Nostradamus:Nach dem Beginn des 3.Jhtsd`s, bzw.Nicht weit entfernt vom 3. Jhrtd.

Geschrieben von Fred Feuerstein am 13. November 2004 23:35:35:

Nostradamus: „Nach dem Beginn des zweiten Jahrtausends“, bzw. „Nicht weit entfernt vom Jahrtausend“

1999 war mitnichten das von Nostradamus prophezeite Katastrophenjahr. Die damalige Sensationspresse griff dagegen willig eine diffuse Jahrtausend-Endangst auf, und versuchte es mit dem bekanntesten aber falsch verstandenem Nostradamus Vierzeiler zu untermauern. Kein „ernstzunehmender“ Astrologe und/oder Prophet konnte und wollte dem widersprechen.

Hätte man nur die den Centurien vorangestellten Briefe (1. An seinen Sohn Cäsar, und 2. An seinen König HeinrichII)
genauer gelesen, wäre klar geworden, daß 1999 außer einer schönen Sonnefinsternis nichts wirklich weltbewegendes apokalyptisches passiert.

Die Briefe fristen sowieso mir unverständlicherweise eher ein Schattendasein, obwohl gerade in den Briefen der Nebel etwas gelüftet wird (Ich hoffe Dimde verwurstet sie nicht in seinem Fleischwolf :-( ) Nostradamus springt zwar auch darin wieder in den Jahrhunderten hin und her, es sind aber doch längerdauernde Handlungsstränge zu erkennen.

Eindeutig nimmt er Bezug zu den Ereignissen die NACH dem Beginn des 7. (eig. Anmerkung: 3. Jhrtd. unserer Zeitrechnung) Jahrtausends eintreten werden. Des weiteren ist im Vers X, 74 folgendes geweissagt: „nicht (weit) entfernt vom großen Jahrtausend“ ein „Hecatombe“, d.h. wohl ein entsetzliches (globales) Blutbad.
Dies ist für mich ein weiterer Hinweis auf Beginn der Kataklysmen bis zum Jahre 2010. Nach 2010 würde ich nicht mehr von einem Jahrtausendbeginn sprechen.

Ich wollte eigentlich selbst mal einige Passagen im Quervergleich zu den anderen Prophezeiungen analysieren.
Im Zuge dieser Recherchen habe ich fogende interessante Deutung bzw. folgenden Vergleich mit der Offenbarung des Johannes gefunden. Es ist offensichtlich, daß Nostradamus seine Gesichte mit den biblischen Prophezeiungen , und hier v.a. der Offenbarung des Johannes vergleicht


(Vorbemerkung:
Nostradamus schreibt in seinen Briefen vom 7. Jahrtausend. Dies entspricht unserem 3. Jahrtausend = ab 2000 n.Chr., da er anhand der Bibel davon ausgeht, daß das erste Menschengeschlecht 4000 Jahre vor Christus gelebt hat.)

Deutung des Briefes an seinen König Heinrich II – Vergleich mit der Johannes-Offenbarung – Hinweise in seinen Centurien

Quelle:
http://www.akademie-rs.de/publikationen/khr44_kassandra_dendl.htm von Jörg Dendl


Auszug:
„... Diese Vorreden weisen auf den Zielpunkt der Weltgeschichte, die Endzeit, in der das Böse überwunden wird. Darin folgt Nostradamus den schon in der Bibel niedergelegten Vorstellungen. Insbesondere lehnt er sich bei seiner Schilderung der Endzeit an die Offenbarung des Johannes an. Unzweifelhaft wird dies, wenn bei Nostradamus zu lesen ist: "Gott der Schöpfer wird die Not seines Volkes betrachten und sprechen: ›Der Satan soll gebunden werden.‹ Dann fängt zwischen Menschen und Gott ein allgemeiner Frieden an. Etwa 1000 Jahre wird der Satan gefesselt sein. Die höchsten Befugnisse erhält die Kirchenmacht zurück. Dann aber wird der Satan wieder losgebunden." (Vorrede an Heinrich II.)

