesetz 1968 eingefügt worden. Der Widerstand gegen jeden, der es unternimmt, die Grundfesten der Bundesrepublik Deutschland zu zerstören, ist somit rechtlich abgesichert, und zwar noch bevor die Ordnung gefährdet worden ist; schon die Vorbereitungen zu einem solchen Umsturz dürfen bekämpft werden. Deutsche, also Ausländer eindeutig ausgenommen, dürfen dieses Recht aber nur als Ultima ratio nutzen; vorher müssen alle anderen Mittel ausgeschöpft sein. Nach Meinung einiger Staatsrechtler haben die Widerständler auch das Recht, Anschläge und Morde (z. B. Tyrannenmord) zu begehen, um die grundgesetzliche Ordnung wiederherzustellen.

Dazu braucht es keine weitere Erläuterung, das ist ein Gummiparagraph, der beliebig ausgelegt werden kann. Es deckt z.B. keine Anschläge gegen den gegenwärtigen Innenminister, weil das die gesetzliche Ordnung nicht wiederherstellen würde. Unsere Regierung ist durch sogenannte "Sicherheitsgesetze" zwar fleißig dabei unser Grundgesetz und die Bürgerrechte, sowie die Demokratie abzuschaffen, aber das rechtfertigt noch nicht sich auf dieses Gesetz zu berufen.

Die Kenntnis dieser Gesetze sind im Krisenfall sicher sehr nützlich.

SF


Titel: Re: Recht auf Selbstverteidigung (rechtliches + praktisches)
Beitrag von: StarFire am 27. Januar 2008, 12:35:27
Waffenrecht in Deutschland

Die Regierung propagiert den Grundsatz: "So wenige Waffen wie möglich ins Volk". Eine ziemlich abstruse Forderung, wenn man sich die Statistiken ansieht:

  • 10 Millionen legale Waffen verteilen sich auf ca. 3,6 Millionen legale Waffenbesitzer (Jäger, Sportschützen, Sammler und andere Berechtigte)
  • 20 Millionen illegale Waffen in den Händen von Verbrechern (für die Menge an Verbrechern gibt es leider keine Zahlen)

Ein Bedürfnis nach Waffen hat, wer z.B. Sportschütze oder Jäger ist, Sammler mit Genehmigung, Behörden, Armee und Sicherheitsdienste.

Sportschützen müssen Mitglied in einem Verein sein, im Schnitt erstmal ein Jahr lang wenigstens alle 14 Tage sportlich trainieren um dann von ihrem Verein ein Bedürfnis für eine eigene Waffe bescheinigt zu bekommen. (Muß eine Feuerwaffe sein - Training mit Luftdruckwaffen etc. gilt nicht). Man sollte sich am besten einen Verein aussuchen, der alle möglichen Waffenarten schießt (Mitglied im BDMP, BDS, Reservistenverein, etc.). Beim DSB kann es sein, daß nur Kleinkaliber geschossen wird und ein Bedürfnis auf andere Kaliber nicht gegeben ist.

Hat man das Bedürfnis vom Verein, dann geht der Papierkram los. Beantragung einer Waffenbesitzkarte für die Waffe(n), die man haben will. Für jegliche mehrschüssige Kurzwaffe (Revolver, Pistolen) und für halbautomatische Gewehre sowie Schrotflinten (Pumpaction und Halbautomaten) braucht es eine Grüne Waffenbesitzkarte. Für Repetiergewehre (Büchsen) reicht eine Gelbe Waffenbesitzkarte. Man sollte am besten beides gleichzeitig beantragen.

Nachweise für Landrats- oder Bürgeramt (Amt für öffentliche Ordnung):
  • Aktuelles polizeiliches Führungszeugnis
  • Beleg über die nötigen Lang- und Kurzwaffentresore
  • MPU für Leute unter 25 Jahren (psychische Eignung)
  • Sachkundenachweis (Ablegung einer Prüfung über Waffensachkunde (http://www.familie-klier.de/sfk/sachkunde/sachkunde.html))

Dann wird es teuer. Für die 2 WBKs legt man schon mal durchschnittlich 160 Euro auf den Tisch. Pro Eintrag einer Waffe 12,50 Eur, die MPU (so nötig) kann zwischen 150 und 500 Euro kosten, je nachdem an wen man sich wendet. Das örtliche Gesundheitsamt ist meist am günstigsten. Sachkundeprüfung ist je nach Verein unterschiedlich. Das kann von 35 Eur bis über 150 Eur kosten. Die Tresore kosten auch nochmal ca. 200 (Langwaffe Sicherheitsstufe A) und 250 (Kurzwaffen Sicherheitsstufe B). Führungszeugnis weiß ich nicht, ich hab' damals nix zahlen müssen. Aber heutzutage ist das wohl anders.

... ach ja ... die angestrebten Sportgeräte schlagen dann auch noch kräftig zu Buche. Die Munition nicht zu vergessen.

Das Waffenrecht in Österreich ist noch etwas bürgerfreundlicher, aber der neue EU-Entwurf ist abgesegnet und es ist nur noch eine Frage von Wochen bis es ähnlich streng wie in Deutschland ist.


Jagdschein
Die zweite Methode legal an Waffen zu kommen ist der Jagdschein. Die Jagdprüfung wird auch "das grüne Abitur" genannt und das ist kein zuckerschlecken. Da wird viel Lernstoff und Fachwissen gefordert, das sich aber im Krisenfall durchaus rechnen kann. Entweder man nimmt Kontakt zur örtlichen Jägerschaft auf und macht den längeren aber günstigeren Kurs mit Prüfung (die kostet aber so gut wie immer 500,-- Eur) oder man geht auf eine Jagdschule und macht einen 14-Tages-Intensivkurs mit anschließender Prüfung. (Wohnen muß man da auch noch, also zu den Kosten zwischen 1500 und 3000 Euro kommt dann noch 14 Tage Unterkunft in einer Pension). Aber zur Jägerprüfung kann Combustion sicher mehr sagen.