Dieser Satz stimmt völlig mit dem überein, was Johannes im Jahr 97 auf der Insel Patmos über das Ende der Zeiten schrieb. Schon er spricht davon, dass zu dieser Zeit ein Engel vom Himmel kommen wird, um den Satan zu binden und für 1000 Jahre in einen Abgrund zu werfen. Die Offenbarung schildert im Anschluss hieran das Gericht über die Toten und die erste Auferstehung, bei der die Gerechten wieder ins Leben kommen, die dem apokalyptischen "Tier" widerstanden hatten und dafür gestorben waren. Während der tausend Jahre, in denen der Drache gebunden sein wird, herrschen diese Gerechten über die Welt. Doch am Ende dieser Zeit, so die Offenbarung weiter, kommt der Satan wieder frei und zieht seine Armeen zusammen, um gegen das von den auferstandenen Heiligen bewohnte Jerusalem zu ziehen. Doch der Angriff vergeht in vom Himmel fallendem Feuer. Nun kommt das Endgericht, bei dem alle, die nicht im "Buch des Lebens" verzeichnet gefunden werden, zusammen mit dem Satan in den "feurigen Pfuhl" der ewigen Verdammnis geschleudert werden.

Nostradamus geht in seinen Schilderungen nicht nur auf diese Ereignisse ein, sondern berichtet auf seine Weise auch von den Geschehnissen davor. Seinem Sohn schildert er zunächst gewaltige Naturkatastrophen, bei denen es zu einer solchen Veränderung kommen soll, dass es nicht einmal mehr möglich sein wird, die Mondphasen aufzuzeichnen. Darüber hinaus sollen gewaltige Überschwemmungen und das Herabstürzen von Feuer aus dem Himmel die Menschheit dezimieren. Solche Ereignisse sieht Nostradamus schon in der nächsten Zukunft auf seine Zeitgenossen zukommen. Wichtig ist aber, dass er davon ausgeht, diese Ereignisse würden sich am Ende der Tage wiederholen, denn er schreibt: "Soweit man nun durch Betrachtung des Himmels urteilen kann, ereignet sich dies noch einmal, wenn wir in der siebten Tausendzahl sind und wenn die ganze Tausendzahl vollendet ist und wir uns der achten nähern, ..." ("encores que nous soyons au septiesme nombre de mille qui paracheue le tout, nous approchant du huictiesme, ..."), um zu dem entscheidenden Satz zu kommen, wo er sagt: "Hier wird sich aber der ewige Gott aufmachen und den Umlauf vollenden" ("... où le grand Dieu eternel viendra paracheuer la reuelation ...").

In seinem Vorwort an Heinrich II. geht er erneut auf das Ende der Welt ein, wo er als Beginn seiner Voraussagen den 14. März 1547 angibt und dann sagt, er "... gehe weit darüber hinaus bis zu dem Ereignis, das nach dem Beginn des 7. Jahrtausends aufs sorgfältigste berechnet ist" ("... & passant outre bien loin jusques à l'advenement, qui sera apres au commencement du 7. millinaire profondement supputé tant que mon calcul astronomique ...").

Und so lassen sich auch Vierzeiler finden, die auf das 7. Jahrtausend Bezug nehmen. Der 48. Vierzeiler der ersten Centurie lautet: "Zwanzig Jahre der Herrschaft des Mondes sind vorbei, (wenn in) siebentausend Jahren (ein) anderer seine Königsherrschaft an sich nimmt: Wenn die Sonne ihre dunklen Tage hat, dann (ist) meine Prophezeiung erfüllt und untergraben." ("Vingt ans du regne de la Lune passez, Sept mil ans autre tiendra sa Monarchie: Quand le Soleil prendra ses jours lassez, Lors accomplit & mine ma prophetie" I, 48.)

Am Beginn des 7. Jahrtausends wird also eine Verdunkelung der Sonne stehen, dann sind die Voraussagen des Nostradamus erfüllt. Und auch der vierundsiebzigste Vierzeiler der zehnten Centurie weist auf diese Zeit, in dem es heißt: "Das vollendete Jahr der großen Zahl Sieben wird ihnen in den Zeiten des Blutbads erscheinen, nicht (weit) entfernt vom großen Jahrtausend, wie sie eintreten(,) steigen sie aus ihren Gräbern (wieder) heraus." ("An revolu de grand nombre septiesme, Apparoistra au temps d'Hecatombe, Non esloingé du grand aage milliesme, Que les entrez sortiront de leur tombe" X, 74.) In diesem Vierzeiler spricht Nostradamus nun unmissverständlich von der Wiederauferstehung der Toten. Er ist demnach völlig in Einklang mit der christlichen Heilsgeschichte, was die Schilderung der Endzeit angeht.

Nach den Vorstellungen der Theologen und Gläubigen des Mittelalters sollte die Welt nach der Schöpfung 6000 Jahre existieren, dann würde ein 1000-jähriges Friedensreich anbrechen, bevor das göttliche Endgericht ein abschließendes Urteil über Sünder und Gerechte fällen würde. Die Vorstellung von den sieben Jahrtausenden geht zurück auf den 90. Psalm, nach dem vor Gott tausend Jahre wie ein Tag seien (Ps 90, 4). So gelangte man zu der Vorstellung einer 7000-jährigen Weltgeschichte mit 6000 Jahren, die den Wochentagen entsprechen, und dem 7. Jahrtausend als Sabbat der Welt.

Mit dem für den Beginn des siebten Jahrtausends berechneten Ereignis scheint eine Sonnenfinsternis gemeint zu sein. Verführerisch ist es natürlich, die schon angesprochene Sonnenfinsternis vom 11. August 1999 als dieses Ereignis anzusehen. Dabei ist aber zu bedenken, was ich über die zyklische Geschichtsauffassung des Nostradamus sagte. Diese Sonnenfinsternis mag als Vorbild für die letzte Sonnenfinsternis dienen, doch sie muss es nicht sein. In der Offenbarung werden mehrere Sonnenverfinsterungen als Folgen der über die Menschheit in der Endzeit hereinbrechenden Plagen am Ende der Zeiten beschrieben.
So verfinstern sich bei der Öffnung des sechsten Siegels Sonne und Mond (Off 6, 12). Dieses Ereignis schildert Nostradamus im fünften Vierzeiler der III. Centurie, wo er von der Verfinsterung zweier großer Leuchten spricht, die in einem ungenannten Jahr zwischen März und April stattfindet. Ebenso wird, wenn der vierte Engel in die Posaune stößt, der dritte Teil der Sterne, des Mondes und der Sonne verfinstert (Off 8, 12). Kurz vor der Schilderung der Überwindung des Satans heißt es, dass ein Engel in der Sonne stehe, der zum Kampf gegen den Satan aufruft (Off 19, 17).
Auch dies könnte als Sonnenfinsternis verstanden werden. Nostradamus legt in seinem Vorwort an seinen Sohn sehr viel Wert darauf, dass er seine astrologischen Berechnungen als Unterstützung seiner durch göttlichen Beistand gewonnenen Prophezeiungen anwendet, was wohl so zu verstehen ist, dass er auch die in der Offenbarung beschriebenen Himmelserscheinungen als berechenbare kosmische Ereignisse ansieht.

Wenn Nostradamus den Beginn des siebten Jahrtausends als Endpunkt seiner Prophéties für so wichtig hält, ist zu fragen, auf welches Jahr der christlichen Ära er diesen Termin ansetzte. Aus seinen beiden Berechnungen des Alters der Welt, die er in seiner Vorrede an König Heinrich II. vorlegt, geht dies allerdings nicht hervor. Zunächst ist der Umstand festzuhalten, dass er zu zwei verschiedenen Ergebnissen kommt. Anhand aus dem Alten Testament selbst berechneter Zeitangaben kommt er zunächst zu dem Ergebnis, Jesus habe 4758 Jahre nach Adam gelebt. Zählt man demnach vom Jahr 4758 v. Chr. an sechstausend Jahre, dann ergibt sich das Jahr 1242 als Beginn des siebten Jahrtausends. In seiner zweiten Berechnung vergingen aber bis zu Jesu Lebzeiten 4173 Jahre, womit das siebte Jahrtausend schon mit dem Jahr 1827 hätte beginnen müssen. Nostradamus erklärt nicht, wieso er zu diesen beiden unterschiedlichen Ergebnissen kam, auch nicht, weshalb er keinen der schon vor ihm berechneten Termine als richtig annahm. Im 14. Jahrhundert hatte Arnald von Villanova, fußend auf einer Stelle des Danielbuches (Dn 12, 11), das Jahr 1378 als Zeitpunkt des Erscheinens des Antichristen errechnet.

Die Frage nach dem Zeitpunkt des Beginns des 7. Jahrtausends in der Vorstellung des Nostradamus wird durch eine weitere Zeitangabe noch komplizierter. In der Vorrede an seinen Sohn heißt es, sein Buch enthalte "... fortgesetzte Vorhersagen, von heute bis zum Jahr 3797" ("... lesquelles i'ay un peu voulu rabouter obscureme(n)t: & sont perpetuelles vaticinations, pour d'icy à l'annee 3797" Vorrede an Caesar).

Wenn es dann in der Vorrede an Heinrich II. heißt: "Ich beginne mit der gegenwärtigen Zeit, das ist der 14. März 1547, und gehe weit darüber hinaus bis zu dem Ereignis, das nach dem Beginn des 7. Jahrtausends aufs sorgfältigste berechnet ist" ("commencant depuis le temps present, qui est le 14. de Mars 1547. & passant outre bien loin jusques à l'advene-ment, qui sera apres au commencement du 7. millenaire profondement supputé tant que mon calcul astronomique ..." Vorrede an Heinrich II.) , ist wohl nicht auszuschließen, dass Nostradamus in dieses Jahr das Ende des 1000-jährigen Friedensreiches legt. Denn das letzte von ihm in beiden Vorreden geschilderte Ereignis ist die Entfesselung des Satans. Diese geschieht am Ende der 1000-jährigen Friedenszeit, also müsste das sechste Jahrtausend im Jahr 2797 n. Chr. enden.

Es ist hier nun zu schildern, wie Nostradamus die Endzeit ausmalt. In den beiden Vorreden erwähnt Nostradamus die Zeit bis 1792 mit wenigen Worten und beginnt dann Schilderungen der Geschehnisse in den letzten 39 Jahren vor dem Beginn des 7. Jahrtausends. Dies wird besonders deutlich durch die Zeitangaben in der dritten Version dieser prophetischen Weltgeschichte am Ende der Vorrede an König Heinrich II. Der Ausgangspunkt für die Berechnung sind einerseits die im Text angegebenen Zeiten, in denen bestimmte Ereignisse andauern, andererseits das Fixdatum des Jahres 3797, in dem der letzte Kampf gegen den Satan stattfinden soll. Die letzten Jahre brechen mit einer elf Jahre währenden Bedrückung der Kirche durch die von Nostradamus so bezeichneten "östlichen" und "nördlichen" Könige an, die bis zum Sturz des "nördlichen" Herrschers andauert. Diese Kirchenverfolgung hat sich wohl auch im Vierzeiler 52 der I. Centurie niedergeschlagen, wo die dritte Zeile lautet: "Durch den neuen König Pest in der Kirche..." ("Peste à l'Eglise par le nouveau Roy joints, ..." I, 52).
Eine erneute, dreijährige Kirchenverfolgung wird dann vom "südlichen" Bundesgenossen des gestürzten Königs durchgeführt. Diese Verfolgung führen ein Ketzer und eine militante Kirche. Nostradamus sieht eine nahezu vollständige Vernichtung der Christenheit, aber auch Pest und große Kriege. Wenn nach der Offenbarung der sechste Engel in seine Posaune stößt, werden vier Engel freigelassen, die am Euphrat gebunden waren. Diese machen sich mit einer gewaltigen Heeresmacht auf, den dritten Teil der Menschen zu töten (Off 9, 13-17).

Es ist zu vermuten, dass Nostradamus diesen Teil der Offenbarung meinte, wenn er von der Kirchenverfolgung spricht, die von Mächten aus dem Osten veranlasst wird. In der vorausgehenden, ausführlicheren Schilderung der Endzeit spricht Nostradamus deutlich vom Wirken des Antichristen. Dort heißt es: "Der zweite Antichrist wird die Kirche und den rechtmäßigen Stellvertreter Petri mit Hilfe der derzeitigen Könige verfolgen, die unwissentlich durch Redner verführt werden ..."
Diese Stelle ist zweifellos eine Ausmalung dessen, was in dem hier zugrunde gelegten dritten Endzeitbericht angesprochen wird. Der "zweite Antichrist" ist der vor dem persönlichen Erscheinen des Satans auftretende Kirchenfeind. In der Offenbarung ist es das aus dem Meer steigende, dem Panther gleichende Tier, das einerseits "große Dinge" redet, andererseits aber auch die Gläubigen bekämpft (Off 13, 1-7). Nostradamus überträgt die Bilder der Offenbarung in die Vorstellungen seiner Zeit. Was er hier tut, ist eine Auslegung dessen, was die Offenbarung sagt. Die vom "Tier" Verfolgten sind in seinen Augen natürlich die Anhänger der katholischen Kirche. Aus seinem eigenen Erleben lehnte der Seher die protestantischen Regungen seiner Zeit offensichtlich völlig ab und sah in der drohenden Kirchenspaltung, die auch in seinen Vierzeilern eine Rolle spielt, eine große Gefahr für den Glauben.

Nostradamus spricht nun davon, dass nach den 14 Jahren der Kirchenverfolgung ein anderer nordischer König zwar gegen die Kirchenverfolger vorgeht, doch endet alles damit, dass die Kirche endgültig vernichtet wird. An diesem Höhepunkt der Gräuel erscheint Satan selbst als Antichrist. Hier sollen Vögel erscheinen, die nach Nostradamus "huy, huy" schreien. Viele moderne Interpreten wollten hinter diesen Schreien die Geräusche von Düsenflugzeugen oder Raketen erkennen. Doch kennt auch die Offenbarung dieses Bild: "Und ich sah einen Adler fliegen durch des Himmels Mitte und sagen mit großer Stimme: Weh, weh, weh denen, die auf Erden wohnen, ..." (Off 8, 13).

Auch in den Prophéties findet sich das Motiv des Adlers, wenn es im dreiundzwanzigsten Vierzeiler der ersten Centurie heißt: "Im dritten Monat sich die Sonne erhebt, Das Wildschwein (und) der Leopard auf dem Marsfeld um zu kämpfen, der Leopard zurückgelassen, zum Himmel richtet er sein Auge, Ein Adler, die Sonne umrundend, sieht ihn kämpfen." ("Au moys troisiesme se levant du Soleil, Sanglier, liopard au champ Mars pour cambatre, Liopard laissé, au ciel extend son oeil, Vn Aigle autour du soleil voir s'esbatre" I, 23.)

Ob dieser Vierzeiler tatsächlich zur Schilderung der Endzeit gerechnet werden kann, ist nicht sicher zu entscheiden. Es wird der Kampf zwischen Wildschwein und Leopard geschildert. "Leopard" kann für den in der Bibel genannten Panther stehen. Und das aus dem Meer steigende "Tier" wird in der Offenbarung mit dem Panther gleichgesetzt. Welche Bedeutung aber das von Nostradamus genannte Wildschwein haben sollte, bleibt offen. Der die Sonne umkreisende Adler deckt sich aber sehr stark mit der Schilderung der Offenbarung. Deutlicher wird der Zusammenhang mit dem wehschreienden Adler und der durch das "Tier" der Apokalypse verursachten Teuerung bei folgendem Vierzeiler: "Die Stimme des ungewöhnlichen Vogels (wird) gehört, über dem Dach: Wenn der Scheffel Weizen teuer kommt, dass der Mensch des Menschen Menschenfresser wird." ("La voix ouye de l'insolit oyseau, Sur le canon du respiral estage: Si haut viendra du fromment le boisseau, Que l'homme d'homme Iera Antorpophage." I, 23.)

In der Offenbarung wird davon gesprochen, dass unter der Herrschaft des "Tieres" nur die Menschen kaufen und verkaufen können, die das Malzeichen des Tieres an der rechten Hand oder an der Stirn tragen. Satan ist in der Offenbarung der "Drache", der vom Erzengel Michael und anderen Engeln aus dem Himmel gestoßen wird, doch dann auf der Erde sein Unwesen treibt (Off 12, 7-9).

Nostradamus sieht das Reich des Antichristen im Osten errichtet, im Gebiet des Attila und des Xerxes, wie er sagt. Von dort aus wird er "den Krieg gegen die Monarchie eröffnen ..., und zwar gegen den König, der dann der große Stellvertreter Jesu Christi auf Erden ist, und gegen seine Kirche. Sein Reich wird eine Zeitlang bestehen, ...", heißt es in der Vorrede an Heinrich II.
Fünfundzwanzig Jahre soll diese Schreckensherrschaft auf Erden wüten. "Soviel Unheil wird durch den höllischen Fürsten angerichtet, dass fast die ganze Welt zerstört und verwüstet sein wird", schreibt Nostradamus. Und wieder gibt es eine Stelle in der Vorrede an Heinrich II., die direkt mit einem der Vierzeiler korrespondiert. In der Vorrede heißt es bei der Schilderung der Gräuel der 25-jährigen Schreckenszeit: "Viel Blut der Jungfrauen, Ehefrauen und Witwen wird, nachdem sie geschändet worden sind, vergossen" (an Heinrich II.). Fast dieselbe Formulierung findet sich im 80. Vierzeiler der VIII. Centurie, wo es heißt: "Schuldlos, Witwen-, Jungfrau'n-Blut vergossen, Greuel durch diesen großen König geschehen." ("Des innocens le sang de vefve & vierge, Tant de maux faits par moyen se grand Roge, ..." VIII, 80.)

Diese Stelle zeigt überdeutlich, dass die schon geäußerte These von einem Zusammenhang zwischen den Berichten in der Vorrede und der Reihenfolge der Vierzeiler besteht. Zweifellos lässt sich so der Ansatz zur chronologischen Anordnung der Vierzeiler finden.

Die Zeit der schweren Verfolgungen nimmt nach der Offenbarung schließlich ihr Ende. Zunächst kämpft ein himmlischen Heer unter der Führung des wiedergekommenen Messias gegen die Anhänger des "Tiers". Das himmlische Heer siegt über das Tier und seinen falschen Propheten, die beide in den feurigen Pfuhl der ewigen Verdammnis geworfen werden. Nostradamus schildert diesen Kampf als einen Krieg zwischen dem von ihm auch in den Centurien immer wieder erwähnten "Chiren" und seinen Feinden.
Der Name CHIREN hat Generationen von Nostradamus-Interpreten beschäftigt. Die beliebteste Erklärung für dieses unbekannte Wort sieht man in einem Anagramm, denn umgestellt ergeben die Buchstaben HENRIC, also Heinrich. Dieser Mann soll in Lyon geboren werden und nach langen Kämpfen ein Friedensreich errichten. Dieses ist nach den Centurien allerdings ein recht weltliches Gebilde. Hierbei zeigt sich wieder, dass Nostradamus die Offenbarung als Bild für die kommenden Zustände auf Erden sieht und es nach seinen Ansichten ausdeutet.

Das Ende der Kriege des Antichristen wird in der achten Centurie im 77. Vierzeiler geschildert. Nach 27 Jahren Krieg, zwei Jahre mehr als in der Vorrede an Heinrich II. genannt, wird er vernichtet. "Der Antichrist bald vernichtet, siebenundzwanzig Jahre dauert sein blutiger Krieg, die Häretiker sind tot, die Gefangenen verbannt, Blut, menschliche Leichen, rote Wasser, Hagelschlag (auf der) Erde" ("L'antechrist trois bientost annichilez, Vingt & sept ans sang durera sa guerre, Les heretiques morts, captifs exilez, Sang, corps humain, eau rougie, gresler terre" VIII, 77), schreibt Nostradamus.
Der Satan selbst wird durch das Eingreifen eines vom Himmel gestiegenen Engels überwunden: "Und er griff den Drachen, die alte Schlange, das ist der Teufel und Satan, und band ihn tausend Jahre und warf ihn in den Abgrund und verschloss ihn und tat ein Siegel oben darauf, dass er nicht mehr verführen sollte die Völker, bis dass vollendet würden die tausend Jahre" (Off 20, 2-3). In seiner Vorrede weist Nostradamus nur knapp darauf hin, dass Gott den Befehl gibt, den Satan zu binden. Dagegen hat einen deutlichen Bezug zu diesen Zeilen der Vierzeiler 95 der VIII. Centurie. "Den Verführer stürzen sie in die Grube und binden (ihn) bis zur bestimmten Zeit ..." ("Le seducteur sera mis en la fosse, Et estaché jusques à quelque temps, ..." VIII, 95.) Hier hat sich der Seher zweifellos wieder sehr eng an die Offenbarung angelehnt.

Nun folgt nach der Offenbarung das 1000-jährige Reich des Friedens. Nach dem oben schon zitierten Vierzeiler kommt es nun zur Auferstehung der Gerechten, die das Friedensreich beherrschen werden. Sehr plastisch malt Nostradamus diesen Friedenszustand nach den die Erde entvölkernden Kriegen in einem der Vierzeiler aus. In diesem heißt es: "Die Blumen verblühen, die Welt wird verkleinert, lange Zeit (währt) der Frieden, die Erde unbewohnt. Der Herr schreitet durch den Himmel, die Erde, das Meer und die Woge, dann von neuem hervorgerufen die Kriege" ("Les fleaux passez diminué le monde, Long-temps la paix, terres inhabitez. Seur marchera par le ciel, terre, mer, & onde, Puis de nouveau les guerres suscitez." I, 63).

Das Jahr 2797 ist erreicht. Allein in Jerusalem leben die Gerechten, alle anderen Verstorbenen werden nicht auferweckt. Am Ende der tausend Jahre, so steht es in der Offenbarung, wird aber der Satan wieder losgelassen. Und erneut sammelt er seine Heere, um Jerusalem zu stürmen. Hierzu ruft er den Gog und sein Volk Magog zusammen (Off 20, 8). Das Volk Magog wird von den Autoren der Bibel als im Norden lebendes Volk angesehen. So ist es auch nicht verwunderlich, wenn Nostradamus zunächst den "nordischen Königen" mit ihren Verbündeten die Hauptschuld an der Verfolgung der Kirche zuweist. Den letzten Kampf, bei dem der Satan und seine Verbündeten schließlich besiegt und vernichtet werden, schildert Nostradamus in seiner Übersicht nicht mehr. Mit dem Jahr 3797, dem Jahr der Freilassung des Satans, endet seine Darstellung.

Die notwendige Beschränkung des Umfangs dieser Betrachtungen hat es an einigen Punkten nicht erlaubt, mehr in die Details zu gehen, aber ich hoffe, mit dem Gesagten plausibel untermauert zu haben, dass die Endzeitprophetien des Nostradamus sehr stark an der christlichen Apokalyptik orientiert sind. Die Offenbarung des Johannes war ihm offensichtlich bei seiner Arbeit die Leitschnur. Er wollte seinen Mitmenschen und auch seiner Nachwelt eingebunden in die christliche Lehre von der Wiederkunft des Messias seine Interpretation der in der Bibel geschilderten Ereignisse mitteilen. Wiederholt betont er in den Vorreden zu seinen Büchern seine Rechtgläubigkeit und verweist auf die göttliche Gnade, die ihn zum Propheten machte. Seine eigenen Prognosen für die Zukunft, schrecklich wie sie meistenteils sind, sieht er an als Bausteine des Weges zum Endgericht. Eintausend Vierzeiler legte er nieder, um die Geschehnisse zu erfassen, die er für die nächsten 2242 Jahre sah, und er ordnete sie den Zeiten zu, die er mit Hilfe der Astrologie vorherberechnete. Ereignisse, die er aus eigenem Erleben oder der Geschichte kannte, sah er wiederkehren und schließlich in das Endgericht münden.

Die Deutung seines Werkes hat der Seher absichtlich erschwert. Die unterschiedlichen, ja teilweise extrem widersprüchlichen Deutungen seiner Verse, zu welchen ich nun auch noch die meine gesellt habe, zeigen die Folgen. Und so möchte ich am Schluss noch einmal Nostradamus zu Wort kommen lassen, der offensichtlich selbst schon ahnte, dass sich Generationen von Interpreten an seinen Vierzeilern versuchen würden. In seinen bekannten umständlichen Formulierungen heißt es im vierundneunzigsten Vierzeiler der dritten Centurie:

"Fünfhundert Jahre lang (wird an dem) nicht festgehalten, der die Zierde seiner Zeit war: Dann (ist) mit einem Schlag große Klarheit gegeben, dass sie während dieses Jahrhunderts sehr zufrieden sind" ("De cinq cens ans plus compte ne tiendra, Celuy qu'estoit l'ornement de son temps: Puis à un coup grande clarré donrra, Que par ce siecle les rendra trescontens" III, 94).
Dieser Vers wird darauf gedeutet, dass es fünfhundert Jahre nach dem Erscheinen der Prophéties gelingen würde, den Schlüssel zu diesem Text zu finden, was die große Klarheit bringen wird. Eine treffendere Zukunftsvoraussage konnte der Seher von Salon nicht liefern, denn zweifellos wird es eines Tages gelingen, die ursprüngliche Abfolge seiner verworrenen Vierzeiler wieder herzustellen. Er selbst lieferte genügend Ausgangspunkte, um dieses Rätsel zu lösen. Die Ergebnisse werden sicherlich überraschend sein.

Quellenhinweis:

Alle französischen Zitate nach:
Les vrayes Centuries et Prophéties de Maistre Michel Nostradamus, Paris 1668 [Karl Schickowski (Hg.), Die magischen Handbücher, Bd. 18, 1968].
Im laufenden Text werden die Zitate aus den ›Prophéties‹ folgendermaßen nummeriert: Die römische Zahl steht für die Centurie, die arabische für den Vierzeiler, (III, 14) bedeutet damit: 3. Centurie, 14. Vierzeiler. Auf die Angabe von Seitenzahlen wurde verzichtet, da diese in den verschiedenen Ausgaben der ›Prophéties‹ stark abweichen. "


mit freundlichen Grüßen
Fred



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